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Mit „Umparken im Kopf“ zurück in die Erfolgsspur
Fußballtrainer Jürgen Klopp wirbt für den Autobauer Opel. Die TV-Spots sind fast schon legendär. Foto: dpa
Opel hat mit neuem Management, guter Modellpolitik und einer gelungenen Werbekampagne die Wende geschafft

Mit „Umparken im Kopf“ zurück in die Erfolgsspur

Bei Opel läuft es wieder gut: Vorstandschef Neumann und Marketing-Chefin Müller gelten als Erfolgsgaranten. Und der Astra wurde „Auto des Jahres“.

11.08.2016
  • ROLF OBERTREIS

Rüsselsheim. Hier fährt Opel schon auf Augenhöhe mit Mercedes, BMW und Audi. Unablässig jagen Testfahrer ihre schwarz-weiß gemusterten Autos über die Straßen in der Sierra Nevada, unweit von Granada im Süden Spaniens, bis auf 2500 Meter Höhe. Einer dieser Erlkönige, Kennzeichen GG, stammt aus Rüsselsheim. Es ist der für 2017 geplante neue Insignia. Der Testfahrer lächelt und braust wieder hoch bis fast zur Schneegrenze kurz vor der Statue der Virgen de las Nieves, der heiligen Jungfrau des Schnees.

Heiligen Beistandes bedurfte es vor Jahren wohl auch, als Opel in argen Nöten steckte, die Opel-Mutter General Motors (GM) endgültig das Interesse an der Tochter verloren zu haben schien, Kanzlerin Angela Merkel Unterstützung versprach, die traditionsreiche, aber seit Jahren mit Milliardenverlusten geschlagene Autofirma verkauft werden sollte.

Heute ist davon keine Rede mehr. Opel-Chef Karl-Thomas Neumann geriet Ende Juli gar ins Schwärmen. Erstmals seit 2011 verbuchte Opel wieder einen Gewinn. 131 Mio. Dollar (117 Mio. EUR ) meldete GM für das erste Halbjahr. „Das ist ein großartiger Tag für Opel. Das Ergebnis zeigt welch große Fortschritte wir in Europa machen und wie gut unsere Autos ankommen. Das Comeback der Marke Opel ist gelungen“, sagt der seit fast dreieinhalb Jahren amtierende Opel-Chef. Auch in Deutschland stehen die Ampeln auf grün. Zwischen Januar und Juli wurden rund 147 500 Fahrzeuge mit dem Blitz zugelassen, ein Plus von 9,5 Prozent. Der Marktanteil der GM-Tochter in Deutschland ist wieder auf 7,3 Prozent gestiegen. In Europa verkaufte Opel zusammen mit der britischen Schwestermarke Vauxhall 621 000 Autos, 7 Prozent mehr als im Vorjahr.

Woher kommt der Umschwung? Kritische Beobachter wie Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen oder Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler nennen vor allem zwei Namen: Neumann und Tina Müller. Der 45jährige ehemalige VW-Manager habe das Verhältnis zu GM entkrampft, sagt Dudenhöffer. „Neumann ist sicher derzeit einer der fähigsten Automanager in Deutschland“, glaubt Pieper. Mit GM-Chefin Mary Barra versteht sich Neumann gut.

„Das Misstrauen gegenüber Opel ist weg“, ist Dudenhöffer überzeugt. Jahrelang war das Gegenteil der Fall. Ingenieure von Opel und GM arbeiten im Entwicklungszentrum in Rüsselsheim wieder sehr gut zusammen, ist von dort zu hören. Neumann hat den Kulturwandel nicht nur versprochen, sondern auch umgesetzt, sagt ein Opelaner, der die Krise hautnah miterlebt hat. „Neumann ist so glaubwürdig wie kein anderer der Chefs vor ihm“.

Auch das Verhältnis zum Gesamtbetriebsrat und dessen Chef Wolfgang Schäfer-Klug hat sich entspannt. Die wieder gut laufenden Geschäfte und die Aussicht, dass im Stammwerk in Rüsselsheim zwischen 2013 und 2020 mehr als 3000 neue Jobs entstehen sollen, sorgen für aufgehellte Mienen.

Dann ist da Tina Müller. Die Marketing-Chefin, die 2013 die Leitung der Schönheitssparte von Henkel aufgab und zu Opel wechselte, hat Schwung in den Auftritt und das Image der Marke gebracht. Die von der 48jährigen initiierte Werbekampagne „Umparken im Kopf“ mit flotten Sprüchen und Prominenten wie Jürgen Klopp ist fast schon legendär. Sie und ihr Team spielten auch bei der Entwicklung neuer Modelle eine ganz wichtige Rolle, sagt Müller. „Wir sind – sozusagen als Stimme des Kunden – entscheidend in diesen Prozess eingebunden.“ Heute, glaubt die Marketing-Chefin, legen Opel-Fahrer ihren Schlüssel wieder stolz auf den Tisch.

Technisch haben Experten seit Jahren an den Autos aus Rüsselsheim nichts zu meckern. Der neue Astra ist Europas Auto des Jahres. 220 000 Vorbestellungen hat Opel eingesammelt. Fast 33 000 Astra wurden im ersten Halbjahr in Deutschland verkauft, 30 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Und das bei jedem Modell mit Gewinn, versichert Neumann. Auch der Kleinwagen Adam und der Geländewagen Mokka gelten als Erfolg.

Autoanalyst Pieper ist überzeugt, dass Opel 2016 auch erstmals seit langem für ein ganzes Jahr wieder schwarze Zahlen schreibt, auch wegen der umgesetzten Sparmaßnahmen. Das Aus für das Werk in Bochum Ende 2014 gehört dazu.

Auf Abenteuer lässt sich der Opel-Chef nicht ein. Bis 2020 soll es zwar 29 neue Modelle geben. Aber die Oberklasse ist für Opel tabu. Auch wenn man in der Sierra Nevada auf Augenhöhe mit Mercedes, BMW und Audi fährt.

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11.08.2016, 06:00 Uhr
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