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Bauten

Milliarde ist schwer zu rechtfertigen

Die Stuttgarter Stadträte diskutieren über die Pläne zur Opernsanierung. Die Übergangsspielstätte bei den Wagenhallen findet Gefallen, die Kosten hingegen stoßen auf Bedenken.

13.11.2019

Von TILMAN BAUR

Die Große Haus, Heimat von Oper und Ballett, (Bildmitte) muss saniert werden. Auch das unansehnliche Kulissen-Gebäude mit Werkstätten an der B14 soll ein anderes Gesicht erhalten. Oben sind das Schauspielhaus und das Königin-Katharina-Stift zu sehen. Foto: Ferdinando Iannone

Stuttgart. Die neun Nullen hinter der Eins zeigen ihre Wirkung. Seit der Betrag von rund einer Milliarde Euro für die Sanierung der Staatsoper und der damit verbundenen Interimsspielstätte bei den Wagenhallen im Raum steht, kommen die Stuttgarter Kommunalpolitiker in Rechtfertigungsnot. „Ich will das Beste für die Württembergischen Staatstheater. Aber bei solchen Summen muss etwas für die gesamte Stadtgesellschaft rumkommen“, sagte SPD-Fraktionschef Martin Körner am Dienstag im Ausschuss für Stadtentwicklung und Technik.

Die Fraktionen diskutierten darüber, wie sich die Kulturlandschaft sich in den kommenden 20 Jahren entwickeln soll, während der Littmann-Bau von 1912 saniert wird. Dabei sollte die im Raum stehende Milliarde laut Kunstministerin Theresia Bauer (Grüne) eigentlich belegen, dass die Politik gewillt ist, den Bürgern reinen Wein einzuschenken, was die Kosten von großen Projekten angeht. Die Zahlen seien so realistisch wie möglich ermittelt.

Während im Ausschuss Grüne, FDP und Freie Wähler trotz des Preises im Prinzip zum Vorschlag von Stadt und Land standen, wollten sich andere Kommunalpolitiker noch nicht zu der einen oder der anderen Variante bekennen. OB Fritz Kuhn (Grüne) fordert, dass der Gemeinderat spätestens im zweiten Quartal 2020 entscheidet, was er will: ein neues Konzerthaus, eine neues Opernhaus, eine Hybridlösung für Konzerte und Oper oder nur die Sanierung des Littmann-Baus.

Immerhin erwärmen sich alle Fraktionen für das Interim im Stuttgarter Norden unweit der Künstlerkolonie Wagenhallen. Die mit 104 Millionen Euro veranschlagte Übergangsspielstätte kommt wegen der Nachhaltigkeit an. Ein Teil kann später weiter genutzt werden. Die Spielstätte soll für 20 Millionen Euro verkauft werden. Die beiden 80 Millionen Euro teuren Nebengebäude für Werkstätten und Verwaltung sollen ein Teil der Maker-City werden, die dann bei den Wagenhallen entsteht. Die Kreativen sollen dann die Bauten übernehmen.

Für das Bau-Ensemble im Schlossgarten hat das Land Kosten von 715 Millionen Euro ermittelt. Davon fallen 338 Millionen auf die Sanierung der Oper, 260 Millionen für den Neubau eines Kulissen-Gebäudes und 117 Millionen Euro für Änderungen am Verwaltungsbau. Hinzu kommt ein Aufschlag von 30 Prozent wegen erwarteter Kostensteigerungen. Damit ergibt sich ein Preis von 958 Millionen Euro.

„Ich habe noch nie einen Bürger getroffen, der diesen Betrag für angemessen gehalten hat“, sagte CDU-Fraktionschef Alexander Kotz. Er erklärte, seine Fraktion wolle den Anteil der Stadt auf 300 Millionen Euro deckeln. Gleichzeitig wäre die CDU bereit, mehr Geld auszugeben, falls auf Flächen des Projektss S21 ein neues Konzerthaus käme. Kotz träumt von einem baulichen Leuchtturm, der eine Anziehungskraft entwickelt wie die Hamburger Elbphilharmonie.

Falls neben der Sanierung des Littmannbaus für 640 Millionen Euro eine neue Oper gebaut wird, kalkuliert die Stadt mit einer Gesamtausgabe von bis zu 1,4 Milliarden Euro. Eine gewaltige Zahl, auch wenn sich das Land zur Hälfte beteiligt und sich die Summe auf viele Jahre verteilt. Den von Körner geforderten Nutzen für die Stadtgesellschaft sehen beileibe nicht alle.

Die Bedeutung der Staatstheater als Standortfaktor und Magnet für Kreative und Hochqualifizierte sei nicht zu unterschätzen, betonte Kulturbürgermeister Fabian Mayer (CDU). Die Oper sei ein „Flaggschiff“ und trage zu Lebens- und Arbeitsqualität der Stadt bei, zumal das Interesse der Menschen gerade am Ballett ungebrochen sei, so Mayer. Auch Marc-Oliver Hendriks rührte die Werbetrommel für sein Haus. Der Geschäftsführende Intendant der Staatstheater sagte, Theater, Oper und Ballett bedienten ein „analoges Elementarbedürfnis“ der Menschen, das sogar noch stärker werde. Am Ende einer langen Sitzung wurde zumindest eins klar: Für die Hochkultur werden Stadt und Land tief in die Tasche greifen – zehnstellig wird es allemal.

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Erstellt:
13. November 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
13. November 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 13. November 2019, 06:00 Uhr

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