Pandemie

Merkel verspricht Impfung für alle – bis kurz vor der Wahl

Die Bundeskanzlerin freut sich über sinkende Infektionen und beklagt die hohen Todeszahlen. Sie setzt auf den verlängerten Lockdown und die Macht der Vakzine.

22.01.2021

Von HAJO ZENKER

Abfahrt nach der Pressekonferenz: Bundeskanzlerin Angela Merkel. Foto: Michael Kappeler/afp

Berlin. Wenn in der Bundespressekonferenz jeder Platz besetzt ist, in diesem Fall jeder unter Corona-Auflagen mögliche Platz, kann das nur heißen: Die Kanzlerin kommt. Denn das macht Angela Merkel selten. Am Donnerstag aber wollte die CDU-Politikerin außer der Reihe unbedingt über den Zwiespalt reden, in dem man sich ihrer Ansicht nach befindet: Einerseits wieder sinkende Infektionszahlen, andererseits die Gefahr durch die Mutationen – und hohe Todeszahlen. Es sei „sehr ermutigend“, dass sich die Lage entspanne. Gleichzeitig muss man „aus Vorsorge für unser Land“ am Lockdown festhalten. Alles diene dem Ziel, „in diesem Jahr die Pandemie in den Griff zu bekommen und schließlich zu überwinden“.

Die Hoffnung seien die Impfstoffe, die sich zum Glück an die gefährlichen Mutationen anpassen ließen. Die zum Teil harsche Kritik daran, dass der Impfstoff derzeit knapp ist und Produzent Biontech/Pfizer weniger ausliefern, als eigentlich vereinbart wurde, wollte die Kanzlerin aber nicht teilen. Durch die vorübergehenden Lieferengpässe seien die Impfziele nicht gefährdet. Es sei „nicht zu beanstanden“, dass sich Pfizer entschieden habe, die Produktion hochzufahren und dass dazu Umbauten vorgenommen werden müssten. Trotzdem sollten ja die für das erste Quartal zugesagten Mengen geliefert werden. Bis zum Ende des Sommers, und damit sei der 21. September gemeint, solle sich jeder, der das wolle, impfen lassen könne. Überraschend hierbei war, dass die Kanzlerin, obwohl sie eindeutig die Freilassung des Kreml-Kritikers Alexej Nawalny forderte, gleichzeitig Russland Unterstützung bei der Zulassung des russischen Impfstoffs „Sputnik V“ in der EU anbot.

Die Kanzlerin, die einen aufgeräumten Eindruck machte, gestand ein, dass die Pandemie für sie eine Herausforderung sei, sie wolle aber mit ganzer Kraft „möglichst vernünftig regieren – und zwar bis zum letzten Tag“. Dazu gehöre, sich ein Ausstiegsszenario zu überlegen. Zuerst müssten Kitas und Schulen öffnen. Danach werde es aber nicht ganz einfach. Aus praktischen Gründen sollten dann wohl auch die Friseure schnell öffnen, sagte Merkel mit einem Augenzwinkern.

Sehr ernst dagegen kommentierte Merkel die „erschreckend hohen Todeszahlen“ in Altenheimen. Es breche ihr das Herz, wenn sie sehe, wie viele Menschen dort in Einsamkeit gestorben seien. Sie sprach sich für eine öffentliche Form der Trauer um die Covid-19-Toten aus.

Dass längst nicht alle Fragen gestellt und beantwortet werden konnten, lag denn auch nicht an der Kanzlerin, sondern an der Pandemie: Die Zeit in der Bundespressekonferenz ist limitiert – damit anschließend gut gelüftet werden kann. Hajo Zenker

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Erstellt:
22. Januar 2021, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
22. Januar 2021, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 22. Januar 2021, 06:00 Uhr

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