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Musik-Workshops und Mädchentreffs

Migranten als kulturelle Brückenbauer für Migranten

22 Peer Group-Trainer arbeiten ehrenamtlich im Steinlachtal und bieten verschiedene Workshops und Aktivitäten für Jugendliche mit Migrationshintergrund an. Mit Erfolg!

25.03.2010
  • tugce dizdar

Mössingen. Rein ins Studio, Kopfhörer auf, kurze Stimmübungen. „Und Action!“, ruft Simon Berhe den zwei Mädchen zu. Nathalie Zappia darf zuerst ans Mikro. Sie singt den Text ein. Nach mehreren Durchläufen ist Christina Dreer an der Reihe. Währenddessen bearbeitet Simon die Melodien am Computer und fügt die Stimmen der zwei Sängerinnen zusammen. Das Resultat ist ein deutsches RnB-Lied, dessen Text ein Freund von Simon verfasst habe. Und die Melodie hört sich ziemlich gut an!

Simon Berhe ist Peer Group-Trainer in Mössingen. Dienstags bietet er einen Musik-Workshop für Jugendliche an. Derzeit sind fünf junge Leute dabei. Und warum? „Weil Singen Spaß macht“, antwortet Nathalie. Artur Beqiraj meint: „Weil ich sehr viel über Musik lerne.“

Die Jugendlichen haben nicht nur Spaß am Singen. Ihre Musik schafft ein Gemeinschaftsgefühl und verbindet zugleich ihre Kulturen. Die Teilnehmer des Workshops haben russische, italienische und albanische Hintergründe. PG-Trainer Simon stammt aus Eritrea. Dass die kleine Gruppe „multikulti“ ist, wird auch an den Gesprächen deutlich. Denn ab und zu unterhalten sich die Jugendlichen in ihrer Muttersprache. Simons Angebot, in der jeweils eigenen Sprache auch zu singen, klingt verlockend für die 16-Jährigen.

Übersetzerin zwischen Sprachen und Kulturen

Als Simon vor zwei Jahren gefragt wurde, ob er als PG-Trainer arbeiten möchte, nahm er das Angebot an. „Ich möchte dem Jugendhaus und meiner Stadt etwas zurückgeben.“ Denn früher habe er dort selber viel Zeit verbracht. Und außerdem, so erzählt er weiter, sei es wichtig, die Jugendlichen mit Migrationshintergrund von den Straßen zu holen. „Wirklich viel Möglichkeiten haben sie hier nicht. Da ist es gut, wenn wir ihnen Freizeit-Angebote machen.“ Das Verhältnis zwischen den verschiedenen Migrantengruppen im Jugendhaus sei ebenfalls sehr gut. „Sie wissen ja alle, wie es sich anfühlt, fremd zu sein.“

Christina und Nathalie finden solche Angebote ebenfalls sehr praktisch: „Hier gibt es Personen, die auf einen aufpassen und mit dir reden“, und das bräuchten nicht nur ausländische Jugendliche, sondern auch Einheimische.

Simons Musikgruppe ist einer der vielen Workshops, die die PG-Trainer anbieten. Im Jugendhaus M organisiert PG-Trainerin Oya Ermek zusammen mit der Jugend- und Heimerzieherin Iris Ortinau ein internationales Mädchentreffen. Oya stammt aus einer Familie mit türkischen Migrationshintergrund und ist seit zwei Jahren als Peer Group-Trainerin aktiv. Die zwei Frauen betreuen ihre Mädchengruppe mit Leidenschaft. „Wir sind dafür da, die Lebenspläne der Mädchen zu stärken und ihnen zu zeigen, dass sie sehr viel im Leben erreichen können“, sagt Oya. Denn meistens würde die Leistung der Jugendlichen mit Migrationshintergrund „unterbuttert“.

Für die Eltern sei es auch sehr wichtig, zu sehen, dass es im Jugendhaus eine türkische Ansprechpartnerin für die jungen Mädchen gibt. „Da übernehme ich öfters mal die Rolle der Übersetzerin“, meint Oya. Doch sie übersetze nicht nur zwischen den Sprachen, sondern auch zwischen den Kulturen.

Und was sind typische Gespräche in der Gruppe? „Eigentlich alles. Aber meistens orientieren wir uns nach den Wünschen der Mädchen“, erzählt Iris Ortinau. Es sei auch wichtig, über Internet-Gefahren, Alkohol und Liebe zu diskutieren; Themen, die allen Jugendlichen nahe liegen.

Dass die Kooperation zwischen Jugendlichen und den Gruppenleitern so gut gelingt, zeigt auch die Nachfrage nach den Aktivitäten. „Wenn sie hier zusammen sind, blühen sie richtig auf.“ Hierbei, so betonen beide Frauen, müsse auch die Leistung des Jugendhauses gelobt werden. Die Kooperation zwischen den PG-Trainern und Mitarbeitern des Jugendhauses sei eine wichtige Voraussetzung, um mit den Jugendlichen zu arbeiten. Denn das Jugendhaus ist für sie der Ort, an dem sie zusammentreffen und sich untereinander austauschen. Dieser Austausch sei wichtig für eine gelingende Integration.

Peer-Group-Trainer – was ist das?

Im Steinlachtal gibt es insgesamt 22 ehrenamtlich arbeitende Peer Group-Trainer. Der Begriff „Peer Group“ wurde aus der Sozialpädagogik übernommen und beschreibt die „Gruppe der Gleichaltrigen beziehungsweise Gleichgesinnten“. Auch die Mössinger PG-Trainer teilen gemeinsame Interessen und Ziele. Denn die meisten von ihnen haben einen Migrationshintergrund. Die zumeist schon erwachsenen PG-Trainer haben bestimmte Erfahrungen als „Migranten“ gemacht und möchte diese mit anderen Jugendlichen teilen. Derzeit sind acht Peer Group-Trainer aktiv. Ihre Angebote finden sowohl im Jugendhaus M als auch außerhalb statt.

Migranten als kulturelle Brückenbauer für Migranten
Peer Group-Trainer Simon Berhe bearbeitet die Musik, die Nathalie Zappia (Mitte) und Christina Dreer (rechts) eingesungen haben. Bild: Dizdar

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25.03.2010, 12:00 Uhr
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