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Angriff im Londoner Zentrum zeigt: Bewaffnete Sondereinheit mit 6000 Polizisten aufgestellt

Messerattacke schürt Terrorangst

Ein 19-Jähriger mit psychischen Problemen hat in London auf Passanten eingestochen und eine Frau getötet. Ein Terrormotiv sehen die Ermittler nicht.

05.08.2016
  • HENDRIK BEBBER

London. Entsetzen in London: Mitten in der Stadt griff ein 19-jähriger Norweger mit somalischen Wurzeln wahllos Passanten, die ihm auf dem Londoner Russel Square über den Weg liefen, mit einem Messer an. Der Platz in der Nähe des British Museum war auch zur Tatzeit am Mittwoch um 22.30 Uhr sehr belebt. Im Stadtteil Bloomsbury befinden sich viele Hotels und Restaurants. Bei dem Angriff wurde eine 60-jährige US-Amerikanerin getötet. Die anderen Opfer stammen aus Großbritannien, den USA, Israel und Australien.

Alarmiert durch zahlreiche Anrufe kam die Polizei binnen fünf Minuten zu dem Tatort. Sie streckte den Messerstecher mit einer Stromstoß-Pistole (Taser) nieder und verhaftete ihn wegen Mordverdachtes. Der junge Mann wurde noch in der Nacht verhört. Der stellvertretende Londoner Polizeichef Mark Rowley erklärte einer Pressekonferenz, dass „die Ermittlungen bei diesem tragischen Vorfall zunehmend auf Probleme der geistigen Gesundheit deuten. Bislang haben wir keinen Beweis gefunden, dass der Mann in unserem Gewahrsam radikalisiert war und aus terroristischen Motiven handelte.“

Dies jedoch hatten viele Augenzeugen zunächst angenommen. Die 33-jährige Helen Edwards sagte gegenüber Reportern: „Einen Terroranschlag hat man jetzt immer im Hinterkopf.“

Der Londoner Bürgermeister Sadiq Khan bat seine Mitbürger um „Ruhe und Wachsamkeit“. Er lobte die schnelle Alarmierung der Polizei und sagte: „Wir alle haben eine große Rolle als Augen und Ohren unserer Polizei und Sicherheitsorgane zu spielen, um dabei zu helfen, dass London geschützt ist.“

Der Messerstecher begann seinen Amoklauf am gleichen Tag, an dem Scotland Yard eine neue Einheit schwer bewaffneter Polizisten vorgestellt hatte. Normalerweise sind die britischen „Bobbys“ bei ihren Streifengängen nicht bewaffnet. Im ganzen Land stehen jedoch etwa 6000 Kollegen und Kolleginnen zur Verfügung, die mit Maschinenpistolen, Präzisionsgewehren und schussfester Bekleidung ausgerüstet sind. 600 von ihnen sollen nun ständig in London patrouillieren.

Der Fall beunruhigt die Briten auch deshalb, weil sie wissen, dass die Trennlinie zwischen Terrorangriffen und Amokläufen immer mehr verschwimmt. Bürgermeister Khan schrieb in einem Gastbeitrag für den Londoner „Evening Standard“, der am Donnerstag nur einige Stunden nach der Tat veröffentlicht wurde: „Wie wir bei früheren Anschlägen überall auf der Welt gesehen haben, kann hinter dem Angriffen auf unschuldige Menschen eine komplexe Mischung von Auslösern stehen.“

Die Polizei und die Geheimdienste warnen davor, dass ein Terroranschlag auf London nur noch eine Frage der Zeit ist. Es herrscht offiziell im Augenblick die zweithöchste Warnstufe, laut der ein Anschlag als „hoch wahrscheinlich“ gilt.

Allerdings sind Messer die gebräuchlichste Mordwaffe in Großbritannien. Durch sie wurden im vergangenen Jahr 186 Menschen getötet. Im Mai 2013 schlachteten zwei aus Nigeria stammende Männer mitten in London vor zahlreichen Augenzeugen einen 25 Jahre alten Soldaten mit Messern und einem Fleischerbeil vor seiner Kaserne ab. Die Täter fühlten sich von der Terrororganisation Al-Kaida zu dieser Bluttat inspiriert. Im März dieses Jahres versuchte ein geistesgestörter Muslim in einem U-Bahnhof, einen Passanten mit einem Messer zu enthaupten. Der Angriff misslang nur, weil die Klinge seines Messers abbrach. Der Mann begründete die Attacke damit, seine „Brüder in Syrien“ rächen zu wollen. Er bezog sich damit auf den britischen Militäreinsatz gegen die Terrormiliz IS, den das Parlament in London nur wenige Tage zuvor verlängert hatte.

Verheerend waren die Anschläge von 2005. Damals explodierten vier Bomben in U-Bahnen und einem Bus in der britischen Hauptstadt. 56 Menschen starben, mehr als 700 wurden verletzt. Die Hoffnungen, dass sich ein ähnlich groß angelegter Angriff nicht wiederholt, ruhen unter anderem auf der Tatsache, dass Terroristen aus dem Ausland weniger leicht in den Inselstaat Großbritannien einreisen können als nach Deutschland, Frankreich oder Belgien. Doch das kann sich schnell als trügerisch erweisen, die Briten wissen das.

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05.08.2016, 06:00 Uhr
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