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Mit Schlafsystem und Lichtbrille
Trainingseinheiten in der Abenddämmerung werden für die Biathleten in Pyeongchang an der Tageordnung sein. Foto: Imago
Olympia-Countdown

Mit Schlafsystem und Lichtbrille

Die achtstündige Zeitverschiebung in Südkorea stellt die Wintersportler vor Herausforderungen – zumal die Biathleten Nachtrennen bestreiten müssen.

01.02.2018
  • MANUELA HARANT

Ulm. Mark Kirchner sieht, wie so oft, gar kein Thema in den acht Stunden Zeitverschiebung zwischen Deutschland und Südkorea. „Je weniger man sich mit diesem ganzen Quatsch beschäftigt, umso einfacher ist es“, sagt der Bundestrainer der deutschen Biathlon-Männer im Hinblick auf Olympia in Pyeongchang (9. bis 25. Februar). „Wir haben ja gar keine Nachtrennen, sondern Mittagsrennen“, rechnet Kirchner vor. Das bedeutet: Wenn die Biathleten abends um 20.15 Uhr starten, so wie es im Zeitplan meistens vorgesehen ist, dann ist das vergleichbar mit einem Mittagsrennen in Mitteleuropa. Denn in Deutschland ist es ja erst 12.15 Uhr. „Deshalb brauchen wir uns nicht umzustellen“, sagt Mark Kirchner.

In der Praxis ist das, was in den Worten des Biathlon-Bundestrainers so einfach klingt, jedoch eine komplexe Sache. Denn um die optimale Leistungsfähigkeit des menschlichen Körpers zu erhalten, muss man auf den Biorhythmus des Athleten achten. Vereinfacht gesagt, läuft der Biathlet aus Gewohnheit mittags oder nachmittags auf Hochtouren, während der Körper bei Einbruch der Dunkelheit gerne die Energiezufuhr drosselt. Schließlich soll es – theoretisch – schon bald wieder ins Bett gehen. Für Höchstleistungen im Kampf um begehrte Medaillen wäre das aber kontraproduktiv.

Deshalb bietet es sich für die deutschen Biathleten an, während der drei Olympia-Wochen in Fernost die Uhr gar nicht auf Korea-Zeit zu stellen, sondern in der eigenen Zeitzone zu verharren. „Das ist auch über den kompletten Zeitraum möglich“, erklärt Karlheinz Waibel, Bundestrainer für Wissenschaft und Technologie beim Deutschen Ski-Verband (DSV), „allerdings bedarf es einiger Vorbereitungen, um den koreanischen Tag umzubauen.“

So hat er gemeinsam mit Lampenhersteller Osram eine Lichtkonzept entwickelt, mit dem den Athleten zum Erhalt des „deutschen“ Biorhythmus mitten in der koreanischen Nacht ein helllichter Tag vorgegaukelt werden kann.

Das beginnt schon bei der rund zwölfstündigen Anreise per Flugzeug. „Wenn die Stewardess alles Dunkel macht, können unsere Athleten eine Lichtbrille aufsetzen, um besser wach zu bleiben“, sagt Waibel. Vor Ort werden zudem die Lampen in den Hotelzimmern durch eigene LEDs mit „biologischem Licht“ ausgetauscht, die ebenfalls positiv auf die Leistungsfähigkeit der Sportler mehr als 10 000 Kilometer entfernt von zu Hause einwirken sollen. Seit drei Jahren befasst sich der DSV schon unter der Federführung Waibels mit diesem Thema.

Welche Athleten sich letztlich auf die Korea-Zeit umstellen und welche nicht, das entscheiden Sportler und Trainer der jeweiligen Disziplinen allerdings selbst. So werden die männlichen Skirennläufer als eines der ersten deutschen Teams peu a peu schon ab morgen nach Pyeongchang reisen, da ihre Rennen zwischen 2 und 3 Uhr deutscher Zeit beginnen und sich der Biorhythmus ostwärts pro Tag nur um zirka eine Stunde „weiterstellen“ kann.

Kräfte über den Tag einteilen

Für die Biathleten, die voraussichtlich geschlossen in der Mitteleuropäischen Winterzeit verharren, ergibt sich allerdings noch ein anderes Problem: Selbst wenn sie erst gegen 14 Uhr in Pyeongchang (8 Uhr MEZ) aufstehen, haben sie noch sechs Stunden bis zum Rennen zu überbrücken. Der Schwarzwälder Benedikt Doll ist bekannt dafür, dass er so etwas gar nicht mag. „Wenn man ein Abendrennen hat, muss man den Tag immer irgendwie rumbringen, das ist schon stressig“, sagt der Biathlet des SZ Breitnau: „Man muss eben auch schauen, dass man nicht müde ins Rennen geht, weil man vorneweg zu viel gemacht hat.“

Außerdem sind die Pressekonferenzen im Deutschen Haus auf 14 Uhr Ortszeit (6 Uhr MEZ) angesetzt, und auch über die Trainingszeiten müssen sich die Sportler noch mit den Verantwortlichen einig werden. Schließlich sind die Langlaufstrecken während der abendlichen Wettkämpfe gesperrt. „Man muss sich vor Ort ja mit hunderten Athleten abstimmen“, gibt DSV-Coach Waibel zu bedenken. „Deshalb kann man den genauen Tagesablauf erst gestalten, wenn man vor Ort ist. Aber wir sind auf alle Szenarien vorbereitet.“

Ähnlich wie die Biathleten versuchen auch die Skispringer, das Aufstehen möglichst weit nach hinten zu verlegen, um abends auf der Höhe ihrer Leistungsfähigkeit zu sein. „Ich gehe sowieso lieber später ins Bett und schlafe morgens länger aus“, blickt Olympiasiegerin Carina Vogt der Reise nach Fernost optimistisch entgegen: „Da tue ich mir sicher leichter, als wenn ich mich zwingen muss, früh ins Bett zu gehen.“

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01.02.2018, 06:00 Uhr
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