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Treue Freunde für die Nachspielzeit

Mehr als ein Klub: Der FC Bayern bemüht sich aufrichtig um das Wohlergehen verdienter Mitarbeiter

Der Fall des an Alzheimer erkrankten Gerd Müller belegt, wie intensiv sich die Vereinsoberen des Rekordmeisters selbst um ehemalige Profis und Mitarbeiter, die in Not geraten sind, kümmern.

08.10.2015
  • ARMIN GRASMUCK

Ulm Die Anekdoten aus der guten alten Zeit lässt Gerd Müller immer noch gerne knallen. Es ist noch keine Weile her, da erzählte Bayerns größter Torjäger, wie er Anfang der 70er-Jahre auf dem Weg zum Flughafen einmal den Kollegen Franz Beckenbauer abholen wollte. "Ich war pünktlich, klingelte, aber es rührte sich nichts", so berichtete Müller. "Nach dem fünften Klingeln hat der Franz dann aufgemacht - im blauen Schlafanzug!" Auf sein hektisches Drängeln, die Mannschaft warte bereits auf den Abflug, habe der Kaiser nur mit einem Gähnen geantwortet: "Gerd, ganz im Ernst: Meinst du, die fliegen ohne uns?"

Beckenbauer, Müller, FC Bayern. Diese einmalige Erfolgsgeschichte, dekoriert mit zahlreichen Meisterschaften und Pokalen auf nationaler und interkontinentaler Ebene, trägt eine tragische Pointe, seit am Dienstagabend auch in der breiten Öffentlichkeit bekannt wurde, dass Müller bereits seit geraumer Zeit an Alzheimer erkrankt ist und in einem Pflegeheim südlich der bayerischen Metropole lebt. Der Fall des ehemaligen Weltklassespielers dokumentiert zudem, wie aufrichtig sich die Bayern um seine Angestellten kümmert, selbst wenn das Karriereende weit zurück liegt und der Ruhm verblasst ist.

"Der FC Bayern wird Gerd Müller und seine Familie immer unterstützen und helfen, wenn es nötig ist", sagte Karl-Heinz Rummenigge. Der Vorstandsvorsitzende führt damit die einzigartige Vereinskultur fort, mit der die Münchner seit vielen Jahrzehnten auch abseits des Rasens punkten.

Uli Hoeneß, ehemals Spieler, Manager und Präsident der Bayern, betrachtete es stets als wertes Anliegen, aber auch als Pflicht des Arbeitgebers, sich um das Wohlergehen der Mitarbeiter zu kümmern - selbst wenn sie, wie in der Gegenwart, mit Gagen in Millionenhöhe für Flachpass und Torschuss entlohnt werden.

Den bei einem Autounfall schwer verunglückten Stürmer Lars Lunde ließ Hoeneß Ende der 80er-Jahre genauso bei sich zu Hause wohnen wie wenig später Nationalspieler Mehmet Scholl, als dieser mit Eheproblemen zu kämpfen hatte. Hoeneß war es auch, der Hals über Kopf nach Florida flog, als er von Gerd Müllers Alkoholproblemen erfahren hatte. Er überzeugte den früheren Mannschaftskameraden von der Rückkehr nach München und sorgte dafür, dass er als Jugendtrainer bei den Bayern angestellt wird.

Den Zusammenhalt stärkte auch Beckenbauer, der sich dafür einsetzte, dass Müller ein angemessenes Gehalt zugestanden wurde. "500 000 Mark und keinen Pfennig weniger", so polterte der Kaiser in einer Runde des Präsidiums. "Ohne den Gerd würden wir alle nicht hier sitzen. Dann wären wir immer noch in der kleinen Holzhütte, in der wir uns früher umziehen mussten."

Bayerns Klubobere sorgten auch dafür, das Müller im Anfangsstadium der Krankheit kontrolliert abgeschirmt wurde. Später besuchten ihn Hoeneß und Rummenigge im Pflegeheim. Auch Urgestein Hermann Gerland, derzeit Assistent von Pep Guardiola und einst zusammen mit Müller bei der Amateurmannschaft der Münchner aktiv, schaut regelmäßig vorbei und richtet die besten Wünsche von Müllers früheren Spielern wie Namensvetter Thomas oder Philipp Lahm aus.

Am 3. November feiert Gerd Müller seinen 70. Geburtstag. Die Familie und die Weggefährten aus den Reihen des Rekordmeisters werden im Heim fest an seiner Seite stehen.

Mehr als ein Klub: Der FC Bayern bemüht sich aufrichtig um das Wohlergehen verdienter Mitarbeiter
Früher Mannschaftskameraden, Freunde bis heute: Uli Hoeneß (links) und Gerd Müller. Foto: dpa

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08.10.2015, 12:00 Uhr
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