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Möhringen lebt von vielen Unternehmen, das echte Leben aber spielt sich im Ortskern ab

Mehr Arbeitsplätze als Einwohner

Industriestandort, Verkehrsknoten, Vergnügungszentrum und jede Menge Filderkraut – Möhringen ist ein Stadtteil der Kontraste.

27.08.2016
  • BARBARA WOLLNY

Stuttgart. An Möhringen kommen alle vorbei – viele sogar mehrfach täglich. Quer durch den hochgelegenen südlichsten Stadtbezirk von Stuttgart verläuft die vierspurige, vielbefahrene B 27 nach Tübingen. Noch mehr Verkehr bringt die A 8 von Karlsruhe nach München. Schon im Vorbeifahren ist nicht zu übersehen, was sich an namhaften Unternehmen hier oben am Rande der Filderebene in der Nachbarschaft des Landesflughafens angesiedelt hat.

Kabel Lapp, Dekra, Züblin, das Stuttgarter Pressehaus, die SSB-Zentrale und die neue EnBW-City – das sind nur einige Namen von Firmen, die Möhringen aufgrund der verkehrsgünstigen Lage zu ihrem Standort gemacht haben. Der Bezirk zählt sogar mehr Arbeitsplätze als Einwohner: 33 000 Jobs stehen 31 000 Möhringer gegenüber. Als Symbol für Industriepower aus Baden-Württemberg schlechthin dreht sich weit sichtbar der Stern auf dem Hochhaus der Daimler-City. Dieser Industriecampus, den 1989 der damalige Konzernchef Edzard Reuter für 3000 Mitarbeiter errichten ließ, von seinem Nachfolger Schrempp respektlos als „Bullshit Castle“ bezeichnet, wurde inzwischen verkauft. Der Vorstand ist wieder beim Werk in Untertürkheim angesiedelt. Die Firma nutzt die Immobilie aber selbst zunächst weiter.

Schräg gegenüber werden Musical-Hits gespielt. Vor dem vor rund 20 Jahren fertiggestellten SI-Zentrum parken Autos und Busse aus der ganzen Region. Zwei Millionen Besucher pro Jahr amüsieren sich in zwei Musicaltheatern, der Spielbank, den Kinos und Gastronomiebetrieben oder planschen in den Schwabenquellen. Der anfängliche Protest gegen das SI-Centrum – die Bürger sorgten sich um Lärm und Verkehr – hat sich längst erledigt.

Von dem ganzen Trubel an den Stadträndern ist im historisch gewachsenen, beschaulichen Ortskern von Möhringen sowieso nicht viel zu spüren. Hier zeigen der historische Spitalhof, das Rathaus, laut einer alten Beschreibung „das schönste im Oberamtsbezirk“, und die Christuskirche, der neugotische sogenannte Filderdom, dass Möhringen auf eine lange Geschichte zurückblicken kann. Samstags sitzen die alten Möhringer an ihrem Stammtisch im Gasthof Adler. Insgesamt ist nur noch wenig alte Bausubstanz vorhanden. Möhringen wurde im Krieg stark zerstört. Die traditionellen Einzelhandelsgeschäfte in den kleineren Gebäuden rund um den Oberdorfplatz tragen jedoch zu einem gemütlichen Straßenbild bei.

Man trifft sich morgens beim Bäcker und Metzger, um fürs Mittagessen einzukaufen. „Am liebsten Maultaschen und Kartoffelsalat“, sagt Margarete Maier, 1941 in Möhringen geboren und nur zwei Jahre lang aus „ihrem Möhringen“ weg gewesen. „Man bekommt bei uns alles und muss nicht runter nach Stuttgart.“ Auch wenn man mit der 2010 eingeweihten Stadtbahn in rund 15 Minuten in der Innenstadt ist. „Das schönste an Möhringen ist für mich, dass wir oben auf der Höhe liegen und ein Frischluftgebiet sind.“

Schon als Kind hat Margarete Maier im Spitalhof Fangen und Verstecken gespielt. Heute kümmert sie sich um das kleine Heimatmuseum unterm Dach des Spitalhofs. Hier sind die Erzeugnisse der Ziegelfabrik am Probstsee ausgestellt. Alte Fotos zeigen, wie die Neoplan-Omnibusse der Möhringer Firma Auwärter aussahen und wie am Bahnhof Spitzkraut meterhoch in Waggons gestapelt wurde.

Neben einem regen Vereinsgeschehen existiert in der Fildergemeinde ein rühriges Kulturleben und ein großes ehrenamtliches Bürgerengagement. Das „Mehrgenerationenhaus“ ist eine der Plattformen. Es ist ein Netzwerk aus gemeinnützigen Organisationen, Privatleuten und dem Bezirksamt Möhringen. Vielfältige Aktionen sollen das Miteinander zwischen den Generationen, Alt- und Neubürgern sowie ausländischen Zuzüglern fördern. Eines der beliebtesten Projekte ist der Großeltern-Service. Wenn die eigenen Großeltern nicht mehr leben oder in der Nähe wohnen, führt der Leihservice interessierte Familien und Omas und Opas auf Zeit zusammen. Die Nachfrage ist groß. „Momentan werden wieder dringend Leihgroßeltern gesucht“, sagt Bezirksvorsteherin Evelyn Weis.

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27.08.2016, 06:00 Uhr
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