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Wache Erinnerung an Tragödien

Militärjet riss 1998 Seilbahngondel in die Tiefe

So heiter das Val di Fiemme auch gerade während der Nordischen Ski-WM wirkt: Die Schatten der Vergangenheit holen die Bewohner immer wieder ein. Drei schwere Tragödien erschütterten seit 1976 das Tal.

22.02.2013
  • KLAUS VESTEWIG

Cavalese Es war bodenloser Leichtsinn, und auch Alkohol soll im Spiel gewesen sein. Am Abend des 4. Januar dieses Jahres stürzten sechs Russen im Gebiet der Alpe Cermis oberhalb von Cavalese 100 Meter in die Tiefe und in den Tod. Die Gruppe war verbotenerweise mit einem Schneemobil über eine unbeleuchtete, "schwarze" Piste gefahren, als der Motorschlitten plötzlich abstürzte und gegen mehrere Bäume prallte. Der Präsident der Provinz Trento, Alberto Pacher, kritisierte, dass "die einfachsten Sicherheitsvorschriften und Regeln der Vernunft" ignoriert worden seien.

Das Unglück hat den Blick nocheinmal auf drei fürchterliche Tragödien gelenkt, die das Fleimstal in den vergangenen Jahrzehnten in die Schlagzeilen gerückt haben.

Den Knall um 15.05 Uhr am 3. Februar 1998 hat in Cavalese fast jeder gehört. An jenem sonnigen Nachmittag vor fast genau 15 Jahren zerriss ein amerikanischer Militärjet das Tragseil der Cermis-Seilbahn. Die Gondel stürzte vor der Mittelstation 100 Meter tief ab und zerschellte. 19 Touristen, davon sieben aus dem sächsischen Burgstädt und Hartmannsdorf, und der Seilbahnführer fanden den Tod.

Der Pilot, Captain Richard Ashby, hingegen steuerte seine Prowler EA-6B fast unbeschädigt zurück zur 100 km entfernten Nato-Luftbasis Aviano. Bill Clinton übermittelte der italienischen Regierung und den Angehörigen der Opfer alsbald sein Mitgefühl.

Die Wut über die Umstände konnte der US-Präsident freilich nicht besänftigen. War es eine tollkühne Mutprobe des Piloten gewesen, der seinen dahinrasenden Jet unter oder zwischen den Tragseilen hindurchsteuern hatte wollen? Solche Hasardeurstücke soll es in den Jahren davor immer wieder gegeben haben. Dafür sprach, dass Ashby seinen Navigator Joseph Schweitzer veranlasste, das private Video des Unglücksfluges zu verbrennen. Sollte der Vorgang vertuscht werden?

Deswegen sorgte der Freispruch Ashbys am 4. März 1999 vor einem amerikanischen Militärgericht umso mehr für Entrüstung im Val di Fiemme. Zwei Monate später wurde der 32-Jährige doch noch wegen Rechtsbehinderung zu sechs Monaten Haft verurteilt - wegen guter Führung wurde er früher entlassen - und unehrenhaft aus der Marineinfanterie verabschiedet.

Auch die Entschädigung der Hinterbliebenen lief dubios ab: Erst im April 2000 gab es nach zweijährigem Hickhack durch die amerikanischen Behörden eine Einigung. Knapp zwei Millionen Dollar zahlte der Senat in Washington jeweils für die Familien. Zur Unglücksminute läuten in Cavalese in jedem Jahr die Kirchenglocken - die 4000-Einwohner-Gemeinde hält dann immernoch den Atem an.

Schon 22 Jahre zuvor war der Hauptort von einem fürchterlichen Seilbahn-Unglück erschüttert worden. Fast genau an derselben Stelle, an der die Militärmaschine das Tragseil durchtrennte, war 1976 das Kabel der Cermis-Bahn gerissen. Damals waren 42 Tote zu beklagen. Noch viel schlimmer waren die Auswirkungen, als 1985 in Tesero, dem Austragungsort der Langlaufwettbewerbe bei der WM, zwei Staudämme brachen. 170 000 Kubikmeter Wasser und Schlamm überschwemmten das Tal. 268 Menschen verloren ihr Leben. Eine Kette von schrecklichen Ereignissen, die jetzt am 4. Januar erneut ins Bewusstsein rückten.

Militärjet riss 1998 Seilbahngondel in die Tiefe
Vor 15 Jahren erschütterte Cavalese ein schweres Seilbahnunglück. Foto: dpa

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22.02.2013, 12:00 Uhr
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