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Mit Gold und Glanz
Ikonenmaler Jewgeni Maljagin in seinem Atelier im Zentrum von Moskau. Er arbeitet an einer Ikone für den deutschen Pater Richard Stark. Foto: Thomas Körbel/dpa
Moskauer Künstler malt Ikonen "für die Ewigkeit" - Dabei folgt er strengem Kanon und fügt Modernes hinzu

Mit Gold und Glanz

Über Jahrhunderte prägten Ikonen die russische Kultur. Jetzt lebt das Handwerk wieder auf. Ein Moskauer Ikonenmaler folgt der strengen Tradition.

29.03.2016
  • THOMAS KÖRBEL, DPA

Moskau. Jeder Pinselstrich muss sitzen. Jewgeni Maljagin beugt sich konzentriert über sein Werk, das er bis Ostern vollenden will: die Kopie einer historischen Marien-Ikone. Der 56-jährige Moskauer ist Ikonenmaler. Das mit viel Goldfarbe verzierte Bildnis vor ihm auf dem Tisch ist eine Auftragsarbeit für einen deutschen Pater, der in der einstigen Zaren-Metropole St. Petersburg eine katholische Kirche leitet.

Die Ikonenmalerei hat über Jahrhunderte die russische Kultur geprägt wie kaum eine andere Kunstform. Nach Jahrzehnten der Sowjetherrschaft, in der Religion weitgehend unterdrückt wurde, etabliert sich der Beruf neu, mit dem wachsenden Einfluss der orthodoxen Kirche wird das alte Handwerk seit den 1990er Jahren wiederbelebt.

"Anfangs gab es mehr als genug Arbeit, weil die Kirche erstmal wieder auf die Beine kommen musste", erzählt Maljagin. Als er 1987 - in der Phase der Perestroika-Reformen unter dem kommunistischen Parteichef Michail Gorbatschow - seine fünfjährige Künstler-Ausbildung abgeschlossen hatte, bekam er zunächst einen Job als Restaurator.

Seit 27 Jahren verdient er seinen Lebensunterhalt schon mit Ikonen. "Ich kann mir keine eigene Wohnung kaufen, aber ich bin nicht arm und habe keine Probleme", sagt der Vater dreier erwachsener Kinder. Für sein Atelier in einem baufälligen Haus im Zentrum Moskaus, das einer Kirchengemeinde gehört, muss er keine Miete zahlen.

Ikonen sollen präzise sein. Ihre Macher folgen einem strengen, seit dem Mittelalter überlieferten Kanon. "Nicht der Maler erschafft die Ikone, sondern die heilige Schrift", erklären Führer in der berühmten Tretjakow-Galerie, die einen der reichhaltigsten russischen Ikonenschätze zeigt. "Der Kanon ist das, was immer gemacht wurde. Das, was alle als Ideal ansehen", sagt Maljagin. Darin sei festgelegt, wie bestimmte Figuren darzustellen sind, welche Farbe was symbolisiert. Gold etwa stehe für das Himmlische, das Höhere. Für Gefühle wie Freude oder Trauer ist kein Raum. Ein starrer, oftmals hypnotischer Blick kann den Betrachter gleichermaßen fesseln und verstören. "Wir lassen Konkretes weg, denn das ist Teil der irdischen Darstellung", erläutert Maljagin. "Eine Ikone ist Verallgemeinerung und Objekt des Gebets. In ihr wohnt die Ewigkeit."

Doch Maljagin weiß auch, wie weit er das enge Korsett des Kanons dehnen kann. Ein weißer Punkt in der Pupille durchbricht die Strenge der Muttergottes vor ihm auf dem Pult und verleiht ihr fast etwas Spielerisches. Maljagin sieht darin seine künstlerische Freiheit.

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29.03.2016, 08:30 Uhr
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