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Kommentar zum Brexit-Chaos in der britischen Regierung

May als kleinstes Übel

Der Brexit ist nun reine Chefsache geworden. Sie hat zwar eine Regierungskrise am Hals, aber mit den Rücktritten der beiden Minister David Davis und Boris Johnson fällt Theresa May der Mühlstein vom Hals, der bislang die Verhandlungen mit Brüssel in ein schwarzes Loch zog.

10.07.2018
  • Hendrik Bebber

London. Nun wartet die britische Regierungschefin gespannt darauf, wie die EU auf das Papier reagiert, das sie diese Woche noch veröffentlichen will. Die Prognosen sind nicht gut, aber immerhin ist jetzt etwas auf dem Tisch, über das beide Seiten ernsthaft reden können. Davis‘ Gespräche mit dem EU-Chefunterhändler Michel Barnier betrugen dieses Jahr gerademal vier Stunden.

Wohl ein Vielfaches mehr muss Theresa May für die Überzeugungsarbeit in ihrer Fraktion aufbringen. Viele der „Brexitiers“ drohen bereits mit einem Wechsel des Parteivorsitzes. Doch May kann sich ziemlich sicher sein, dass sie eine innerparteiliche Vertrauensabstimmung gewinnen wird. Sie gilt bei den Konservativen als das kleinste gemeinsame Übel, und die Galionsfiguren der harten Brexit-Verfechter wie Jacob Rees-Mog und Boris Johnson wirken im Vergleich mit ihr wie Karikaturen.

Bis zum Austritt sind es gerade noch knapp neun Monate. Der englische Aphoristiker Dr. Johnson sagte im 18. Jahrhundert: „Nichts konzentriert mehr, als die Nachricht, dass man in Kürze gehängt wird.“ Die Tories, die nur mit Unterstützung von einem Dutzend nordirischer Protestanten eine Regierungsmehrheit haben, können sich einen vernichtenden Bruderkrieg nicht leisten. Und die Briten sind des Brexit-Chaos herzlich überdrüssig geworden. Sie wünschen sich lieber ein Ende mit Schrecken als einen Schrecken ohne Ende.

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10.07.2018, 06:00 Uhr
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