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Man muss auf Bürger zugehen

Michael Bulander möchte „zurück an die Basis“ – und OB in Mössingen werden

Es ist nicht so, dass ihm sein Job im Stuttgarter Innenministerium nicht gefiele. Ganz im Gegenteil. Doch Michael Bulander, 38-jähriger Oberschwabe, der nun seit fast zehn Jahren in Mössingen wohnt und jeden Tag in die Landeshauptstadt pendelt, möchte halt gerne „zurück an die Basis“, wie er sagt. Der Diplom-Verwaltungswissenschaftler will OB in Mössingen werden.

27.05.2010
  • Ernst BAuer

Mössingen. Bulander hat schon seit längerer Zeit damit geliebäugelt, mal für einen Bürgermeisterposten zu kandidieren. Jetzt will er die Gelegenheit beim Schopf packen. Die Entscheidung fiel tatsächlich über Nacht, erklärt er lachend – „indem ich es am nächsten Morgen in Ihrer Zeitung las“; dass der bisherige OB Werner Fifka sein Amt vorzeitig niederlegt. Der parteilich nicht gebundene Regierungsdirektor im Innenministerium – der auch als Unabhängiger kandidieren wird – ist überzeugt, dass er das Zeug dazu hat, die nötigen Qualifikationen und auch das Selbstbewusstsein, um eine Große Kreistadt „regieren“, um eine Rathaus-Crew mit über 100 Leuten in finanziell schwierigen Zeiten führen zu können.

1971 in Saulgau geboren, dort auch sein Abi gemacht, in Herbertingen aufgewachsen, hat der aus einer Handwerkerfamilie stammende Bulander – Vater Mechaniker, Mutter Hausfrau – eine steile Verwaltungskarriere hingelegt nach dem Studium in Konstanz, 1992 bis 1998; Schwerpunkte waren Kommunal- und Regionalpolitik und Verwaltungsmanagement. Ja, kommentiert er: „Das Interesse war schon immer da.“ Und schon im Verwaltungsreferendariat kam er viel im Ländle herum, auf allen möglichen Ebenen: Landratsamt Eßlingen, Regierungspräsidium Stuttgart, dazwischen ein Semester Verwaltungshochschule Speyer, dann das Innenministerium als Ausbildungsstation. Die erste Stelle trat er 2001 beim RP in Tübingen an, noch unter Hubert Wicker wurde Bulander Leiter der Geschäftsstelle des „Interreg III“-Programms – als entscheidender Mann für das grenzüberschreitende Förderprogramm der EU im Bodenseeraum.

Michael Bulander möchte „zurück an die Basis“ – und OB in Mössingen werden
Ein enger Mitarbeiter des Innenministers bewirbt sich als OB in Mössingen: Michael Bulander, 38. Bild: Franke

So „verschlug“ es ihn auch nach Mössingen. Das erste Vierteljahr ist er noch von Herbertingen nach Tübingen gependelt. Dann wies ihn ein RP-Mann auf die prosperierende Blumenstadt hin: „Ein Kollege hat gemeint, in Mössingen gibt’s was – da wird gebaut.“ Bulander suchte und fand für sich und seine Familie eine Doppelhaushälfte auf der Lehr. „Es war klar, dass wir hierher ziehen“ – eine junge Familie mit nunmehr drei Kindern, der ältere Sohn neun, die Tochter sieben, der Kleine drei; Ehefrau Lioba, eine Erzieherin, ist jetzt Hausfrau. „Wir fühlen uns hier sehr wohl“, sagt Bulander, „von Anfang an. Wir hatten nie Probleme. Manche sagen: Die Mössinger sind a bissle komisch. Das kann ich nicht bestätigen!“

Zwei Jahre lange war der „Neu-Mössinger“ Bulander im RP in Tübingen. Da hat ihn der Ruf des Schwarzwald-Baar-Kreises ereilt: Dezernent für Verkehr, Recht und Ordnung wurde er dort. „Es ist bei uns Landesbeamten so, wir sollen ja alle Verwaltungsebenen durchmachen.“ Nach fünf Jahren war es wieder Zeit, zu wechseln. „Dann hat man mich nach Stuttgart geholt.“ Seit April 2008 arbeitet Bulander im Innenministerium, als Regierungsdirektor im Mitarbeiterstab des Ministers. Alle drei Wochen darf er auch nach Berlin reisen, als ständiger Vertreter im Innenausschuss des Bundesrates – wo er seinen Chef, Innenminister Heribert Rech, vertritt.

Jeden Morgen mit dem Zug nach Stuttgart

Michael Bulander möchte „zurück an die Basis“ – und OB in Mössingen werden
A. Stollberg

Kein Wunder, dass es den bodenständigen Oberschwaben, bei so viel Aushäusigkeit – morgens um 6.45 Uhr mit „diesen total überfüllten“ Zügen nach Stuttgart, abends entweder um halb acht, aber eher um halb zehn wieder zurück – an die „Basis“ zieht, wie er das formuliert. In Herbertingen war er selber zwei Jahre lang Gemeinderat, war im Musikverein, 20 Jahre Klarinettist, ist noch im Narrenverein – „als Oberschwabe muss man in einem Narrenverein sein“. In Mössingen konnte er all dies bisher nicht. „Mein Beruf hat mir einfach nicht die Zeit dazu gelassen.“ Anderseits sieht er dies aber nun auch wiederum als Vorteil für sich, für seine OB-Kandidatur: „Hier kann ich antreten!“, hat sich Bulander gesagt. „Ich bin ungebunden.“ Hier hat er zudem das Gefühl, „dass es passt“. Er hat gleich gespürt, „dass es mich unter den Fingernägeln etwas gekribbelt hat“.

Was will er in Mössingen anpacken, bewegen, wenn er gewählt wird? Mössingen 2020, den neu aufzustellenden Stadtentwicklungsplan, kriege jede/r, der oder die hier OB wird, ja „als Willkommensgeschenk gleich mal mit“, sagt der 38-Jährige. Neben den vielen neuen Aufgaben, die es anzupacken gilt, den vielen Baustellen in der Stadt. „Mit Investitionen in den nächsten Jahren sieht’s verdammt schwierig aus.“ Doch die Ausarbeitung des neuen Stadtentwicklungsplans sieht er auch als Chance, „die Bürger wieder einzubeziehen“. Das ist für den Katholiken eh eines der wichtigsten Credos als Rathauschef: „Ein Oberbürgermeister muss präsent sein, für die Bürger da sein. Es ist ganz wichtig, dass er – oder sie – Bürgernähe zeigt.“

Blumenstadt als gute Marke erhalten

Die Blumenstadt müsse, so hat Bulander zudem erkannt, als „gute Marke“ beibehalten, genutzt werden. Zum Thema Stadtmarketing hat er einst seine Diplomarbeit geschrieben. Nicht zuletzt bei der Eröffnung des neuen Panoramaweges hat er gemerkt: „Es sind Potenziale da.“ Ein ausgefeiltes Programm hat er aber noch nicht entwickelt.

Im Rathaus selber will er eine „offene Verwaltungskultur“ praktizieren. Bange ist ihm nicht. In Villingen-Schwenningen, in der Kreisverwaltung von Schwarzwald-Baar, hatte er annähernd so viele Mitarbeiter/innen, wie er hier als OB hätte. Bulander: „Ich gehe da unbefangen rein, als offener Vorgesetzter, den man jederzeit ansprechen kann.“

Ich habe gemerkt, dass es mich unter den Fingernägeln

etwas gekribbelt hat.

Michael Bulander – OB-Kandidat in Mössingen

1971 in Saulgau geboren, in Herbertingen aufgewachsen,

1991 Abitur am Wirtschaftsgymnasium in Saulgau,

1992 bis 98 Diplom-

Studium Verwaltungswissenschaft an der Universität Konstanz,

2001 Prüfung zum Verwaltungs-Assessor, nach verschiedenen Stationen im Referendariat, dann erste Stelle im Regierungspräsidium Tübingen, Leiter der Geschäftsstelle Interreg III;

2003 Dezernent für Verkehr, Recht und Ordnung im Schwarzwald-Baar-Kreis;

seit 2008 Regierungsdirektor im Innenministerium des Landes

Baden-Württemberg,

Mitarbeiter im Stab des Ministers, Bundesrats-

referent;

Bulander ist parteipolitisch ungebunden; er ist verheiratet und hat drei Kinder im Alter von neun bis drei Jahren; seit 2001 wohnt er mit seiner Familie in Mössingen.

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27.05.2010, 12:00 Uhr
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