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Übrigens

Mehr als nur ein Tropfen auf den heißen Stein

Wann zog die letzte studentische Großdemo durch Tübinger Straßen? Wer erinnert sich an Tausende, die gegen übervolle Seminare, verschultes Lernen, den katastrophalen Tübinger Wohnungsmarkt protestierten? Gegen Kriege und Atomkraftwerke, soziale Ungerechtigkeit und politische Unterdrückung? Lang ist’s her.

26.10.2016

Von Volker Rekittke

Ja, ja, seufzen die Tübinger Altlinken, nix mehr los mit diesen Studis. Man könnte meinen: Im Vergleich zu jenen Zeiten sind die Student(inn)en von heute reichlich unpolitisch, dafür karrierefixiert und überhaupt: Bologna-mäßig im Stress. Tatsächlich bescherte jene europaweite Angleichung der Studiengänge, benannt nach dem im italienischen Bologna gestarteten Prozess, auch den Tübinger Studierenden aller Fächer neben Bachelor und Master – ein gestrafftes und verschultes Studium. Und damit immer weniger Zeit, neben Seminar und Vorlesung über den studentischen Tellerrand zu schauen. Kritiker glauben, dass sei so gewollt, zumindest billigend in Kauf genommen worden.

Nun gibt es ja noch die ECTS-Punkte. Die werden an der Uni auch für das Aneignen überfachlicher Schlüsselqualifikationen vergeben. Die Studierenden aller Fächer brauchen eine bestimmte Anzahl dieser „Credit Points“. Und müssen deshalb selbst am heiligen Wochenende noch die Seminarbank drücken. Soll man (oder frau) da überhaupt noch auf die Party gehen? Oder gar zur politischen Veranstaltung? Statt Demo ist am Samstagmorgen eh Wohnungsbesichtigung im Pulk mit 30 Kommilitonen angesagt. So lustig ist das Studentenleben anno 2016.

Und doch tut sich was an der Basis. Das politische Engagement der Studierenden ist nicht tot, es ist nur anders. 240 Student(inn)en machen mit in den bereits 23 Gruppen, die sich unter dem Dach der World Citizen School am Weltethos-Institut versammeln. Sie kümmern sich um benachteiligte Kids, entwicklungspolitische und Umweltthemen, um Ethik in der Wirtschaft und Menschenrechte. Ha, das ist doch nicht einmal ein Prozent der aktuell 28 000 an der Tübinger Uni Eingeschriebenen, könnten Berufs-Unken jetzt maulen. Doch 240 wirklich Aktive sind eine ganze Menge. Viel mehr als nur ein Tropfen auf den heißen Stein jedenfalls. Hinzu kommen jene, die in parteinahen Hochschulgruppen, bei den Fachschaften oder Initiativen wie dem Wohnraumbündnis, den kritischen Psychologen oder Juristen aktiv sind. Und das trotz Bologna und nerviger Wohnungssuche.

Der Anspruch der World Citizen School geht über das reine Bündeln von Aktivitäten und alternativen Lehrangeboten hinaus. Nicht weniger als ein „Curriculum Change“, eine Änderung des Lehrplans, steht auf der Agenda der W-School. Und das ist alles andere als unpolitisch und karrierefixiert.

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Erstellt:
26. Oktober 2016, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
26. Oktober 2016, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 26. Oktober 2016, 01:00 Uhr

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