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Auf den Härten wurde gestern ganz hochoffiziell das fünfjährige Bestehen des zentralen Lebensmittelladens gefeiert

Mit Kusterdingen breitete sich die Bonus-Idee aus

Wenn ein Einkaufsmarkt in einem Ort fünfjähriges Bestehen feiert, rücken normalerweise nicht der Landrat und der Bürgermeister an. Anders in Kusterdingen, hier feierte gestern der Bonusmarkt seinen fünften Geburtstag.

17.07.2009
  • Ulla Steuernagel

<strong>Kusterdingen. </strong>Doch wenn man es dann genau besieht, wird schon klar, warum so ein Geburtstag eine offizielle Sache sein kann. Vor den Zeiten des Bonusmarktes gab es im Ladenlokal mitten im Ort in drei Jahren schon zwei Pleiten. Dabei hatte der Gemeinderat in den neunziger Jahren das neue Zentrum doch so schön am Reißbrett geplant. Ein Lebensmittelhändler, der mit 430 Quadratmeter Verkaufsfläche über die Runden kommt, muss heute allerdings geradezu ein Hungerkünstler sein. Bei 3000 Einwohnern am Ort wirft ein Supermarkt dieser Größe die unrentable Summe von rund die 9000 Euro Verdienst im Jahr ab.

Nachdem vor sechs Jahren alle Nachfolgegespräche im Sande verlaufen waren, kam Bürgermeister Jürgen Soltau auf die Idee, bei einem ganz anderen Anbieter nachzufragen. Die gemeinnützige Bonus-GmbH verhilft mit Nachbarschaftsmärkten ihren Mitarbeitern zu beruflicher (Neu-)Orientierung und gleichzeitig weniger mobilen Kunden zu einer Einkaufsmöglichkeit in unmittelbarer Umgebung. Maximal zwei Jahre können die zuvor arbeitslosen Mitarbeiter bei Bonus arbeiten. Danach sollte der Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt gelingen, was auch bei 25 Prozent der Mitarbeiter tatsächlich klappt.

Vor Kusterdingen gab es Bonusmärkte nur Stuttgart. Mit Kusterdingen begann das Konzept auch andernorts Fuß zu fassen. „Kusterdingen ist unsere dritte Filiale und erster Markt außerhalb Stuttgarts“, sagte der Bonus-Geschäftsführer Manfred Kaul gestern Nachmittag beim Geburtstagsfest. Der Markt auf den Härten hat noch eine weitere Eigenart, er führt die meisten Bio-Angebote in seinem Sortiment, das immer auch durch regional hergestellte Produkte erweitert wird.

Mittlerweile betreibt Bonus 28 Märkte in Baden-Württemberg. Im Kreis Tübingen sind es inzwischen drei. Hirrlingen und Neustetten kamen hinzu, auch darüber freute sich Landrat Joachim Walter in seiner Grußrede. Er betonte ebenfalls, wie wichtig gerade bei der demografischen Entwicklung eine wohnortnahe Versorgung ist.

Daran knüpfte auch Soltau in seiner Rede an. Er selber ist überzeugter Stammkunde und zwar aus mehreren Gründe: nicht nur weil Preis und Sortiment stimmten, die wohnortnahe Versorgung schon im eigenen Interesse erhaltenswert sei, sondern auch weil „ die Gemeinde eine umsatzabhängige Miete“ vobekomme. Je höher der Umsatz, desto mehr profitiert Kusterdingen – „und das sind wir ja alle zusammen“.

Sie sei sehr zufrieden mit dem Angebot, lobte eine ältere Kundin den Laden. Und zum Sortiment sagte sie: „Hier gibt es mehr, als ich jemals brauchen kann.“ Schließlich habe sie ja auch noch ihren eigenen Garten.

Brigitte Sautter arbeitet bei Bonus vor allem an der Bäckereitheke. Die gelernte Sekretärin hat nach einer privaten Krise schon einige Jobs ausprobiert, als Taxifahrerin, als Pflegemutter und als Wochenmarktverkäuferin arbeitete sie. Obwohl der Verdienst bei Bonus recht schmal ist (von 1,50 Euro anfangs bis zu 6,60 Euro) und sie außerdem noch aufwändig von Dettenhausen nach Kusterdingen fahren muss, ist sie dennoch glücklich über diesen Arbeitsplatz. „Am Anfang dachte ich, das ist nicht mein Revier.“ Doch bald schon habe sie sich in dem außergewöhnlichen Betrieb richtig wohl gefühlt. „Ich bin ein Bubblegum – sowieso“, umschreibt sie lachend ihre kommunikative Ader. „Hier bin ich unter Leuten, kenne die Kundschaft und habe einen guten Draht zu den Jugendlichen.“

Der Bonusmarkt sei für sie eine Art Familie geworden. Die „Mutter“, wie sie sagt, sitzt an der Kasse. Sabine Luz schreibt in ihrer Freizeit Mundartgedichte, auch für den Markt hat sie nun ein Geburtstagsgedicht verfasst. Lange wird die Mutter von vier Kindern und Frau eines arbeitslosen Schäfers jedoch nicht mehr die Kasse machen. Ende des Monats ist ihre Zeit vorbei, dann muss sie sich auf dem Arbeitsmarkt außerhalb behaupten.

Mit Kusterdingen breitete sich die Bonus-Idee aus
Die Arbeit im Markt macht Spaß, man kennt die Kundschaft und die Kundschaft kennt sie: Brigitte Sautter (hinten) und Sabine Luz. Bild: Faden

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17.07.2009, 12:00 Uhr
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