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Meister der Klaren Kante
Ein Mann der abstrakten Formen: Ellsworth Kelly ist gestorben. Foto: dpa
US-Künstler Ellsworth Kelly starb mit 92

Meister der Klaren Kante

Er war ein Gegenpol zu Amerikas erfolgreichstem Künstler: Ellsworth Kelly wollte eine Abkehr von Jackson Pollock und Co. Seine abstrakten Bilder mit klaren Linien und kräftigen Farben machten ihn berühmt.

29.12.2015
  • CHRIS MELZER, DPA

New York. Wenn Ellsworth Kelly zuletzt auftrat, zog er ein Wägelchen hinter sich her. Darauf lag eine Sauerstoffflasche, ein Schlauch führte zur Nase des alten Mannes. Aber er wollte noch auftreten, sich zu Wort melden, in der Szene mitmischen.

Ellsworth Kelly gehörte zu den einflussreichsten Künstlern der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Am Sonntag ist der US-amerikanische Maler und Bildhauer mit 92 Jahren in Spencerton nahe New York gestorben. Kelly galt als einer der wichtigsten Vertreter des Hard Edge, der "harten Kante": abstrakte Darstellungen mit klaren Linien und wenigen, unvermischten Farben auf weißem, zumindest einfarbigem Untergrund. Farben wie aus dem Lego-Kasten: Leuchtend rot, strahlend gelb, tiefblau, immer schön getrennt. Das erregte Anfang der Sechziger Aufsehen. Die Farben blieben Kellys Markenzeichen, ebenso wie Quadrate; kleine und große, einzeln und zu Dutzenden. Aber auch Schwarz und Weiß - damit hatte er angefangen - blieben im Repertoire.

Kellys Reputation wuchs. Mehrmals nahm er an der Documenta teil. 1973 widmete ihm das Museum of Modern Art in New York die erste Retrospektive. Eine Retrospektive des New Yorker Guggenheim-Museums 1996 wurde später im Haus der Kunst in München gezeigt. 2000 erhielt Ellsworth Kelly den Praemium Imperiale, eine der wichtigsten Auszeichnungen in der Kunst. 2013 überreichte ihm Präsident Barack Obama die National Medal of Arts.

Wenn man in Newburgh nördlich von New York als Sohn eines Versicherungskaufmanns aufwächst, muss das nicht gerade der Startschuss für eine Künstlerkarriere sein. Doch der junge Ellsworth Kelly begann in New York ein Kunststudium. Unterbrochen wurde das von seinem Einsatz im Zweiten Weltkrieg in der "Ghost Army": Mit aufblasbaren Panzern und Lautsprechern täuschte man der Wehrmacht Armeen vor, wo keine waren.

Der Krieg brachte ihn nach Paris, in die Stadt kehrte er bald zurück. Die sechs Jahre waren prägend, hier traf er Joan Miró, Alexander Calder, Hans Arp. Das New York, in das er dann zurückkam, verstand sich als progressiv, war aber für den jungen Maler viel zu konservativ. Die Szene wurde von Jackson Pollock und dem Abstrakten Expressionismus beherrscht, in den Galerien hingen große Bilder, gemalt, getropft, gespachtelt. Kelly antwortete mit klaren Formen, wie mit Schablone und Lineal gezogen.

Keine Farbe ging in die andere über. Das war neu - und keiner wollte es sehen. Die New Yorker Szene sei "sehr rau", urteilte Kelly. Sie verhalf ihm aber zum Durchbruch: Mit der Ausstellung "Sixteen Americans" des Museum of Modern Art (MoMA) wurde Kelly 1959 bekannt. 1958 schuf Kelly seine erste Skulptur aus Holz, später verwendete er mehr Metall. Berühmt ist er für seine Bilder - auch wenn ihm die gar nicht wichtig waren: "Der Raum, der mich interessiert, ist nicht die Leinwand, sondern der Raum zwischen Dir und dem Bild."

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29.12.2015, 08:30 Uhr
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