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Blutiger Oktober

Mehr als 50 tote Palästinenser und Israelis - Merkel trifft Netanjahu

Ein palästinensischer Anschlag jagt den nächsten, Israelis schießen scharf. Täglich gibt es Tote. UN-Generalsekretär Ban reiste deshalb gestern nach Israel. Kanzlerin Merkel trifft heute Israels Premier Netanjahu.

21.10.2015
  • DPA

Jerusalem/Berlin UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat bei einem Überraschungsbesuch im Nahen Osten gestern zu einem Ende der Gewalt zwischen Israelis und Palästinensern aufgerufen. "Was fehlt, ist ein politischer Horizont", sagte Ban bei einem Treffen mit Israels Staatspräsidenten Reuven Rivlin in Jerusalem. Die Gewalt untergrabe nur das legitime Streben der Palästinenser nach einem eigenen Staat, betonte er. "Wenn wir nicht schnell handeln, wird die Lage weiter eskalieren", warnte Ban, dessen Besuch von blutigen Zwischenfällen überschattet wurde.

Bei den neuen Konfrontationen im Westjordanland verletzte ein Palästinenser gestern einen israelischen Offizier leicht mit einem Messer. Der Angreifer sei von anderen Sicherheitskräften erschossen worden, berichtete der israelische Rundfunk. Nahe Hebron wurde ein Israeli getötet. Der Mann habe sein Auto verlassen, nachdem es von einer palästinensischen Menge mit Steinen beworfen worden sei, sagte eine Armeesprecherin in Tel Aviv. Kurz darauf habe ein Palästinenser ihn überfahren. Es war zunächst unklar, ob es sich dabei um eine gezielte Tat oder einen Unfall handelte. Danach verletzte ein Palästinenser zwei Israelis südlich von Jerusalem, als er sie mit seinem Auto rammte. Er habe auch mit einem Messer angegriffen, bevor er von Sicherheitskräften erschossen wurde, berichtete Radio Israel.

Damit setzt sich die Serie palästinensischer Anschläge mit Stich- und Schusswaffen fort. Seit Monatsbeginn sind neun Israelis, ein Afrikaner und 46 Palästinenser getötet worden. Mehr als die Hälfte der Palästinenser wurde bei ihren Anschlägen von israelischen Sicherheitskräften oder Zivilisten erschossen.

Als ein Auslöser der jüngsten Gewaltwelle gelten Streitigkeiten um den Tempelberg (Al-Haram al-Scharif) in der Jerusalemer Altstadt, die Israel 1967 erobert und später annektiert hatte. Rivlin sagte bei dem Treffen mit Ban, der Tempelberg sei "von Leuten, die einen Religionskrieg entfachen wollen, als Geisel genommen worden". Israels Armee nahm in der Nacht zum Dienstag den ranghöchsten Führer der radikal-islamischen Palästinenserorganisation Hamas, Hassan Jussef, in seinem Haus im Westjordanland fest. Jussef habe öffentlich zu Anschlägen auf Israelis aufgerufen, hieß es zur Begründung. Ban wollte später auch Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu und den Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas treffen.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier mahnte bei einem Besuch in Jordanien gestern Israelis und Palästinenser zu Besonnenheit. Er forderte einen "neuen Anlauf im Nahost-Friedensprozess".

Heute trifft Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Berlin Israels Premier Netanjahu, um mit ihm über die Sicherheitslage in Israel und der gesamten Nahost-Region zu sprechen. Merkel ist für eine Zwei-Staaten-Lösung mit einem Palästinenserstaat, der in Frieden neben Israel existiert. Netanjahu lehnt diese Lösung bisher ab.

Mehr als 50 tote Palästinenser und Israelis - Merkel trifft Netanjahu
Israelische Soldaten in Hebron im Westjordanland: In der Nähe der Stadt starb gestern ein Israeli. Foto: dpa

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21.10.2015, 12:00 Uhr
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