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Hirnforscher Nikos Logothetis beendet seine Arbeit mit Affen

Max-Planck-Direktor will nur noch Versuche mit Nagetieren machen

Der Hirnforscher Nikos Logothetis wird künftig keine Versuche mehr mit Primaten machen. Das hat der Direktor am Tübinger Max-Planck-Institut für Biologische Kybernetik in Wissenschaftskreisen verkündet.

01.05.2015

Von an / hz

Tübingen. Nach Abschluss der laufenden und bereits genehmigten Experimente an Affen werde er künftig ausschließlich an Nagetieren forschen. Über seine Gründe will Logothetis sich nicht öffentlich äußern.

Primaten, Protest und Politik: Die Tübinger Affenversuche
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Die Forschung an Primaten am Tübinger Max-Planck-Institut erregt die Gemüter. TAGBLATT-Online-Mitarbeiter Christian Kretschmer hat darüber einen Film gedreht - und mit Tierschützern, Forschern, Behördenvertretern und Politikern gesprochen.

© Christian Kretschmer 14:02 min

Die Max-Planck-Gesellschaft erklärte in einer Stellungnahme, sie bedaure diese Entscheidung. Tierexperimentelle Forschung an nicht-humanen Primaten sei nach wie vor der einzige Weg, um Behandlungsansätze zu entwickeln für neurologische Gehirnerkrankungen. Die Gesellschaft werde die Primatenforschung deshalb auch zukünftig fördern.

Die jetzt bereits genehmigten Affenexperimente der Abteilung von Nikos Logothetis in Tübingen werden bis mindestens Ende 2016 dauern. Ob und wie anschließend die Primatenforschung am Tübinger Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik weitergehen wird, daran wird derzeit konzeptionell gearbeitet. Die Tierställe, in denen gegenwärtig 45 Affen leben, werden derzeit saniert und teilweise neu gebaut.

Seit September 2014 ist die Primatenforschung am Tübinger Institut im Fokus von Tierschutzaktivisten. Seit der Ausstrahlung von anonym gefilmten Bildern bei "Stern TV" musste das Institut massiven Vorwürfen entgegengetreten. Mitarbeiter wurden persönlich und telefonisch beschimpft und erhielten Drohungen. "Die immer wieder aufkeimenden Anfeindungen, die Vielzahl an Drohmails und Beschimpfungen über die vergangenen Monate hinweg waren eine große Belastung für alle Beteiligten", so die Max-Planck-Gesellschaft.

"Mit Erleichterung" nahm die Landestierschutzbeauftragte Cornelie Jäger die Mitteilung zur Kenntnis, dass es am Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik in Tübingen keine neuen invasiven Tierversuche an Makaken mehr geben soll. "Selbstverständlich frage ich mich nun, welche Auswirkungen diese Entscheidung für andere Forschungseinrichtungen hat, die bislang sehr ähnliche Experimente durchführen", so Jäger. Wenn so renommierter Forscher wie Nikos Logothetis diese Experimente an Rhesusaffen für entbehrlich halten, stelle sich die Frage, ob nicht auch für andere vergleichbare Versuche die Notwendigkeit, so zu forschen, überhaupt noch besteht.

Die "Soko Tierschutz" schreibt auf ihrer Facebook-Seite von einem in der Geschichte der deutschen Tierversuchsgegner einzigartigen Erfolg und einer großen Niederlage für die Vivisektionsindustrie. Man wolle aber genau beobachten, was die MPI-Forscher nun tun und "wohin ihre Wege gehen". Auch wenn das Tübinger MPI nun aus dem Fokus rückt, kündigen die Tierschützer an, ihre Kampagne werde neue Ziele finden: "Das MPI in Frankrfurt, die Uni und das CIN in Tübingen sind Orte, die mehr Aufmerksamkeit verdienen."

Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) bedauerte am Samstag die Entscheidung Logothetis'. "Die Experimente, die Logothetis durchführt, sind absolute Weltspitze." Er halte die Entscheidung, die Affenversuche einzustellen, für einen "schweren Rückschlag für die Forschung", so Palmer gegenüber der DPA.

Stellungnahme der Max-Planck-Gesellschaft

Stellungnahme der Landestierschutzbeauftragten Cornelie Jäger

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Erstellt:
1. Mai 2015, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
1. Mai 2015, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 1. Mai 2015, 12:00 Uhr

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