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Gewalt

Mexiko in Aufruhr

Die Nationalgarde lässt Sohn des berüchtigten Drogenbosses „El Chapo“ laufen. Die Sicherheitskräfte sind den bewaffneten Angreifern unterlegen. Die Lage eskaliert.

19.10.2019

Von AFP

Eine Polizeipatrouille in Culiacán. In der Stadt spielen sich bürgerkriegsähnliche Szenen ab. Foto: RASHIDE FRIAS

Im Kampf gegen die mächtigen Drogenbanden des Landes haben mexikanische Sicherheitskräfte eine demütigende Niederlage erlitten. Im Zuge eines „schlecht vorbereiteten Einsatzes“ sei ein Sohn des in den USA inhaftierten Drogenbosses Joaquin „El Chapo“ Guzman zunächst gefasst, dann aber wieder freigelassen worden, sagte der mexikanische Verteidigungsminister Luis Crescencui Sandoval am Freitag. Die Nationalgarde war in Culiacán mit einer Übermacht bewaffneter Angreifer konfrontiert, es gab heftige Straßenkämpfe.

Bewaffnete umstellen Haus

„Dieser Einsatz war schlecht vorbereitet“, räumte Verteidigungsminister Sandoval bei einer Pressekonferenz in Culiacán, der Hauptstadt des Bundesstaates Sinaloa, ein. Erst während der Aktion hätten sich die Einsatzkräfte um einen Haftbefehl bemüht, deswegen sei der „El Chapo“-Sohn Ovidio Guzman Lopez nicht verhaftet worden.

Am Donnerstag hatte Sicherheitsminister Alfonso Durazo erklärt, Ovidio Guzman sei mit drei weiteren Verdächtigen festgenommen worden, nachdem eine Patrouille der Nationalgarde aus einem Wohnhaus in Culiacán angegriffen worden war.

In der Folge hätten zahlreiche bewaffnete Männer das Haus umstellt. Laut Durazo waren sie den Soldaten zahlenmäßig überlegen. Anwohner hätten inmitten des Schusswechsels flüchten müssen, führte der Sicherheitsminister aus. „Um das höhere Gut, die Sicherheit und das Wohlergehen der Bevölkerung von Culiacán zu schützen“, habe die mexikanische Regierung „entschieden, die besagten Aktionen auszusetzen“, sagte Durazo in einer Videobotschaft. Zunächst ließ er aber offen, ob Ovidio Guzman dadurch freikam. Mexikanische Medien berichteten aber über seine Freilassung.

Auf Fernsehbildern waren Soldaten und Polizisten unter Beschuss von schwer bewaffneten Männern zu sehen. Einige Autofahrer auf den umliegenden Straßen verließen in Panik ihre Fahrzeuge, um sich vor den Schüssen in Sicherheit zu bringen.

Laut Durazo starteten die Angreifer auch an mehreren anderen Orten der Stadt Attacken, die Kämpfe dauerten etwa sechs Stunden. Nach Angaben von Journalisten blockierten die bewaffneten Angreifer Straßen und Autobahnen rund um die 750 000-Einwohner-Stadt Culiacán und brachten das öffentliche Leben damit zum Erliegen. Aus Kreisen der Regierung des Bundesstaates Sinaloa hieß es, mehrere Polizisten hätten Verletzungen erlitten.

Stundenlanges Chaos

In Culiacán herrschte stundenlang Chaos. Ein Journalist der Nachrichtenagentur afp filmte bürgerkriegsähnliche Szenen mit schwerbewaffneten vermummten Bandenmitgliedern und in Brand gesetzten Fahrzeugen.

Eine unbekannte Zahl von Häftlingen im Gefängnis Aguaruto de Culiacán nutzte nach Angaben aus Regierungskreisen das Chaos, um aus der Anstalt auszubrechen. Die Regierung von Sinaloa erklärte, sie bemühe sich darum, die Ruhe in Culiacán wiederherzustellen. Zugleich rief sie die Bevölkerung auf, „ruhig zu bleiben, die Straßen zu meiden und sehr aufmerksam auf Warnhinweise der Behörden zu der sich entwickelnden Lage zu achten“.

Mexikos linksgerichteter Staatschef López Obrador hat seit seinem Amtsantritt Ende vergangenen Jahres immer wieder zugesagt, die Kriminalität im Land wirksam zu bekämpfen. Bislang kann er allerdings keine großen Erfolge vorweisen. Seit dem Beginn des Armeeeinsatzes gegen die Drogenbanden im Jahr 2006 starben vorsichtigen Schätzungen zufolge bereits mehr als 250 000 Menschen im mexikanischen Drogenkrieg. afp

Joaquin „El Chapo“ Guzman bei seiner Auslieferung an die USA. Foto: U.S. law enforcement/dpa

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Erstellt:
19. Oktober 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
19. Oktober 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 19. Oktober 2019, 06:00 Uhr

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