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In erster Linie Journalist

Miki Mistrati stellte seinen Film „Schmutzige Schokolade“ vor

Als Dokumentarfilmer und investigativer Journalist hat sich Miki Mistrati manchen Gefahren ausgesetzt. Nun begab er sich auf die Suche nach Kindersklaven auf den Kakao-Plantagen der Elfenbeinküste. Er brachte bedrückende Belege mit, die er in der Doku „Schmutzige Schokolade“ verarbeitete.

03.12.2011

Miki Mistrati stellte seinen Film „Schmutzige Schokolade“ vor
Der dänische Filmemacher Miki Mistrati in TAGBLATT-GesprächBild: Sommer

TAGBLATT: Herr Mistrati, essen Sie denn nicht gerne Schokolade?

MIKI MISTRATI: Oh, ich liebe Schokolade. Die Idee zum Film kam mir ja als Konsument. Ich war in meinem Supermarkt um die Ecke und da gab es sieben verschiedene Tafeln, dieselbe Marke, nur verschiedene Geschmacksrichtungen. Nur eine Schokolade hatte ein Fair-Trade-Zeichen. Warum nur eine, sind die anderen sechs „Unfair-Trade“? Ich habe mich also zunächst nur gewundert.

Nun ist ihr Film aber kein Fair-Trade-Appell, sondern eine journalistische Dokumentation. Was beabsichtigen sie mit „Schmutzige Schokolade“?

Ich bin nicht so ein politischer Typ, der die Welt verändern will. Ich bin in erster Linie Journalist. Ich beschaffe Informationen, und das objektiv. Ich will dem Konsumenten nicht sagen, was er zu tun hat. Aber sicherlich habe ich auch meine Überzeugungen: Ich mag keine Sklaverei, ich mag keine Ausbeutung von Kindern. Und ich bin überzeugt, dass nur der Fair-Trade-Gedanke Veränderungen bringen kann.

Um Material zu sammeln, sind Sie mit versteckter Kamera ins Rebellengebiet der Elfenbeinküste gefahren. Hatten Sie keine Angst?

Doch, ich hatte Angst, das war schon verrückt. Aber manchmal ist es wichtig, verrückte Dinge zu tun. Das ist mein Job: Wie sollen die Leute sonst davon erfahren? Ich war schon in China als vermeintlicher Aufkäufer für Granit unterwegs. Den verwenden wir zum Häuser- und Straßenbau. Auch das war gefährlich: Diese Form von Journalismus ist in China unerwünscht. Wie immer hatte auch dieses Mal meine Familie Angst um mich.

Sie haben sich bei Ihrem Film vor allem auf die großen Konzerne konzentriert. Warum setzte ihre Recherche nur dort an?

Die großen Konzerne haben 2001 das Harkin-Engel-Protokoll unterzeichnet und erklärt, dass sie gegen Kinderarbeit kämpfen: Kraft Foods, Barry Callebaut, Nestlé, sie tragen nun besondere Verantwortung. Wie natürlich auch Ritter-Sport. Aber kleinere Firmen können sich leichter herausreden mit: „Wir sind nur ein kleiner Fisch auf dem großen Markt.“

Wie kann man nach so einem Film noch Schokolade genießen?

Ich kaufe keine Schokolade, wenn ich nicht weiß, woher sie kommt, wie sie hergestellt wurde. Das kann jeder tun: Seinen Lieblingshersteller fragen, ob es Kinderarbeit auf den Plantagen gibt, von denen er den Kakao bezieht. Doch Vorsicht: Ein Boykott will gut überlegt sein. Wenn etwa keiner mehr Schokolade von der Elfenbeinküste isst, stehen die Kleinbauern ohne Einnahmen da.

Ihr Film ist von Fernsehstationen weltweit gesendet worden. Warum kommen Sie zu einer Vorführung ins beschauliche Tübingen?

Für mich ist es wichtig, mit den Zuschauern zu diskutieren: Wie reagieren sie, was fragen sie mich? Als Fernseh-Macher bekomme ich solche Reaktionen nicht mit.

Das Interview führte Fabian Ziehe

Am Donnerstag präsentierte Miki Mistrati im Tübinger Kino Museum den Film „Schmutzige Schokolade“ aus dem Jahr 2010. Es ist die 42. Dokumentation des Dänen, die bereits in 23 Ländern weltweit zu sehen war – auf CNN wie auf Al Dschasira und sogar im Iranischen Staatsfernsehen. Mistrati ist 43 Jahre alt und lebt in Kopenhagen. Er ist seit 23 Jahren verheiratet und hat einen Sohn (19) und eine Tochter (17). Neben Preisen in Dänemark wurde er dieses Jahr auch auf zwei US-amerikanischen Festivals ausgezeichnet. „Schmutzige Schokolade“ ist eine 45-minütige deutsch-dänische Koproduktion. Sie ist derzeit noch in der Mediathek des NDR online abrufbar.
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