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Ministerien

Mit Spahn und Karliczek setzt Merkel auf Erneuerung

Die CDU-Chefin überrascht die eigene Partei. Sie will einen ihrer größten Kritiker zum Gesundheitsminister und eine eher unbekannte Abgeordnete zur Bildungsministerin machen.

26.02.2018

Von GUIDO BOHSEM UND ELLEN HASENKAMP

Anwärter auf ein Ministeramt: Jens Spahn und Anja Karliczek. Foto: Wolfgang Kumm/dpa;

Berlin. Immerhin einer scheint nicht so richtig begeistert zu sein von den Posten für das neue Kabinett und über die Ministerien. An diesem Sonntag, an dem der Rest der CDU ebenso überrascht wie angetan von den Personalvorschlägen der Chefin Angela Merkel war, konnte sich Thomas de Maizière eine kritische Bemerkung nicht verkneifen. Sehr zurückhaltend und also sehr de-Maizière-haft raisonnierte der scheidende Innenminister darüber, dass das neue, um die Gebiete „Heimat“ und „Bau“ vergrößerte Innenministerium „wahrscheinlich zu groß“ sei. Er jedenfalls hätte sich diese Breite des Ressorts nicht zugetraut.

Doch fiel das nicht ins Gewicht. Zum einem, weil das Innenministerium künftig Sache eines gewissen Horst Seehofer und damit der CSU ist und zum anderen, weil Jens Spahn demnächst Gesundheitsminister und Anja Karliczek Bildungsministerin werden soll. Mit Spahn bindet die Kanzlerin ihren ärgsten Kritiker aus den vergangenen zwei Jahren ein, und mit Karli? – wer? Auch sie kommt aus NRW (Steinfurt), und auch sie ist jung (46). So richtig aufgefallen ist sie bislang jedoch kaum jemanden.

Außer offenbar Angela Merkel. Und so erfindet sich die CDU-Chefin vor dem Parteitag an diesem Montag fast noch einmal neu. Das hatten ihr nicht viele zugetraut. Die sonst so unermüdliche Merkel schien erstmals ein wenig ausgelaugt von den zwölf Regierungsjahren. Die Flüchtlingskrise hat zudem sowohl ihre innerparteiliche Autorität ramponiert als auch ihre Beliebtheit in der Bevölkerung erschüttert. Zwar war ein Putsch gegen die Chefin für die meisten CDU-Spitzen immer noch unvorstellbar. Doch erstmals wurden Vergleiche gezogen zu der Zeit ab 1994 – den letzten Jahren von Helmut Kohl im Amt, der den Kanzlersessel partout nicht räumen wollte.

Und jetzt das: Spahn und Karliczek, Helge Braun als Kanzleramtsminister, Julia Klöckner als Landwirtschaftsministerin und zuvor schon Annegret Kramp-Karrenbauer als neue CDU-Generalsekretärin. So viel Erneuerung war selten, so viele junge Gesichter ebenfalls nicht. Da wirken Ursula von der Leyen (Verteidigung) und Peter Altmaier (Wirtschaft), die von der alten Truppe noch im Kabinett bleiben, schon beinahe wie Dinosaurier.

Vor allem aber die Berufung Spahns besänftigt die Kritiker. Immer wieder hatte der 37-Jährige die Flüchtlingspolitik der Bundeskanzlerin heftig kritisiert und dafür plädiert, das konservative Profil der Union wieder zu schärfen. Nun werde er sich voll der neuen Aufgabe als Gesundheitsminister widmen, heißt es in der Partei. Das wiederum ist eine Rückkehr in sein altes Betätigungsfeld. Als gesundheitspolitischer Sprecher hatte sich Spahn zuerst einen Namen gemacht. Immerhin, der mögliche Koalitionspartner SPD freut sich auf ihn. Karl Lauterbach jedenfalls richtete einen Glückwunsch aus. „Schätze seine Kompetenz. Bei Bürgerversicherung werden wir fair streiten“, schrieb Lauterbach auf Twitter. Guido Bohsem und Ellen Hasenkamp

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Erstellt:
26. Februar 2018, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
26. Februar 2018, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 26. Februar 2018, 06:00 Uhr

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