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"Alle Menschen sind Migranten"

Ministerpräsident wirbt bei Einbürgerungsfeier für weltoffenes Land

Für Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat jeder Mensch einen Migrationshintergrund. Schließlich stammten alle von Afrikanern ab, sagte er gestern bei einer Einbürgerungsfeier im Hohenlohekreis.

13.11.2013

Von HANS GEORG FRANK

Öhringen Agnieszka Kalaitzis, vor 40 Jahren in Polen geboren, hat es 1995 der Liebe wegen "nach Deutschland verschlagen", seit gestern hat sie einen deutschen Pass. "Ich bin dankbar und stolz, dass ich die Staatsbürgerschaft eines so fantastischen Landes erhalten durfte", sagte sie am Dienstag in Öhringen (Hohenlohekreis). Bei der Behandlung nach zwei Hirnschlägen habe sie "den hervorragend funktionierenden Sozialstaat" und "die beste ärztliche Betreuung" zu schätzen gelernt. Mit ihrer Rede wollte die aus Duczniki (Schlesien) stammende Kauffrau für Bürokommunikation zeigen, dass sie eine Heimat gefunden habe: "Hier bin ich zuhause."

Solche "Botschafter" wünscht sich Ministerpräsident Kretschmann (Grüne) für seine Politik eines "weltoffenen Baden-Württemberg". Weil die Integration vernachlässigt worden sei, habe der Südwesten die niedrigste Migrationsquote unter den Flächenländern. Wegen des "immer stärkeren Wettbewerbs um die Fachkräfte" müssten gut ausgebildete Menschen im Land gehalten werden. Ihnen seien "Perspektiven und gesellschaftliche Anerkennung" zu bieten.

Aus schlechten Erfahrungen mit einzelnen Migranten dürften keine Vorurteile gegenüber der ganzen Gruppe erwachsen. Kretschmann zitierte seine Lieblingsphilosophin Hannah Arendt: "Nicht der Mensch bewohnt den Planeten, sondern Menschen - die Mehrzahl ist das Gesetz der Erde." Die Migration sei so alt wie die Menschheit, "wir alle sind Nachfahren von Afrikanern, die vor Jahrtausenden aufbrachen, die Welt zu bevölkern".

Im Hohenlohekreis gibt es jährlich rund 100 Einbürgerungen. Tendenz: gleichbleibend. Meistens sind die Wurzeln in der Türkei, in Vietnam und Italien. Darin sieht Landrat Matthias Neth (CDU) "eine Bereicherung für unser Land", auch sein Landkreis, der kleinste in Baden-Württemberg, werde "reicher, vielfältiger und bunter".

Die Feier fand statt in einem Schloss, das einst dem Hohenloher Adel gehörte. In der ersten Reihe saß Fürst Kraft zu Hohenlohe-Oehringen (80), der gleichfalls ein Zuwanderer ist - er ist in Schlesien geboren wie Agnieszka Kalaitzis.

Einbürgerungsfeier in Hohenlohe, Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Mitte): "Immer stärkerer Wettbewerb um die Fachkräfte." Foto: Hans Georg Frank

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Erstellt:
13. November 2013, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
13. November 2013, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 13. November 2013, 12:00 Uhr

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