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Mehr Verkehr durch Außen-Wachstum in Dußlingen?
Erhöhen 45 neue Grundstücke im Westen Dusslingens die Verkehrsbelastung im Dorf? Das wurde beim Thema „Hofstatt“ diskutiert.Bild: Rippmann
Wohngebiete

Mehr Verkehr durch Außen-Wachstum in Dußlingen?

Wie man die Zahl der Autos in der Uffhofenstraße interpretieren soll, darüber streiten Dußlinger nun schon ein gutes Jahr.

02.09.2017
  • Eike Freese

Wieviel Verkehr herrscht im alten Dußlinger Ortskern rund um den Hannesle-Brunnen? Ist es zuviel? Und, aktuell: Wird es viel mehr, wenn die Gemeinde im kommenden Jahr ihr neues Baugebiet „Hofstatt“ im Nordwesten verwirklicht?

Die beiden Dußlinger Manfred Tobis und Rainer Kocher glauben: Ja, das neue 45-Grundstücke-Baugebiet werde die Situation über dem Hanneslebrunnen massiv verschärfen. „Schon jetzt ist es auf der Uffhofenstraße unerträglich, wenn sich dort auch nur zwei Autos begegnen“, findet Manfred Tobis. Seit über zwei Jahren mischen sich Nachbar Kocher und er in die Diskussion um das Baugebiet „Hofstatt“ ein (wir berichteten mehrfach). Das neue 2,7 Hektar große Areal hat der Gemeinderat mit großer Mehrheit beschlossen, um dort nach heutigem Stand gut 45 Flächen für Ein- oder Mehrfamilienhäuser an Bauwillige zu verkaufen. Das Verkehrs-Thema war zwar immer mal ein Punkt in den Debatten, doch die überwiegende Mehrheit der Räte sieht das nicht als Argument bei der Frage „Pro oder Contra neues Baugebiet“.

Es geht um folgende Situation: Wer künftig nach „Hofstatt“ fahren möchte, muss wie andere auch vom Dorfkern durch die Uffhofenstraße – und dann durch die Rottenburger oder die Mühlackerstraße. Vor allem in der Uffhofenstraße, so Kocher, träfen sich dann die Verkehrsströme. Schon jetzt sei es kompliziert – nicht zuletzt, weil viele Dußlinger Uffhofen- und angrenzende Straßen zum Parken benutzten. „Es wird immer enger“, sagt Rainer Kocher: „Aber wo sollen die Autos der Dußlinger denn auch hin?“

Die beiden rechnen so: 45 Bauplätze mit theoretisch erlaubten vier Wohneinheiten pro Bauplatz ergäbe maximal 180 Wohneinheiten mit mindestens einem Auto pro Wohneinheit. Und wenn sich das Gebiet in den kommenden Jahren noch einmal erweitern würde, dann gäbe es entsprechend mehr Menschen und noch mehr Autos – die alle durch die Uffhofenstraße führen. „Deshalb haben wir gesagt: Das Baugebiet wäre nur okay mit einer Umgehungsstraße von Westen her“, so Tobis.

Gemeinderat stets pro Baugebiet

Für einen entsprechenden Bürgerantrag hatten Tobis und Kocher vor anderthalb Jahren 185 Unterschriften gesammelt. Damit erreichten sie, vor dem Gemeinderat gehört zu werden. Seitdem wurde bei jeder der zahlreichen Abstimmungen unter den Dußlinger Gemeinderäten zwar Details diskutiert, doch fast ohne Folgen: Die Lokalpolitiker blieben ihren vorherigen Beschlüssen treu. Ergebnis: „Hofstatt“ kommt, vermutlich im kommenden Jahr. Auch die letzte von zahlreichen Abstimmungen über den Bauplan im Juli sah keine einzige Gegenstimme.

Auch Bürgermeister Thomas Hölsch verteidigt das Wachstumsvorhaben – auch unter Berücksichtigung der Verkehrssituation: „Das eine hat mit dem anderen nur sehr wenig zu tun“, so Hölsch. Verdeckte Verkehrs-Messungen in der Uffhofenstraße hätten eine Summe von 1345 Fahrzeug-Bewegungen am Tag ergeben. Ob durch das neue Baugebiet noch ein paar wenige dazukommen würden, so Hölsch, sei angesichts des Nutzens des Baugebiets für die Gemeinde zu vernachlässigen: „Ich sehe das nicht als Problem.“

Auf den 45 neuen Bauplätzen in Hofstatt, prophezeit Hölsch, „werden auch keine 45 Mehrfamilienhäuser entstehen“. Der Rathauschef rechnet mit möglicherweise 90 zusätzlichen Autos im neuen Gebiet. Wenn man von geringen Behinderungen zu abgegrenzten Zeiten absehe, so Hölsch, sei da „gefühlt überhaupt keine Verkehrsbelastung“ in der Uffhofenstraße: „Schauen Sie sich da mal zu gewissen Zeiten um und warten Sie, wann überhaupt mal ein Auto vorbeikommt.“ Im Gemeinderat hatte etwa FWV-Sprecher Klaus Zürn der Verwaltung sekundiert und gesagt, in Dußlingen gäbe es Straßenzüge mit weitaus mehr Verkehr, der auch nicht von Anwohnern beanstandet werde.

Tobis und Kocher finden, dass es die reinen Zahlen im Verkehr nicht träfen: „Hier oben fahren Landmaschinen, hier wird auch Langholz transportiert“, so Tobis: „Es gibt Feierabendbauern und Leute, die über die Felder bis nach Ofterdingen und Bodelshausen fahren.“ Mit mehr Verkehr und weiterem Wachstum verlieren Dußlingen zudem auf Dauer seinen „dörflichen Charme“, ergänzt Rainer Kocher: „In den Diskussionen um ‚Dußlingen 2030‘ war mal von 6000 Einwohnern als Zielmarke die Rede“, so Kocher. „Das ist bereits jetzt erreicht, und wir marschieren stramm auf die 6500 zu.“

Die Verkehrslage in der Uffhofenstraße – aber nicht nur dort – sei der Gemeindeverwaltung durchaus bewusst und soll verbessert werden, sagt Bürgermeister Thomas Hölsch. In jüngerer Zeit hat die Gemeinde direkt dort per Brief an die Fahrzeughalter apppelliert, ihre Autos auf ihren Grundstücken zu parken. Das Feedback sei immerhin nicht negativ gewesen, so Hölsch. „Parkverbote an der Stelle wären in meinen Augen aber eine zu radikale Lösung“, sagt der Bürgermeister: „Außerdem wird das Problem
dadurch nur auf die Seitenstraßen verlagert.“

Für die zwei Baugebiets-Kritiker lenkt diese Argumentation eher vom Thema ab: „Wenn die Leute jetzt ihre Autos in ihren Vorgärten abstellen müssen, ist das auch keine Lösung“, findet Tobis: „Die bisherigen Anwohner haben wirklich kaum andere Möglichkeiten, als dort zu parken, wo sie gerade parken.“ Tobis und Kocher glauben nicht, dass es bei den von der Gemeindeverwaltung errechneten 90 Autos bleibt und glauben zudem, dass die für mehr Verdruss sorgen als von manchen angenommen.

Bis zum 11. September kann der Plan für Hofstatt noch im Rathaus eingesehen werden. Bis dahin ist auch für Bürger Zeit, Stellungnahmen zu dem Vorhaben abzugeben. Öffentlich waren es bislang nur Kocher und Tobis, die gegen die Pläne gearbeitet haben – von dem einen oder anderen Einwurf eines Gemeinderats abgesehen.

„Wir hätten uns auch mehr Entgegenkommen von der Gemeinde gewünscht“, sagt Manfred Tobis, Die Bürgerbeteiligung, die die beiden durch ihre Unterschriftensammlung ermöglichten, war ihnen zu wenig auf Dialog angelegt. „Wir hatten im Sommer 2016 zwar die Möglichkeit, unsere Einwände im Gemeinderat vorzutragen und es gab auch eine Diskussion“, so Rainer Kocher, „aber dann war die Sache erledigt und es gab für uns keine Möglichkeit mehr für eine längere Erwiderung.“

Auch Manfred Tobis hätte sich mehr Hin-und-Her gewünscht, wenn man schon den Einwohner-Antrag zulasse: „Hätten wir noch einmal die Möglichkeit gehabt, auf die Gegen-Argumente der Gemeinderäte einzugehen, dann wäre es okay gewesen“, so Tobis. „Dass irgendwann ein Knopf dran gemacht werden muss, ist klar. Aber so kamen wir uns einfach unerwünscht vor.“ Er und Mitstreiter Kocher würden die Lage auf jeden Fall weiterverfolgen.

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02.09.2017, 01:00 Uhr
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