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Mia san mia, mia san tätowiert

Fußballfans tragen die Liebe zu ihrem Club oft auf der Haut. Ein Buch vereint jetzt die staunenswertesten und schönsten Hautbekenntnisse von Bayern-Anhängern.

18.11.2017
  • MAGDI ABOUL-KHEIR

München. Zumindest zwei Sachen sucht man sich im Leben nicht aus: seine Eltern und seinen Verein. Die Eltern tätowiert man sich, bei aller Liebe, selten auf die Haut. Mit dem Verein sieht es anders aus. Wenn heute um 15.30 Uhr das Spiel FC Bayern München gegen den FC Augsburg angepfiffen wird, stehen in der Allianz Arena Tausende, die die Liebe zu ihrem Verein unmittelbar auf dem Körper tragen. Der Journalist Torge Kern hat in dem Buch „Millionen Nadelstiche für meinen Verein“ eine Sammlung an FCB-Tattoos zusammengetragen und Interviews zum Fan-Dasein geführt.

Hautsache Bayern München: „Wenn die Liebe zum FCB groß genug ist, lässt man sich diese Liebe auch auf der Haut verewigen“, erklärt der Tätowierer Michael. Der kommt zwar just aus Augsburg, ist aber – durch seinen Opa – seit Kindestagen Bayern-Fan. Sein eigenes Tattoo hat er sich nach einer Auswärtsfahrt zu Real Madrid stechen lassen.

An den Tattoos hängen oft solche Geschichten. Falk Diehl, früher Chefredakteur der Zeitschrift „Super Bayern“, erinnert sich, dass Fans in den 70er Jahren „immer nach Hamburg, Berlin und sogar bis nach England fahren mussten, weil es in München keinen Fußball-Tätowierer gab“. Da wurden dann des Nachts etwa auf St. Pauli „und garantiert nicht immer mehr nüchtern Motive gestochen, die der eine oder andere später bereute“.

Das gilt wohl weniger für die Vereinswappen aus allen Epochen, originalgetreu oder mit künstlerischen Freiheiten gestochen. Sie sind das häufigste Motiv, meist auf Armen und Waden. Hinzu kommen zuweilen kunstvolle großflächige Tattoos auf den Oberkörpern, die sich mit Münchner Sehenswürdigkeiten, mit Brauereien oder der Ikonografie Bayerns auseinandersetzen.

Die Münchner Tätowiererin Angela (34) sieht, dass es „nicht mehr so sehr um Provokation geht, sondern mehr um Kunst“. Die Motive funktionierten immer weniger als Logo, sondern seien – detaillierter, durchdachter – zugeschnitten auf ihre Träger. Einen Trend sieht sie nicht, stellt aber fest: „Tattoos von Fans anderer Vereine haben einen etwas aggressiveren Touch.“

Fußball ist auch Personenkult. So tragen FCB-Fans gern Abbilder von Beckenbauer und Hoeneß auf der Haut. Besonders beeindruckend ist ein Schweinsteiger-Doppelporträt: einmal in Jubelpose, einmal kauernd.

Natürlich sind heute auch die Spieler oft heftig tätowiert, bei den Bayern aktuell etwa Jerome Boateng, Thiago, Rafinha, James Rodriguez, Corentin Tolisso und natürlich Arturo Vidal, dessen Spruch „Never Give Up“ am dicken Hals jeder Gegner schon von weitem sieht.

Überhaupt Sprüche, Mottos, Gesangsverse: Von „Bayern Fan durch die Gnade Gottes“ bis zu „Stern des Südens“ ist da so ungefähr alles vertreten, aber klar, es dominiert „Mia san mia“.

Thomas Emmes, Leiter des Fanprojekts München, einer vereinsunabhängigen sozialpädagogischen Fanbetreuung, hat sich seine Liebe zwar auch mal sichtbar stechen lassen, würde dies heute aber nicht mehr tun. „Es ist zu sehr Mainstream geworden. Früher waren nur sehr wenige tätowiert, heute ist jeder Hipster bis zum Hals zugestochen.“

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18.11.2017, 06:00 Uhr
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