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Tiere

Meister im Energiesparen

Er wirbelt, rennt, springt und sorgt für Chaos. Aber die Vorbilder von Sid, dem niedlichen Riesenfaultier aus „Ice Age“, verhalten sich eher träge.

19.10.2019

Von DPA

Zwei Faultiere, die sich offenbar mögen. Foto: Heinz Süssenbeck/dpa

Halle/Berlin. Ganz langsam zieht Paula, kopfüber an einem Ast hängend, ihren Fuß heran, genüsslich ein Blatt kauend. Die Trägheit der Vierbeinerin im Bergzoo Halle (Saale) ist ihrer Spezies und nunmehr 50 Lebensjahren geschuldet. „Paula ist das älteste Faultier, von dem wir wissen“, sagt Biologin Jutta Heuer. Sie kennt das Zweifingerfaultier seit 45 Jahren und führt das Zuchtbuch dieser Tiere für Europa. „Es ist kein Exemplar in Zoos oder freier Wildbahn bekannt, das mehr Jahre auf dem Buckel hat.“

Seit 2010 macht der Weltfaultiertag am 19. Oktober jährlich auf diese zahnarmen Säugetiere und ihre Gefährdung durch die Vernichtung des Regenwaldes in Süd- und Mittelamerika aufmerksam. Sie sind Energiesparmeister, denn ihr Körper läuft auf Sparflamme: Sie brauchen wenig Nahrung und schlafen bis zu 20 Stunden pro Tag. Dreifingerfaultiere hätten den langsamsten Stoffwechsel aller Säugetiere überhaupt, sagt Camila Mazzoni vom Berliner Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung. „Den brauchen sie auch, denn ihre Nahrung – Blätter – ist sehr energiearm.“ Faultiere können ihre Innentemperatur niedriger halten als andere Säugetiere und auch über Sonne und Baumschatten kontrollieren. „Und sie sind natürlich auch sehr, sehr langsam“, sagt Mazzoni.

Fell wächst verkehrt herum

Weil Faultiere meist hängend leben, wächst ihr Fell verkehrt herum vom Bauch zum Rücken, damit Regenwasser ablaufen kann. Bis zu zehn Zentimeter lange Krallen geben sicheren Halt – je nach Gattung zwei oder drei an den Vorder- sowie drei an den Hinterbeinen. In ihrem dichten Fell leben Milben, Zecken, Käfer und Falter, dank Kotresten, toter Motten und Luftfeuchtigkeit im Regenwald wachsen sogar Grünalgen. „Die energiereichen Algen sind willkommene Zusatznahrung und gute Tarnung“ zugleich, erklärt Heuer.

Dank ihrer extrem langsamen Verdauung müssen sie auch nur ein Mal pro Woche ihren Platz in luftiger Höhe verlassen – zum Koten am Boden. Dann sind sie besonders gefährdet. „Sie können nicht laufen, nur kriechen oder robben.“

Nach Angaben von Biologin Mazzoni gibt es noch sechs bekannte Faultier-Arten, die auf Bäumen leben und kopfüber hängen. Es sind die Überlebenden der einst mehr als 100 Faultierarten umfassenden Gruppe. „Die meisten verschwanden am Ende der letzten Eiszeit vor 10 000 bis 12 000 Jahren.“

Zwei Dreifingerfaultier-Arten sind laut Mazzoni vom Aussterben bedroht: das Kragenfaultier im Atlantikwald Brasiliens und das Zwergfaultier auf einer winzigen Insel in Panama. Abholzung und Brände im Regenwald gefährden auch die anderen Tiere, sie werden auf den durch Rodung entstehenden Inseln isoliert oder bei der Überquerung von Straßen überfahren, erklärt Heuer. „Dazu kommt, dass Einheimische sie gern essen und die Jungen als Haustiere beliebt sind.“

In Tierparks haben die possierlichen Tier mit den kleinen Augen derzeit Konjunktur. „Viele wollen mit der Zucht anfangen“, sagt Heuer. „Aber es sind eben Faultiere, die lassen sich nicht animieren.“ So könne es zehn Jahre dauern mit dem Nachwuchs oder gar nicht klappen. Notfalls helfe nur ein Partnertausch. Erfolg oder Misserfolg zeigten sich nach elf Monaten Tragezeit. Das Faultier lässt sich eben auch hier viel, viel Zeit. dpa

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Erstellt:
19. Oktober 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
19. Oktober 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 19. Oktober 2019, 06:00 Uhr

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