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Milliardenumsatz am „Black Friday“
Verbraucher erwartet am heutigen „Black Friday“ eine Rabattflut im Handel. ⇥Foto: mydealz.de/Pepper Media Holding GmbH/obs
Kollektive Schnäppchen-Jagd

Milliardenumsatz am „Black Friday“

Die Branche erwartet einen Milliardenumsatz am „Black Friday“. Verbraucherschützer raten, trotz der vielen Sonderangebote einen kühlen Kopf zu bewahren.

24.11.2017
  • IGOR STEINLE

Berlin. Wer gestern seinen Briefkasten geleert hat, an dem kann der Termin angesichts der zahlreichen Werbesendungen nicht vorbeigegangen sein: Immer mehr Einzelhändler locken am heutigen „Black Friday“, dem schwarzen Freitag, mit Rabatten in ihre Läden. Für die Kunden verspricht der Aktionstag Schnäppchen. Für die Händler ist das allerdings eine gefährliche Strategie.

„Rabatte sind eine starke Droge“, sagt Marketingexperte Martin Fassnacht von der Wirtschaftshochschule WHU. Sie sorgten zwar kurzfristig für mehr Verkäufe. So lautet eine Theorie über die Herkunft des aus den USA stammenden Begriffs auch, dass Händler an dem Tag die Möglichkeit hätten in die Gewinnzone zu kommen, also schwarze Zahlen zu schreiben. Fassnacht warnt allerdings vor den langfristigen Folgen der Rabatte: Langfristig „stärkten solche Aktionen den Trend zur Discount-Gesellschaft“.

Traditionell fällt der Aktionstag auf den Tag nach dem amerikanischen Feiertag Thanksgiving. Für die US-Amerikaner ist das ein Brückentag, den sie gerne für exzessives Weihnachtsshopping nutzen. Aber auch hierzulande signalisiert er für die Händler mittlerweile den Start in die heiße Phase des Geschenkegeschäfts.

Vor allem im Online-Handel wirkt sich der Konsum-Event bereits kräftig aus: „Es findet eine Verschiebung der Umsätze insbesondere von der ersten Dezemberhälfte auf die zweite Novemberhälfte statt“, sagt Eben Sermon, Vizepräsident von Ebay Deutschland. Der Cyber-Monday, an dem Internethändler Rabatte anbieten, folgt drei Tage nach dem „Black Friday“.

Für den Handel ist das gefährlich: „Die Leute sind immer weniger bereit, den normalen Preis zu zahlen. Selbst Leute, die Geld haben, warten heute darauf, dass der Rotstift angesetzt wird“, sagt Fassnacht.

Beobachten kann man das am Beispiel Galeria Kaufhof. Das Unternehmen, das zuvor der Metro-Gruppe gehörte und vor zwei Jahren vom kanadischen Investor Hudson Bay Company (HBC) gekauft wurde, schreibt tiefrote Zahlen: 50 Mio. EUR Verlust soll Kaufhof allein in den ersten fünf Monaten dieses Jahres gemacht haben. Nicht zuletzt, weil man seit der Übernahme durch die HBC zu stark auf rote Schilder mit der Aufschrift „Sale“ gesetzt hat, bemängeln Experten.

Nun müssen die Angestellten die Fehlentscheidungen des Managements ausbaden, beklagt die Gewerkschaft Verdi. Denn mit sinkenden Preisen sinken auch die ohnehin schon geringen Margen und damit die Einnahmen des ohnehin klammen Hauses.

Dabei hatte man bei Kaufhof bereits angekündigt, sich von der „Rabattitis“ zu verabschieden. „Es war ein Fehler, wochenlang komplette Sortimente zu rabattieren“, sagte der Kaufhof-Einkaufschef Edo Beukema. Die aktuelle Rabattwelle auszulassen traut man sich aber trotzdem nicht. Denn von der Supermarktkette Real über den Elektrofachhändler Saturn, den Onlinehändler Amazon bis hin zum schärfsten Konkurrenten Karstadt, der Kaufhof gerne schlucken würde, machen alle mit. Das hat einen Grund: „Wir haben gesättigte Märkte in Deutschland. Da braucht man solche Anlässe, damit die Leute mehr kaufen“, sagt Fassnacht.

Denn während das Internetgeschäft jährlich um 10 Prozent wächst, sind es beim stationären Handel lediglich zwei Prozent. Auch deswegen würde Karstadt-Eigentümer René Benko Kaufhof am liebsten übernehmen: eine Fusion zur deutschen Warenhaus AG als letztes Aufbäumen gegen den Konkurrenzdruck aus dem Internet. Amazon macht allein in Deutschland so viel Umsatz wie Karstadt und Kaufhof zusammen. Der Handel will mit seinen Rabatten dagegenhalten und verspricht sich Bilder wie beim ersten „Black Friday“ 1961. Eine weitere Legende über die Namensherkunft besagt nämlich, dass damals in Philadelphia derart viele Menschen in die Stadt strömten, dass die Polizei sie nur noch als schwarze Masse wahrnahm und dem Tag den dementsprechenden Titel „schwarzer Freitag“ gab.

Tatsächlich jedoch könnte der Rabatte-Trend langfristig das Gegenteil bewirken: Denn die großen Häuser setzen mit ihren Rabatten nicht nur sich selbst, sondern noch andere unter Druck. Vor allem für kleinere Fachhändler, die bei den Rabatten nicht mithalten können, ist der „Black Friday“ nur ein weiterer Tag, an dem ihre Marktanteile sinken. Für das Stadtbild aber sind sie unverzichtbar: Sie erzielen zwar lediglich 10 Prozent des Branchenumsatzes, betreiben aber 54 Prozent der Standorte. (mit dpa)

Gar nicht mal so günstig

Verbraucherschützer raten, kühlen Kopf zu bewahren. Auch wenn viele Händler mit Sonderangeboten locken, sollten Kunden auch im Black-Friday-Trubel nicht auf Preisvergleiche verzichten. Stichproben des Preisvergleichsportals Guenstiger.de ergaben im vergangenen Jahr nämlich, dass nur jedes zweite getestete Angebot ein Schnäppchen war. Bei einem Viertel der Angebote zahlten Käufer am Ende mehr als bei konkurrierenden Händlern, ein weiteres Viertel entsprach den üblichen Marktpreisen.

Auch wenn dramatische Reduzierungen von 30, 40 oder 50 Prozent angeboten würden, sei dies mit Vorsicht zu genießen, betonen außerdem Experten. Denn diese bezögen sich oft auf die unverbindlichen Preisempfehlungen der Hersteller, die in vielen Fällen aber deutlich über den aktuellen Marktpreisen liegen. Zumindest für Onlinekäufe hat man allerdings ein 14-tägiges Rückgaberecht.⇥dpa

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24.11.2017, 06:00 Uhr
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