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Bei Qualität kein Rabatt

Ministerin entzieht Gustav-Siewerth-Akademie staatliche Anerkennung

Der südbadischen Gustav-Siewerth-Akademie mit ihren neun Studenten wurde die staatliche Anerkennung entzogen. Sie genügt nicht den Vorgaben des Landeshochschulgesetzes. Jetzt wird geklagt.

29.06.2013
  • BETTINA WIESELMANN

Stuttgart In Baden-Württemberg gibt es derzeit 26 staatlich anerkannte nichtstaatliche Hochschulen - noch. Denn Mitte Mai hat Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) der Gustav-Siewerth-Akademie (GSA) nach anderthalbjährigem Ringen die 1988 erteilte Anerkennung entzogen.

Zehn Kilometer nördlich von Waldshut-Tiengen, in Weilheim-Bierbronnen ansässig widmet sich die GSA der "Vermittlung abendländischer Wertvorstellungen" bei gleichzeitiger "Kritik des nihilistischen Zeitgeistes". Der "schrankenlosen Anwendung naturwissenschaftlicher Erkenntnisse", in Sonderheit der Evolutionstheorie, bietet man die Stirn. Die katholische Theologie in konservativster Ausprägung hält alles zusammen: "Die kontextuale Natur der Sünde verdeutlicht am Fall von Luzifer, Eva und Luther", zum Beispiel, wird im Sommerkurs diesen Jahres behandelt.

Auch die 85-jährige GSA-Begründerin und Prorektorin Alma von Stockhausen, deren Vorlesungen an der PH Freiburg einst von 68ern gesprengt wurden, steht nach wie vor im Vorlesungsverzeichnis. Über Jahre hinweg kümmerte sich Guido Knopp, bekannt durch seine ZDF-Dokumentationen zur Zeitgeschichte, um journalistisches Rüstzeug. Die Zielvorgabe lautet, "die vielfach sogar unbewussten marxistischen/neomarxistischen Gedankengänge" zu überwinden.

An Inhalten freilich macht das Ministerium seine Entscheidung nicht fest. Vielmehr hält man der Einrichtung vor, mit ihrem nebenberuflichen wissenschaftlichen Personal, für das jährlich gerade mal 12 000 bis 26 000 Euro aufgewendet werden, keine nachhaltige Hochschulstruktur vorzuhalten. Mehrfachen Aufforderungen, die Mängel zu beheben, sei die GSA nicht nachgekommen. Für Bauer gibt es nichts zu deuteln: "Bei der Qualität unserer Hochschulen gibt es keinen Rabatt. Die Kriterien hierfür gibt das Landeshochschulgesetz klar vor", sagte sie der SÜDWEST PRESSE.

Der Kasus ist bisher ohne Beispiel im Land, auch deswegen hat die GSA Klage beim Verwaltungsgericht Freiburg eingereicht. Rektor Albrecht Graf von Brandenstein-Zeppelin hält das Vorgehen des Landes für unbegründet: "Unsere Struktur ist seit 25 Jahren genehmigt." Er macht Bestandsschutz geltend. "Was nachhaltig ist, werden wir mit dem Richter diskutieren."

Im Wissenschaftsministerium sieht man schon durch die stetig sinkende Zahl der Studierenden - begonnen hatte man mit über 30, vor Jahresfrist waren es noch 16, inzwischen sind es ganze neun - "die kritische Untergrenze deutlich unterschritten." Der Rektor hält dagegen: Gerade bei Philosophie-Studenten mache es "nicht die Masse, sondern die Qualität." Auch Heidegger habe nur drei im Seminar gehabt. "Wir verstehen uns als Elite-Institution."

Hochprominente katholische Fürsprecher konnte die GSA früh vorweisen: Der damalige CDU-Fraktionschef Erwin Teufel setzte sich für die Anerkennung ein. Aus dem Vatikan lobte Joseph Kardinal Ratzinger immer mal wieder in Briefen deren "positive Arbeit". Als Papst ernannte er die Prorektorin 2007 zur "Dame des Gregoriusordens." Dessen Vorgänger Johannes Paul II. wiederum würdigten Rektor und Prorektorin mit der Festschrift: "Im Dienste der inkarnierten Wahrheit." Freiburgs Erzbischof Robert Zollitsch übernahm an der Akademie 2006 das Amt des Großkanzlers.

Der Widerruf der staatlichen Anerkennung als wissenschaftliche Hochschule, auf die die GSA stets hinweist, kostet die GSA eine Gebühr von 5000 Euro. Zuwendungen vom Land gab es nie. Für die Studierenden entfällt die BAFöG-Fähigkeit des Studiums. Oder auch nicht: Plan B der Akademie sieht vor, sich "mit einer befreundeten staatlichen Hochschule in Europa zu verbünden: Uns wischt man nicht weg."

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29.06.2013, 12:00 Uhr
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