Berlin · Geschäfte

Mietnachlass soll Innenstädte retten

Verbände schlagen einen Kodex für Vermieter und Einzelhandel vor, um Leerstand und Pleiten zu verhindern.

04.06.2020

Von NINA JEGLINSKI, NBR

Der Textilhandel hat schwer zu kämpfen. Foto: Bodo Schackow/dpa

Berlin. Bereits vor der Corona-Krise lief es für Ladengeschäfte in den Innenstädten nicht gut. Der Shutdown von März bis Mai bringt viele von ihnen in Existenznot. Um Pleiten und damit ein „Veröden der Innenstädte“ zu verhindern, sollen Vermieter den Händlern für die Zeit der Corona-Schließung 50 Prozent ihrer Miete erlassen. Das sehen die Empfehlungen der Spitzenverbände von Immobilienbranche und Handel, des Zentralen Immobilien-Ausschusses (ZIA) und des Handelsverbands Deutschland (HDE), vor.

Nach der Corona-Schließung soll es für drei Monate Mietreduzierungen geben, heißt es in dem Verhaltenskodex. „Der Kodex ist als Handreiche zu verstehen, gesetzlich verpflichtend sind die Ideen nicht“, sagte Andreas Mattner, der Präsident des ZIA.

Vor allem der Textilhandel habe mit „massiven Umsatzeinbußen zu kämpfen“, sagte HDE-Präsident Josef Sanktjohanser. In einer internen Umfrage unter 900 Händlern gaben 75 Prozent der Befragten an, sie würden ihre Miete gerne senken, jedoch fehle im Mietrecht eine Vertragsanpassung. Jährlich würden in Deutschland rund 120 Mrd. EUR an Gewerbemieten eingenommen, 20 Mrd. EUR alleine aus Handelsimmobilien.

Aufgrund der aktuellen Lage müsse „schnell eine Lösung gefunden werden“, sagte Mattner. Auch wenn seit ein paar Wochen der Handel wieder geöffnet sei, ergäben sich durch Abstands- und Sicherheitsmaßnahmen „weiterhin erhebliche Umsatzrückgänge“.

Die Verbände sehen eine Normalisierung der Lage nicht vor Ende 2021. Parallel zur Aufstellung des Kodex haben sie sich in einem Schreiben an Bauminister Horst Seehofer (CSU) gewandt. Es sei Aufgabe der Politik, städtebauliche Mittel zu aktivieren, um den Wandel der Innenstädte zu begleiten.

„Bereits bei zehn Prozent Leerstand sieht die City gruselig aus“, warnte Mattner. Vermieter, Handel und Politik müssten ein Interesse haben, dem entgegenzuwirken.

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Erstellt:
4. Juni 2020, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
4. Juni 2020, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 4. Juni 2020, 06:00 Uhr

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