Tübingen · Veranstaltungen

Erbe-Lauf ist abgesagt, UPM steht auf der Kippe

Wenn, dann wird es den Markt im September nur in einer sehr abgespeckten Version geben. Der Stadtlauf dagegen hat nur virtuell eine Austragungschance.

05.06.2020

Von Sabine Lohr

Alles voll: So wird es nicht sein in diesem Jahr auf dem umbrisch-provenzalischen Markt. Keine Läufer werden durchs Getümmel rennen, keine Besucher dicht an dicht italienische und französische Spezialitäten kosten. Archivbild: Ulrich Metz

Großveranstaltungen sind nach der Corona-Landesverordnung bis Ende August abgesagt. Für den 16. September war – und ist bisher – die Eröffnung des umbrisch-provenzalischen Marktes (UPM) geplant. Doch alles wird anders als in den vergangenen 25 Jahren. Nicht nur, weil der Stadtlauf abgesagt ist (siehe Infobox). „Den Markt wird es in der bisherigen Form nicht geben“, sagt Bürgermeisterin Daniela Harsch. Die Abstandsregeln müssen eingehalten werden, und das heißt, dass es keine großen Gastrostände geben wird und der Markt auch ziemlich entzerrt werden muss. So könnten Stände etwa auch beim Milchwerk in der Weststadt stehen. Noch aber ist alles offen.

„Wir planen gerade eine kleine Version des Marktes“, so Harsch. Ordnungsamtsleiter Rainer Kaltenmark sei in Gesprächen mit den Händlern, Kulturamtsleiterin Dagmar Waizenegger mit den Partnerstädten Perugia und Aix en Provence. „Viele Händler wollen kommen, schließlich ist das ihr größter Umsatz im Jahr“, so Harsch. Manche aber hätten auch abgesagt.

Die kleine Version des umbrisch-provenzalischen Marktes würde eher einem Wochen- oder Regionalmarkt ähneln. Zudem wolle die Stadtverwaltung die Gaststätten, die zurzeit ihre Umsätze über die Außengastronomie machen, nicht wieder zurückdrängen. „Vielleicht könnten sie Produkte des Marktes anbieten“, überlegt Harsch.

Auch über einen Onlineshop beraten die Veranstalter. Über diesen könnten sich die Kunden Warenkörbe mit Produkten verschiedener Händler zusammenstellen lassen, die sie dann auf dem Markt abholen.

„Wie und ob wir den Markt machen, ist eine Frage der Risikoabschätzung“, sagt Harsch. Wenn es nicht gelinge, den Markt so auszurichten, dass die Abstandsregeln eingehalten werden, könne er nicht stattfinden. „Wenn es aber acht Wochen lang keine Corona-Neuinfektionen im Landkreis gibt, wäre eine Absage schwierig zu vermitteln.“

Bildergalerie: Der UPM 2019

Mitveranstalter neben der Stadt ist der Handel- und Gewerbeverein (HGV). Stephan Braun von dessen Vorstand sagt: „Es wird ein UPM ohne UPM.“ Das Flair werde in der reduzierten Version auf jeden Fall fehlen. Aber: „Der Wille ist da.“ Allerdings sehe man durchaus die Probleme und Nöte. Für viele Händler sei der Markt einfach wichtig. Die lokalen Anbieter würden ihren Freunden aus Perugia und Aix auch gerne unter die Arme greifen und „Partnerstände“ machen – mit ihrem Sortiment und dem eines Partnerstadthändlers. Auch seien „Pop-up-stores“ denkbar, so Braun.

Das Problem sei, dass man einerseits die Entscheidung darüber, ob der Markt stattfindet oder nicht, so lange wie möglich hinausschieben wolle, er andererseits aber auch einen gewissen Vorlauf brauche. „Wir müssen jetzt planen, als ob er stattfindet, es kann aber sein, dass wir ihn am Ende doch absagen müssen, weil die Reproduktionszahl des Coronavirus wieder gestiegen ist.“ Man könne aber eben nur machen, was vertretbar sei – „und schauen, um welchen Preis es machbar ist“.

Während der Coronakrise habe der HGV bewiesen, dass er zu schnellem Handeln in der Lage sei, sagt Braun. Das sehe man etwa an der schnell entwickelten Verkaufsplattform tueshop.de. Dennoch: Ein umbrisch-provenzalischer Markt ohne große Gastrostände sei eben nur die halbe Miete. Letztendlich werde der Markt in diesem Jahr „weit entfernt von dem sein, was wir uns wünschen“.

1995 richteten Stadt, HGV und Hotel- und Gaststättenverband den ersten provenzalischen Markt auf dem Marktplatz aus. 32 Stände gab es, davon 15, die von fanzösischen Anbietern bestückt waren. Auch damals schon war der Markt am Stadtlaufwochenende. Höhepunkt war die Teilnahme von Dieter Baumann an diesem zweiten Stadtlauf. Ein Jahr später wurde aus dem Markt ein umbrisch-provenzalischer. Inzwischen ist der markt an fünf statt an drei Tagen. Die 90 Stände erstrecken sich durch die gesamte Altstadt. 2019 kamen 150000 Besucher.

Erbe-Lauf abgesagt: „Uns blieb keine Wahl“

Bildergalerie: Der Erbelauf 2019

Der Startschuss zur 27. Auflage des Tübinger Lauf-Klassikers wird nicht am 20. September 2020 fallen: Aufgrund der aktuellen Situation muss der Erbe-Lauf dieses Jahr Pause machen – das Risiko wäre zu groß. „Es lässt sich einfach nicht organisieren, mit genügend Abstand zu laufen“, sagt Ansgar Thiel, der Direktor des Tübinger Instituts für Sportwissenschaft. Auf der Strecke kommt es imm er wieder zu Überholmanövern, in der Vergangenheit waren regelmäßig mehrere tausend Starterinnen und Starter beim größten Volkslauf der Region – dazu säumten rund 10 000 Zuschauer den Rundkurs durch die Altstadt.

Nach der Absage des für Mitte Juni geplanten Soundtrack-Meetings muss die LAV Stadtwerke Tübingen damit auf eine weitere Großveranstaltung verzichten. „Uns blieb aufgrund der Gegebenheiten keine andere Wahl“, sagte der LAV-Vorsitzende Claus Claussen. Derzeit prüfen die Organisatoren, ob es zumindest auf virtuellem Wege eine Entschädigung etwa als Online-Challenge geben könnte – in der bekannten Form aber wird es 2020 keinen Stadtlauf geben. Beim Erbe-Lauf kooperiert die Universität als Ausrichter mit der Leichtathletik-Vereinigung (LAV) sowie dem Haupt- und Namenssponsor. Renn-Organisatorin Judith Wais war am Freitag nicht zu erreichen.

Eine Runde beim Tübinger Erbe-Lauf 2019
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02:21 min

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Erstellt:
5. Juni 2020, 20:00 Uhr
Aktualisiert:
5. Juni 2020, 20:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 5. Juni 2020, 20:00 Uhr

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