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Metaller streiten über
28-Stunden-Woche
An der deutschen Metallindustrie (im Bild Salzgitter) hängen 8 Mio. Arbeitsplätze. Foto: Bildquelle
Tarifrunde

Metaller streiten über 28-Stunden-Woche

Arbeitgeber und IG Metall stehen vor schwierigen Verhandlungen. Es geht um mehr Geld und um flexiblere Arbeitszeiten.

14.09.2017
  • DIETER KELLER UND ALEXANDER BÖGELEIN

Berlin. Am heutigen Donnerstag wollen die Großen Tarifkommissionen der Industriegewerkschaft Metall in Baden-Württemberg und den sechs anderen Tarifbezirken in Deutschland die Marschroute für die neue Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie abstecken. Sie dürften nicht nur eine deutliche Lohnerhöhung fordern, sondern auch flexiblere Arbeitszeiten mit der Möglichkeit, von 35 auf 28 Stunden pro Woche zu wechseln. Angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels sind die Arbeitgeber entsetzt: „Das würde unsere Probleme in völlig verantwortungsloser Weise verschärfen“, befürchtet der Präsident des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, Rainer Dulger aus Heidelberg.

„Es ist schön, wenn Unternehmer die IG Metall für handlungsfähig halten“, sagte IG-Metall-Chef Jörg Hofmann unlängst vor Journalisten im Stuttgarter Wirtschaftspresseclub. Die Gewerkschaft hat gute Argumente: Der Auftragsbestand liegt höher als vor der Finanzkrise. Die Produktionskapazitäten seien zu 90 Prozent ausgelastet, und viele Unternehmen hätten 2016 hohe Renditen erzielt. Von dieser wirtschaftlichen Lage sollten auch die Arbeitnehmer profitieren, forderte Hofmann und verwies auf prominente Schützenhilfe: Selbst Bundesbank-Chef Jens Weidmann habe sich für höhere Löhne ausgesprochen.

Daher dürfte die Lohnforderung für die größte deutsche Industriebranche mit 3,8 Mio. Beschäftigten in 24 600 Betrieben höher ausfallen als vor knapp zwei Jahren in der letzten Tarifrunde. Damals hatten die Tarifkommissionen zunächst 4,5 bis 5 Prozent gefordert, der Vorstand der IG Metall hatte sich auf 5 Prozent festgelegt. Letztlich einigte sich die Gewerkschaft mit Gesamtmetall auf 4,8 Prozent, allerdings verteilt über 21 Monate. Die letzte Stufe von 2 Prozent wurde am 1. April 2017 wirksam. Jetzt warnen die Arbeitgeber, es gebe nicht viel Spielraum, weil die Produktivität kaum zunehme.

Auch bei der Arbeitszeit soll sich etwas ändern, hat sich Hofmann auf die Fahnen geschrieben. Die Kollegen seien durch eine extreme Flexibilisierung stark belastet. „Die Arbeitszeit muss auch zum Leben der Mitarbeiter passen.“ Sie beurteilten den Wert von Zeit und Geld höchst unterschiedlich, verwies der IG-Metall-Chef auf die Deutsche Bahn. Deren Beschäftigte konnten wählen: 56 Prozent entschieden sich für sechs zusätzliche Urlaubstage und 41 Prozent für 2,6 Prozent mehr Geld ab Anfang 2018.

Die IG Metall will einen anderen Weg gehen: Jeder Mitarbeiter soll den Anspruch bekommen, seine Arbeitszeit auf bis zu 28 Stunden zu reduzieren, und das mit Rückkehrrecht zu 35 Stunden. Im Regelfall sinkt auch das Entgelt um 20 Prozent. Dies soll aber bei Schichtarbeitern sowie bei der Betreuung von Kindern oder Pflegebedürftigen halbiert werden. Das sollen alle Mitarbeiter des Betriebs finanzieren.

Die Arbeitgeber verweisen auf eine Umfrage, wonach drei Viertel der Beschäftigten nicht zu einem solchen solidarischen Ausgleich bereit sind. Geld sei ihnen wichtiger als selbstbestimmte Arbeitszeit. „Das wäre das vollkommen falsche Signal“, verweist Dulger auf den Fachkräftemangel.

Damit deuten sich harte Verhandlungen an. Am 15. November läuft die erste Runde. Im Januar geht es richtig los, weil der Tarifvertrag zum Jahresende ausläuft. Dann sind auch Warnstreiks möglich – und Eintagesstreiks, die von der IG Metall als neue Eskalationsstufe eingeführt wurden. Dafür ist keine Urabstimmung nötig, aber es gibt Streikgeld. Bei den betroffenen Betrieben entstehen viel größere Schäden als bei Warnstreiks. Was das für Auswirkungen schon auf das Klima am Verhandlungstisch hat, ist offen.

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14.09.2017, 06:00 Uhr
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