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Kommentar zum Prozess gegen Schlecker

Mildernde Umstände

04.03.2017
  • Helmut Schneider

Stuttgart. Das Interesse ist riesengroß an diesem Prozess. Für Anton Schlecker, den Angeklagten, ist das allein schon eine Strafe. Nie hat er die öffentliche Anerkennung und den Marktplatz der Eitelkeit gesucht. Das ist kein Verdienst, charakterisiert aber den gefallenen Drogeriemarkt-König ebenso wie die Tatsache, dass er – ganz anders als mancher Alt- oder Neureiche – ein Leben ohne Prunk und Protzerei führte.

Auch das spielt vor Gericht keine Rolle. Aber es rückt das gern gezeichnete Klischee vom raffgierigen, verschwendungssüchtigen Unternehmer zurecht. Oder, auf Anton Schlecker übertragen: Vielleicht war die Triebfeder seines Schaffens nicht das Vermögen, das sich damit erzielen ließ? Sonst hätte er mit einer anderen Rechtsform getan, was jeder tut, um sich vor dem persönlichen Ruin zu schützen.

Anton Schlecker hat das gegen ausdrücklichen Rat nicht getan. Er mag dafür Gründe gehabt haben – auch die muss man nicht als juristische und auch nicht als moralische Entlastung ins Feld führen. Denn so wie es Schleckers unzweifelhaftes Verdienst ist, wirtschaftlich Großes geschaffen zu haben, so ist es auch allein sein Versagen, alles wieder verloren zu haben.

Dafür muss man ihn nicht bedauern. Aber auch unter moralischem Blick gibt es, was es im Strafrecht gibt: mildernde Umstände.

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04.03.2017, 06:00 Uhr
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