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60 Jahre Lottofieber

Mit 50 Pfennig zum Glück: Die erste gezogene Zahl war eine "13"

Seit 60 Jahren hoffen Lottospieler in Deutschland, dass ihre 6 aus 49 gezogen werden. 1955 wurden 250 000 Scheine ausgefüllt. Mittlerweile spielen 20 Millionen Tipper mit, wenn der Jackpot gut gefüllt ist.

09.10.2015
  • MICHAEL OSSENKOPP

Hamburg Die zwölfjährige Elvira Hahn fischte am 9. Oktober 1955 im Hamburger Hotel "Mau" die erste Lotto-Kugel aus der Trommel - ausgerechnet eine "13". Abwechselnd mit ihrer Freundin Christa zog das Waisenkind dann noch fünf weitere Gewinnzahlen.

Zehn Jahre nach Kriegsende träumten die Deutschen vom großen Glück. Ihren Siegeszug verdankt die staatliche Lotterie der Sehnsucht der Mitspieler, sich schon mit 50 Pfennig Einsatz auf einen Schlag aller finanziellen Sorgen entledigen zu können.

Bei der Premiere wurden lediglich 258000 Tippscheine ausgefüllt, der Umsatz betrug 515000 Mark. Wenn heute der Jackpot prall gefüllt ist, spielen mehr als 20 Millionen Glückssuchende mit.

Die allerersten Gewinnzahlen (13, 41, 3, 23, 12 und 16) auf den Spielscheinen mussten noch manuell ausgewertet werden, eine Zusatzzahl gab es nicht. Die wurde erst 1956 eingeführt. Kein Lottospieler schaffte zu Beginn sechs Richtige, erst in der sechsten Ausspielung am 13. November gelang das drei Spielern. Die Kurbel des Ziehungsgeräts wurde per Hand betrieben, anders als die heutigen Tischtennisbälle mit Zahlenaufdruck waren die Kugeln aus Plexiglas und enthielten einen Zettel mit der Nummer.

Die ersten Lottoziehungen wurden nicht im Fernsehen übertragen, erst ab September 1965 fanden sie regelmäßig live im TV statt.

Zur Premiere in Hamburg verfolgten sonntags ab 16 Uhr nur knapp 30 Zuschauer die Auslosung - darunter Ausspielleiter Jürgen Klawitter, Notar Walter Kuckuck und eine Protokollantin.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Glücksspiel zunächst im Osten Deutschlands angekommen. Wahrscheinlich als Reaktion auf das 1953 in der DDR eingeführte Spielangebot "5 aus 90" gründeten die Länder Hamburg, Schleswig-Holstein, Bayern und Nordrhein-Westfalen am 30. Juni 1955 den "Deutschen Lottoblock". In den folgenden Jahren schlossen sich auch die anderen Bundesländer dem Verbund an. Bereits 1959 erzielte der Lottoblock einen Umsatz von mehr als eine Milliarde Mark, mittlerweile liegt der durchschnittliche Jahresumsatz bei etwa fünf Milliarden Euro.

Technik, Präsentation, Zuschauer - vieles hat sich seit den Anfangsjahren verändert. Selbst die Lottofeen - von Karin Dinslage und Karin Tietze-Ludwig bis zu Franziska Reichenbacher und Heike Maurer - mussten weichen. Seit Juli 2013 findet die Auslosung live nur noch im Internet statt. Doch das Entscheidende ist gleich geblieben: die Chance auf sechs Richtige. Sie liegt bei 1 zu 13 983 816. Und wer mit Superzahl noch mehr abkassieren will, muss rund 140 Millionen Versuche starten.

"Der Schlüssel zum Erfolg war es, ein Spiel zu entwickeln, für das man keine Ahnung haben musste", meinte Lothar Lammers rückblickend. Gemeinsam mit dem Sportfunktionär und Mathematiker Peter Weiand hatte er in den 50er Jahren die Glücksformel "6 aus 49" ausgetüftelt. "Ich wollte nicht im Lotto gewinnen, sondern am Lotto", sagte der Erfinder einmal. Bis Mitte der 80er Jahre blieb er Chef der Westdeutschen Landeslotterie.

Anfang 1956 startete im Osten das Sportfesttoto "6 aus 49", dem 1963 die Variante "5 aus 45" folgte. 1968 wurde das Lotteriewesen unter der "VEB Vereinigte Wettspielbetriebe" zusammengefasst. Ab Januar 1972 gab es im Fernsehfunk das "Telelotto 5 aus 35". Nach der Wiedervereinigung wurden sämtliche DDR-Lotterien eingestellt, von 1992 an übernahmen die neuen Bundesländer die Angebote des Deutschen Lottoblocks.

Schon ab April 1982 konnte man im Westen auch mittwochs Lotto spielen. Im Dezember 1991 wurde die Superzahl eingeführt, die letzte Ziffer der Losnummer des Tippscheins. Inzwischen wird Lotto immer häufiger online gespielt. Beflügelt wird das Lotto-Fieber durch hohe Gewinnmöglichkeiten im zweistelligen Millionenbereich. Der höchste Einzelgewinn ging mit 37,7 Millionen Euro am 7. Oktober 2006 nach Nordrhein-Westfalen.

"Wir mussten uns fein rausputzen, ganz wichtig waren saubere Fingernägel", erinnert sich Hahn, "ein Taxi brachte uns zum Hotel, wo wir mit Kakao und Kuchen empfangen wurden". Zum Dank gab es jeweils fünf Mark Taschengeld - nach der Ziehung wurden die Mädchen ins Waisenheim zurückgebracht.

Mit 50 Pfennig zum Glück: Die erste gezogene Zahl war eine "13"
Erste Lottoziehung am 9. Oktober 1955: Notar Walter Kuckuck (links), Ausspielleiter Jürgen Klawitter und die Glücksfee Elvira Hahn, ein Waisenmädchen. Foto: dpa

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09.10.2015, 12:00 Uhr
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