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IHK-Präsident Reiff: Staat muss ins Unternehmen Bildung und Kinder einsteigen

Mit Forschung aus der Krise

Gegen die Subventionierung von Wirtschaftsunternehmen und für die Stärkung des Bildungssystems hat sich Eberhard Reiff, Präsident der Reutlinger Industrie- und Handelskammer, am Donnerstag in Rottenburg ausgesprochen.

18.07.2009
  • hete henning

<strong>Rottenburg.</strong> Die deutsche Wirtschaft müsse wettbewerbsfähig bleiben und dürfe sich in der Krise nicht „vom süßen Gift der Subventionen“ abhängig machen, sagte Reiff vor rund 200 Gästen aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung beim IHK-Sommerempfang in der Festhalle. Als neuer Miteigner der Commerzbank schaffe der Bund sich einen Interessenkonflikt, der auf absehbare Zeit kaum zu lösen sei. Mit der Abwrackprämie sei für fünf Milliarden Euro einer Branche zu einer befristeten Sonderkonjunktur verholfen worden, die ohnehin weltweit Überkapazitäten habe. Der Neuwagenboom gehe auf Kosten anderer, so Reiff, etwa auf Kosten derer, die Kühlschränke oder Fernseher verkaufen.

Diesem „Berliner Aktivismus“ müsse die Wirtschaft etwas entgegen setzen, die Marktwirtschaft dürfe nicht durch „Sozialdirigismus“ ausgehebelt werden. Das Bild, das der IHK-Präsident zeichnete, war allerdings düster. Zwar hellten sich die Geschäftserwartungen der Unternehmen langsam auf und der Auftragseingang habe im Mai 4,4 Prozent über dem des Vormonats gelegen. Doch seien die Beschäftigungsprognosen im Sinkflug – für den Herbst 2010 werde mit einer Arbeitslosenzahl von bis zu 5 Millionen Menschen gerechnet. Die Anzahl der Insolvenzen habe ihren Höhepunkt noch lange nicht erreicht, so Reiffs Prognose; das Beschäftigungsniveau und der Auslastungsgrad, den die Firmen 2008 hatten, werde vermutlich vor 2012 oder 2013 nicht wieder erreicht.

„Noch sehr erfreulich“, zumindest im Verhältnis zur Gesamtsituation, ist laut Reiff die Ausbildungssituation. Im Bereich der IHK Reutlingen hätten die Ausbildungszahlen vom 1. Juli denen von 2007 entsprochen. Im Vergleich zum vergangenen Jahr sei die Zahl der Ausbildungsverträge jedoch um 6 Prozent gesunken.

Um aus der Krise heraus zu kommen, müsse die deutsche Wirtschaft auf Wettbewerbsfähigkeit und, mangels Konsumenten in Deutschland, auf den Export setzen und dem Protektionismus „eine klare Absage“ erteilen. Nötig seien zudem weitere steuerliche Erleichterungen für Unternehmen, um mit dem frei werdenden Geld die Forschung und Entwicklung neuer Produkte zu ermöglichen. „Neue Umsätze und neue Marktanteile werden mit neuen Produkten erwirtschaftet und nicht mit alten“, so Reiff.

Dafür allerdings seien Fachkräfte und Spitzenkräfte nötig. Das deutsche Bildungssystem dürfe in der Krise nicht geschwächt, sondern müsse vielmehr gestärkt werden, „und das kostet Geld“. Hier gelte es für Unternehmer wie für öffentliche Einrichtungen, Prioritäten zu setzen und zu investieren. Verbesserungsbedarf gebe es auch bei den Sozialsystemen, bei Krankenversicherung und Pflegeversorgung, der Vernetzung von Wirtschaft und Wissenschaft sowie der Verkehrsinfrastruktur.

Reiff forderte überzeugende Lösungskonzepte von allen Parteien, die sich an einer künftigen Bundesregierung beteiligen wollen. Besonders erwarte er „ein Ausstiegsszenario des ‚Unternehmers‘ Staat und ein glaubwürdiges Einstiegsszenario des Staates in das Unternehmen ‚Bildung und Kinder‘.“

Der jährliche Sommerempfang der IHK-Gremien Reutlingen und Tübingen wird abwechselnd in den Landkreisen Tübingen und Reutlingen abgehalten. Er soll unter anderem dem Austausch zwischen Politik und Unternehmer(inne)n dienen. Um letzteren sei es in Rottenburg gut bestellt, konstatierte Oberbürgermeister Stephan Neher in seinem Grußwort; die Stadtverwaltung sei stets bemüht, auf Anliegen der Wirtschaft schnell zu reagieren. Dass der Gemeinderat etwa in Ansiedlungsfragen bisweilen andere Prioritäten setze, gehöre dazu – „es muss diese Diskussionen geben“. Für den Herbst sei eine Klausurtagung zur Ausweisung neuer Gewerbegebiete in Rottenburg und den Stadtteilen geplant.

In der Region Tübingen und Reutlingen, sagte Landrat Joachim Walter, seien die Menschen noch gut ausgebildet. „Ich bin sicher“, appellierte er an die Gäste des Sommerempfangs, „Sie werden Ihre Ausbildungsbereitschaft weiterhin hochhängen.“

Um aus der Krise zu kommen, brauche es mehr Menschen, die „für die Gemeinschaft bereit sind, sich nach ihren Kräften und Fähigkeiten verbrauchen zu lassen“. Nötig seien auch starke bundespolitische Entscheidungen, so Walter. Es sei zu hoffen, dass die Bundestagswahl im Herbst Deutschland keine Große Koalition beschere, sondern eine Regierung, „die nicht mehr den kleinsten gemeinsamen politischen Nenner zum Maßstab ihres Handelns machen muss“.

Für die musikalische Umrahmung der wenig fröhlichen Reden sorgte am Donnerstag das Holzbläserquintett des Collegium Musicum der Universität Tübingen mit vorwiegend heiteren Stücken von Farkas Ferenc, Alfred Prinz und Norman Hallam.

Mit Forschung aus der Krise
Überzeugende Lösungsansätze seitens der Politik forderte IHK-Präsident Eberhard Reiff in seiner Rede vor den 200 Gästen beim Sommerempfang der IHK-Gremien Tübingen und Reutlingen in der Rottenburger Festhalle. Bild: UlmerÜberzeugende Lösungsansätze seitens der Politik forderte IHK-Präsident Eberhard Reiff in seiner Rede vor den 200 Gästen beim Sommerempfang der IHK-Gremien Tübingen und Reutlingen in der Rottenburger Festhalle. Bild: Ulmer

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18.07.2009, 12:00 Uhr
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