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Die Monster aus seinem Innenleben

Max-Ernst-Museum zeigt Hollywood-Filmemacher Tim Burton als bildenden Künstler

Tim Burton hat in Hollywood düster-skurrile Filmwelten geschaffen. Das Max-Ernst-Museum präsentiert ihn nun als bildenden Künstler.

15.08.2015

Von CLAUDIA ROMETSCH, EPD

Brühl Normal ist hier gar nichts: Menschen mit überlangen Spindelbeinen, Gehirne mit Augen oder kleine Männchen mit riesigen Kugelköpfen bevölkern die Welt Tim Burtons. Kein Wunder: Das Wort "normal" habe ihm immer schon Angst gemacht, bekennt der Filmemacher.

So skurril, märchenhaft und unheimlich seine Filme wie "Batman" oder "Sleepy Hollow" sind, so ist auch sein künstlerisches Werk, das ab Sonntag im Max-Ernst-Museum zu sehen ist. Brühl ist die einzige Deutschland-Station der 630 Zeichnungen, Gemälde, Objekte und Filme. Dennoch zeigt die Ausstellung "The World of Tim Burton", die bis zum 3. Januar 2016 in Brühl bleibt, den US-Filmemacher von einer bislang eher unbekannten Seite. Die Entdeckung seines Werks als bildender Künstler begann erst 2010 mit einer Ausstellung im New Yorker Museum of Modern Art. Weitere Stationen waren Prag, Tokio und Osaka.

Und nun ausgerechnet Brühl? Es war der Name Max Ernst und Burtons Nähe zur surrealistischen Kunst, die den ihn davon überzeugten, seine Kunst ausgerechnet in der kleinen Stadt zwischen Köln und Bonn zu zeigen. Die Möglichkeit, seine Werke im Dialog mit Max Ernst zu präsentieren, sei das besondere Willkommensgeschenk an Burton gewesen, sagt Museumsdirektor Achim Sommer. Besonders stolz ist er auf Burtons Gegengeschenk: Der Künstler verewigte sich mit einer Zeichnung an der Wand eines Schwarzlichtraums, in dem die Besucher mit Taschenlampe einen dunklen Burton-Kosmos erkunden.

In seinen Zeichnungen verschränken sich Realität und Traum. Es sei das reine Gefühl, das ihn beim Zeichnen leite. Es scheint als erwecke er die Fantasiewesen aus seinem Unterbewusstsein auf dem Papier zum Leben. weiß Ausstellungskuratorin Jenny He. Die Schau bietet daher durchaus einen intimen Blick ins Innenleben des und Filmemachers. Er sei selbst erschrocken gewesen, als er die Schau gesehen habe, bekennt Burton. "Es ist etwa so, als öffnest du deinen Kleiderschrank und die Leute können deine schmutzige Wäsche sehen."

Die Besucher erhalten in der Tat einen einmaligen Einblick in Burtons Welt. Seine Charaktere entstehen oft lange bevor daraus ein Film wird. So etwa tauchen schon zehn Jahre vor "Edward mit den Scherenhänden" (1990) in Zeichnungen spindelige Wesen auf, die anstelle von Händen Schneidewerkzeuge haben. Es sind missverstandene Außenseiter, die Burton immer wieder anziehen. Er fühle eine Verbundenheit mit Menschen, die nicht in die Gesellschaft passen, sagt er.

Woher kommen diese skurrilen, auch unheimlichen Gestalten, diese Monster und Fratzen die seinem Kopf entspringen? Kunst habe damit zu tun, wie man sich als Kind gefühlt habe, erklärt Burton. "Das Gefühl der Isolation, des Alleinseins im eigenen Kopf ist etwas, das ich immer sehr stark empfunden habe." Burton selbst hält sich nicht für einen großen Künstler. "Die Zeichnungen sind Teil meines Arbeitsprozesses." Seine Filmideen entstehen als Zeichnung, oft auf einer Serviette oder Zeitung, wenn nichts anderes zur Hand ist.

Der Meister gibt sich die Ehre und eröffnet "The World of Tim Burton" im Max-Ernst-Museum . Foto: dpa

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Erstellt:
15. August 2015, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
15. August 2015, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 15. August 2015, 12:00 Uhr

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