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Sein Auftritt ist ein Politikum: Der koreanische Regisseur Kim Ki-duk hat eine Schauspielerin geohrfeigt. Foto: Maurizio Gambarini/dpa




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20.02.2018

Von MAGDI ABOUL-KHEIR

Berlin. Ja, er bedaure den Vorfall. Nein, es tue ihm nicht leid. Aber doch, „wenn ich persönlich etwas falsch gemacht habe, werde ich dies bei meiner künftigen Arbeit bedenken“.

Da konnte und sollte man sich also einen Reim darauf machen, was der koreanische Regisseur Kim Ki-duk auf der Berlinale-Pressekonferenz sagte. Vielleicht war etwas durch die Simultanübersetzung auf der Strecke geblieben, allemal blieben Fragen im Raum. Was ist echtes Bedauern? Oder gar Reue?

Der Auftritt Kim Ki-duks in Berlin ist ein Politikum in den Tagen der #MeToo-Debatte. Der Regisseur war eingeladen worden, seinen neuen Film vorzustellen, obwohl eine Schauspielerin Vorwürfe gegen ihn erhoben hatte: Er habe sie zu nicht im Drehbuch enthaltenen Sexszenen gezwungen – wobei ein koreanisches Gericht den Vorwurf der sexuellen Nötigung mangels Beweisen zurückgewiesen hat. Er habe die Schauspieler geohrfeigt, das bedaure er. Dass die Sache vor Gericht gelandet sei, fand er aber ungut. Grundsätzlich hoffe er, dass die #MeToo-Debatte zu einem respektvolleren Umgang in der Branche führe. Und was seine eigenen teils drastischen Werke betrifft, appellierte Kim Ki-duk: „Verwechseln Sie mich nicht mit meinen Filmen.“

Kein Tag vergeht auf dieser Berlinale, ohne dass mannigfaltig über das Missbrauchsthema gesprochen wird. Das war nicht anders zu erwarten gewesen, so wie die Branche seit den erdrückenden Vorwürfen gegen den US-Filmmogul Harvey Weinstein aufgerüttelt erscheint; und natürlich ebenso, weil die Debatte durch die Causa Dieter Wedel nun auch in Deutschland einen prominenten Namen hat.

Aber sollte es einen schwarzen statt dem roten Teppich geben? Das wollten die Berlinale-Macher dann doch nicht. „Ich glaube, symbolische Dinge sind gut, aber wir wollen es mal mit der inhaltlichen Diskussion probieren“, sagte Berlinale-Direktor Dieter Kosslick dazu.

Was aber keinen davon abhält, auf just diesem roten Teppich jeden Schauspieler nach seiner Meinung zu #MeToo zu fragen. Man hat den Eindruck, dass mittlerweile tatsächlich alles gesagt wurde, und zwar von jedem. Aber verwässern die unzähligen Wortmeldungen nicht den Kern einer wichtigen Debatte?

Überkommene Rollenbilder

Immerhin: Ein Dutzend Berufs- und Branchenverbände in Film und Fernsehen wollen eine erste überbetriebliche Anlaufstelle für Betroffene sexualisierter Belästigung, Gewalt und Diskriminierung gründen. Es geht um Arbeitsbedingungen, um den lückenhaften Schutz von Frauen, wie Christine Lüders, Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, gestern in Berlin in einer Diskussionsrunde sagte. Und Familienministerin Katarina Barley (SPD) betonte, dass es „nicht um künstlerische Freiheit, Exzentrik und Kreativität geht, sondern um Straftaten, Gewalt, Bedrohung, Mobbing.“

„Kultur will Wandel“, war die Veranstaltung überschrieben, doch wenn die Aufbruchsstimmung tatsächlich Veränderung zeitigen soll, genügen Worte nicht. Man müsse die Machtstrukturen analysieren, in den Produktionsfirmen, den Sendern, an den Filmsets, sagte Barley. Ihr Ansatz lautet: Mehr Frauen in verantwortungsvolle Positionen. Damit unterstützt sie die Forderungen der Initiative Pro Quote Film, die Sender zu einem Frauenanteil von 50 Prozent verpflichten will.

Die aktuelle Berlinale-Jury sei mit drei Männern und drei Frau ausgewogen besetzt, lobte Barley. Aber ein Blick auf das Wettbewerbs-Programm zeigt, dass nur jeder vierte Film von einer Regisseurin ist.

Und was ist mit den Geschichten, die das Kino erzählt? Nun, was dieser Tage auf den Berlinale-Leinwänden in Sachen Geschlechterbildern geboten wird, ist nicht nur erhebend: von der Männerfantasie-Edelprostituierten, die Isabelle Huppert in „Eva“ verkörpert, bis zu ätherisch-männeranbetenden Schönheiten, die offenbar zum Dekor des russischen Films „Dovlatov“ gehören.

Die Film- und Fernsehbranche selbst könne überkommene Rollenbilder auflösen, sagt Barley. Sie selbst erinnert sich bis heute mit Schaudern an eine Filmszene, die sie als Jugendliche gesehen habe: Uschi Glas spielte eine Frau, die von ihrem Mann verlassen wird, in einem schlabbrigen Schlafanzug herumsitzt, worauf ihre Freundin kommentiert, „kein Wunder, so wie du aussiehst.“

Gestört wurde die „Kultur will Wandel“-Veranstaltung von einer Gruppe junger Rechtsextremer, die ein völkisches Frauenideal propagieren. Auch das ist eine Realität in den Zeiten von #MeToo: Manchen können die Geschlechterbilder gar nicht gestrig genug sein.

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Erstellt:
20. Februar 2018, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
20. Februar 2018, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 20. Februar 2018, 06:00 Uhr

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