Tübingen · Bahnverkehr

Abellio übernimmt: Mehr Züge nach Stuttgart

Zum „kleinen Fahrplanwechsel“ am 14. Juni übernimmt der private Betreiber Abellio von der Bahn die Strecke Tübingen-Reutlingen-Stuttgart.

27.05.2020

Von Volker Rekittke

Die „Talent“-Züge von Bombardier sollen für Abellio auf der Strecke Stuttgart-Tübingen fahren. Bild: Abellio

Die Zugstrecke Tübingen–Stuttgart ist eine der meistgenutzten im Land. In den vergangenen Monaten war sie vor allem für Berufspendler/innen steter Quell des Unmuts. Meist lag es an maroder Streckentechnik, defekten Zügen oder fehlendem Personal. Zum Fahrplanwechsel am 14. Juni soll nun alles anders werden. Dann übernimmt Abellio die Strecke von der Deutschen Bahn. Doch die nagelneuen „Talent“-Züge des Privatanbieters kommen zunächst nur auf etwa der Hälfte aller Verbindungen zum Einsatz, die andere Hälfte wird vermutlich noch bis Jahresende mit ausgeliehenem Bahn-Material bedient.

„Wir hätten uns für unsere Fahrgäste und Mitarbeiter sehr gewünscht, wenigstens in unserer dritten und finalen Betriebsaufnahmestufe wie geplant mit modernen und komfortablen Neufahrzeugen im Regelbetrieb an den Start gehen zu können“, sagte am Mittwoch Rolf Schafferath, Vorsitzender der Geschäftsführung der Abellio Rail BadenWürttemberg GmbH. Das Problem liegt schon seit einiger Zeit beim Hersteller Bombardier. Der wird bis Mitte Juni voraussichtlich erst 30 der insgesamt bestellten 48 „Talent“-Züge ausgeliefert haben. Entsprechend zerknirscht gab sich bei der gestrigen Pressekonferenz François Muller. Der Leiter des Geschäftsbereichs Private Bahnbetreiber bei Bombardier Transportation entschuldigte sich bei Abellio und den Bahn-Fahrgästen im Südwesten.

Landesverkehrsminister Winfried Hermann äußerte die Hoffnung, dass die Züge auf der so stark frequentierten Strecke künftig „zuverlässig, pünktlich und regelmäßig“ fahren – und kündigte eine deutliche Ausweitung der Kapazitäten an.

Zwischen Stuttgart und Tübingen und in Gegenrichtung sollen schon bald deutlich mehr Züge pro Stunde verkehren. So fährt der schnelle Interregioexpress (IRE) ab 14. Juni stündlich (bislang nur alle zwei Stunden). Zudem wird der Regionalexpress (RE), der bisher nur zur Hauptverkehrszeit im Halbstundentakt verkehrt, künftig an allen Werktagen durchgehend bis 20 Uhr (an Samstagen bis 18 Uhr) im 30-Minuten-Takt angeboten. Zwischen Tübingen und Reutlingen sollen dann sogar – in beide Richtungen – fünf Züge stündlich fahren. Ob der Wechsel problemlos gelingt? Schließlich hatte es bei der vorherigen Übernahme von Strecken im Land durch Abellio teils heftig geruckelt. Neben fehlenden Zügen und Personalmangel gab es auch Probleme mit der Zugsoftware, die das Koppeln und Trennen von Zugteilen teils deutlich verlängerte.

Immerhin die ersten zwei Probleme ging Abellio zusammen mit dem Land aktiv an: Dank des Ersatzkonzeptes mit Leih-Zügen soll das ausgeweitete Angebot vom Start an funktionieren. Dieses Konzept ist zunächst bis Jahresende gültig, dann will Bombardier auch die restlichen 18 neuen Züge („mit großzügigem Raumkonzept“) ausgeliefert haben. Und in den vergangenen Monaten, so Abellio-Südwest-Chef Schafferath, habe man ausreichend Personal für die Züge gewinnen und ausbilden können – keine Selbstverständlichkeit in Zeiten von bundesweit fehlenden Lokführern und Zugbegleitern.

Damit ist die DB – trotz der bereits vor Jahren an Abellio verloren gegangenen Stuttgarter Netze – zunächst weiter in der Region aktiv. „Wir freuen uns als DB Regio, auch in den Landkreisen Tübingen und Reutlingen weiterhin Partner des Landes sein zu dürfen. Unseren Fahrgästen auf der RE-Strecke Tübingen–Stuttgart danken wir für die Treue. Unverändert bieten wir mit unserer IRE-Linie Aulendorf–Tübingen–Stuttgart mit unseren Neigetechnikzügen ein schnelles Angebot in die Landeshauptstadt“, so Markus Kaupper, Verkehrsvertragsmanager der DB Regio AG.

Die Zugausfälle Ende vergangenen Jahres

„Der Gipfel der Unzuverlässigkeit war die Phase der Zugausfälle am Ende des Jahres 2019, die vom Verkehrsunternehmen DB wegen des Überstundenabbaus bei Lokführerinnen und Lokführern bewusst herbeigeführt wurde“, antworteten die vier Grünen-Abgeordneten aus Tübingen und Reutlingen – Beate Müller-Gemmeke, Chris Kühn, Thomas Poreski und Daniel Lede Abal – Ende März auf den Offenen Brief von Parents and Fridays for Future zum Bahnchaos rund um Reutlingen und Tübingen. Was Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) gestern nicht sagte, erläutern seine Parteifreunde in dem Brief: „Auch der seit Monaten sehr störanfällige Betrieb am Hauptbahnhof Stuttgart hat immer wieder Auswirkungen auf die Schienenverbindungen in unserer Region.“

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Erstellt:
27. Mai 2020, 20:00 Uhr
Aktualisiert:
27. Mai 2020, 20:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 27. Mai 2020, 20:00 Uhr

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