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Militär putscht gegen den ewigen Herrscher Mugabe
Robert Mugabe bei einem Auftritt vor zehn Tagen in Harare. Simbawes Präsident ist angezählt. Foto: afp
Simbabwe

Militär putscht gegen den ewigen Herrscher Mugabe

Die Lage in dem afrikanischen Land ist verworren. Panzer säumen die Straßen, das Staatsoberhaupt steht unter Arrest. Die Entmachtung des Vizepräsidenten führte offenbar zur Eskalation.

16.11.2017
  • WOLFGANG DRECHSLER

Harare. Wenn die präsidiale Autokolonne durch den Nobelvorort Borrowdale rast, in dem Simbabwes Langzeitpräsident Robert Mugabe in Harare lebt, fährt der Verkehr in einer zähneknirschenden Ehrerbietung für den Despoten sofort zur Seite. Selbst mit 93 Jahren schien Mugabe bis zuletzt nur darauf bedacht, bis zu seinem Lebensende an der Macht zu bleiben – und dies auch öffentlich immer wieder zur Schau zu stellen. Doch mit dem Alter und seinem bekannten Starrsinn hat Mugabe zuletzt nicht nur seinen untrüglichen Machtinstinkt sondern auch jeden Realitätsbezug verloren.

Schließlich hat seine willkürliche Entlassung des vor allem in Militärkreisen beliebten Vizepräsidenten Emmerson Mnangagwa und der zeitgleich unternommene Versuch, seine im Volk verhasste Frau Grace als dessen Nachfolgerin zu etablieren, das Fass für die Streitkräfte zum Überlaufen gebracht. Das wird Mugabe nun das Amt kosten, das er seit 1980 inne hat.

Mit der Machtübernahme des Militärs in Simbabwe ist die lange, brutale Herrschaft Mugabes als Staatschef der einstigen britischen Kolonie Rhodesien ans Ende gekommen. Soldaten unter dem Kommando des kurz zuvor entlassenen Armeechefs Constantin Chiwenga hatten am späten Dienstag die Kontrolle über den Staatssender ZBC übernommen – ein in Afrika untrügliches Zeichen für einen Coup. Zeitgleich fuhren Panzer und Truppentransporter an allen wichtigen Kreuzungen und Zufahrtstraßen der Hauptstadt Harare auf.

Mugabe und seine Frau wurden unter Hausarrest gestellt. Grace Mugabe kann offenbar ins Exil gehen. Die Situation war auch am späten Mittwoch noch verworren. In einer ersten Erklärung kurz nach der Machtübernahme hatte das Militär von Mugabe noch immer als „Präsidenten“ gesprochen und versichert, dass er wohlauf sei.

Gleichzeitig hieß es, dass die Übernahme der Macht durch die Streitkräfte „auf Kriminelle im Dunstkreis des Präsidenten“ abziele, die für den wirtschaftlichen Niedergang des Landes verantwortlich seien – ein klarer Hinweis auf die für ihre vielen Einkaufsbummel im Ausland berühmt-berüchtigte Grace Mugabe und ihre Unterstützer in der Partei. Der ausgeprägte Hang der First Lady zum Luxus wird ihr in diesem Land, in dem rund 70 Prozent der Bürger unterhalb der Armutsgrenze leben, seit langem sehr übel genommen.

Der für gewöhnlich gut informierte Oppositionspolitiker und Anwalt David Coltart sprach von einem eher „widerwilligen“ Militärcoup. Vieles deute darauf hin, dass es sich nicht um ein Vorgehen gegen die Opposition oder Institutionen des Staates handele sondern um einen heftigen Machtkampf innerhalb der regierenden Zanu PF, in den sich nun auch die durch die Säuberungen unter Druck geratenen Streitkräfte eingeschaltet hätten.

Wolfgang Drechsler

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16.11.2017, 06:00 Uhr
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