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Regierung

Merkel umschifft vor dem Urlaub alle Klippen

Koalitionskrach und außenpolitische Dauerkrise – die Kanzlerin trotzt den Macho-Männern. In einer Pressekonferenz stellt sie klar: Rücktritt war nie ein Thema.

21.07.2018

Von DOROTHEE TOREBKO

Ankunft der Kanzlerin in der Bundespressekonferenz. Foto: afp/Tobias Schwarz

Berlin. Feuerwehrrot leuchtet der Blazer von Bundeskanzlerin Angela Merkel, als sie die Bundespressekonferenz betritt. Bevor es für die Kanzlerin in den Urlaub geht, stellt sie sich traditionellerweise den Fragen der Hauptstadtpresse. Doch dieses Jahr ist besonders. Noch nie war ihre Macht so in Gefahr. Die vergangenen neun Monate waren die schwersten ihrer Kanzlerschaft: die Wahlniederlage, die verunglückten Jamaika-Verhandlungen, die turbulente Entstehungsgeschichte der GroKo. Ein Koalitionskrach und dann noch die außenpolitische Dauerkrise.

Und wie immer in den letzten Wochen dreht es sich auch in diesen 90 Minuten vor allem um zwei Männer: Horst Seehofer und Donald Trump. Beide hatten die Macht Merkels zum Wanken gebracht. Der US-Präsident, indem er höhere Militärausgaben fordert und mit einem Handelskrieg droht. Der CSU-Chef, indem er im Flüchtlingsstreit Neuwahlen riskierte. Nun kann man Seehofer nicht wirklich mit Trump vergleichen. Gemeinsam ist ihnen die Macho-Attitüde, mit der sie gegen Merkel vorgehen. Was sie ebenfalls verbindet, ist, wie die Kanzlerin darauf reagiert: diplomatisch, sachlich, stoisch. Und genauso wehrte sie auch alle Fragen nach den beiden ab.

Über den Konflikt mit Seehofer sagt sie: „Wir haben einen Kompromiss gefunden. Wir haben die Handlungsfähigkeit der Regierung sichergestellt.“ Zu Trump meint sie: „Ich versuche zu argumentieren und eine eigenständige souveräne Antwort zu geben.“ Immer wieder umschifft sie die Namen Trump und Seehofer geschickt. Bloß keine Eskalation. Bloß keine Angriffsfläche liefern.

Das Riesen-Problem-Paket

Nur an einem Punkt reagiert die Kanzlerin dünnhäutig: die ständige Fragerei, ob sie nicht ins Zweifeln gekommen sei angesichts des Putschversuchs ihres Ministers. Dachte sie in diesen Monaten je an einen Rücktritt? „Nein, nein, nein“, anwortet sie.

Wenn sie aus den Ferien zurückkehrt, Reiseziel unbekannt, wird sie das Riesen-Problem-Paket wieder aus- und anpacken müssen. Zwar ist der Konflikt mit der CSU vorerst beigelegt, könnte aber zur bayerischen Landtagswahl Mitte Oktober wieder ausbrechen. Genauso wird sie weiter das Diesel-Thema – Hardware-Nachrüstungen ja oder nein? – und der Handelskrieg mit den USA beschäftigen.

Mit wem sie denn lieber in den Urlaub gehen wolle, wenn sie müsste – Trump, Seehofer oder Putin?, wird sie noch gefragt. Gelächter erfüllt den Raum. Die Kanzlerin senkt den Blick. Schüttelt den Kopf. Nein, diese Frage will sie nicht beantworten. Und dann presst sie ein „Urlaub ist Urlaub“ heraus – und lächelt.

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Erstellt:
21. Juli 2018, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
21. Juli 2018, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 21. Juli 2018, 06:00 Uhr

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