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Im Südwesten bricht der Umsatz in diesem Jahr um 20 Prozent ein

Maschinenbau sucht Halt

Die Maschinenbauer im Südwesten stecken mitten im konjunkturellen Absturz. Die Aufträge halbierten sich im bisherigen Jahresverlauf beinahe. Der Umsatz wird 2009 um ein Fünftel einbrechen.

22.07.2009
  • NIKO FRANK

Die baden-württembergische Maschinenbau wird von der weltweiten Rezession so stark gebeutelt wie noch nie zuvor in einer Wirtschaftskrise. Von Januar bis Mai brachen die Bestellungen um 47 Prozent ein. Die Werkzeugmaschinenhersteller, die im Land stark vertreten sind, erleben gar einen freien Fall mit minus 70 Prozent. "Im Juni scheint es besser gelaufen zu sein. Wir hoffen jetzt, dass die Minusraten geringer werden - auch weil die Vergleichswerte des Vorjahres künftig nicht mehr so extrem hoch sind ", macht Ulrich P. Hermani, Geschäftsführer des VDMA-Landesverbandes, der Branche Mut, fügt allerdings hinzu: "Noch nie war die Unsicherheit so groß ". Der Bedarf sei zwar da, "aber so lange die Liquiditätssicherung das oberste Ziel der Unternehmen bleibt, ist es ausgesprochen schwierig einzuschätzen, wann die Konjunktur wieder anspringt. " Und auch Dr. Thomas Lindner, Landesvorsitzender des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), treibt die Sorge um, dass sich hinter günstigeren Auftragszahlen "nur eine Scheinblüte " verbergen könnte. Am meisten zuversichtlich stimmt die Maschinenbauer derzeit der chinesische Markt, der auch in der ersten Jahreshälfte mit plus 6 Prozent ein wachsendes Exportgeschäft verzeichnete. Hermani geht davon aus, dass das Reich der Mitte in nicht allzu ferner Zukunft die USA als wichtigsten Auslandsmarkt der Branche ablösen wird. Auch Indien entwickelt sich positiv. In den Rohstoffländern läuft es dagegen nicht mehr so rund, dabei bremsen vor allem in Russland Finanzierungsprobleme. Im Blick auf die klassischen Umsatz-Schwerpunkte gibt sich der VDMA dagegen ausgesprochen zurückhaltend. Für die USA hofft Lindner darauf, dass nach der jetzt schon länger anhaltenden Investitionszurückhaltung allmählich Ersatzinvestitionen fällig werden dürften. Und für das Inland setzt er darauf, dass die Kundschaft ihre Läger wieder füllen muss, die zuletzt radikal zurückgefahren wurden. Die Fabriken der rund 370 Betriebe mit etwa 180 000 Mitarbeitern, die an der jüngsten VDMA-Konjunkturumfrage teilnahmen, sind im Durchschnitt nur noch zu 72 Prozent ausgelastet. Die vorwiegend mittelständisch geprägte Branche wird dies nicht allzu lange durchhalten können. Obwohl die Kurzarbeit, in der momentan rund 50 000 Beschäftigte sind, für die Firmen von großer Bedeutung ist bei ihrem Bemühen, die qualifizierten Mitarbeiter zu halten. Lindner sieht hier seine Unternehmerkollegen vor einer "ganz schwierigen Abwägung ". Nach seiner Erfahrung setzen alle die Firmen auf Durchhalten, die damit rechnen, ihre Mitarbeiter nach der Krise wieder voll einsetzen zu können. Personalabbau dürfte es vornehmlich dort geben, wo man von einem dauerhaft geringeren Geschäftsvolumen ausgeht. Auch deshalb blickt der Chef des Albstadter Nadel-Spezialisten Groz-Beckert gespannt auf die EMO. Die wichtigste Messe der Werkzeugmaschinenbranche findet im Oktober in Mailand statt: "Sollte dort die Hoffnung auf Besserung enttäuscht werden, wird es Stellenabbau geben. " Bisher haben die Maschinenbauer zur Kapazitätsanpassung Überstunden abgebaut, die Zeitkonten ins Minus gefahren, sich von Zeitarbeitskräften getrennt und Stellen, die frei wurden, nicht wieder besetzt. Unterm Strich sind so im bisherigen Jahresverlauf 7000 Stellen weggefallen. Für das gesamte Jahr rechnet der VDMA im Land mit dem Verlust von weiteren10 000 Arbeitsplätzen. Damit wäre der größte Teil der 21 000 Arbeitsplätze wieder vernichtet, die in den zurückliegenden Boomjahren neu entstanden waren. Weitaus drastischer wird es beim Umsatz in diesem Jahr nach unten gehen. Statt der 63 Mrd. EUR, die die 273 000 Mitarbeiter der Branche 2008 umsetzten, rechnet Lindner nur noch mit 50,4 Mrd. EUR. Mit minus 20 Prozent würden die Maschinenbauer im Land weit heftiger zurückfallen als die Branche in Deutschand insgesamt, für die der VDMA einen Umsatzrückgang von 10 bis 20 Prozent erwartet. Hauptverantwortlich dafür ist die besonders hohe Auslandsorientierung im Land, die bei einem Exportvolumen von 42 Mrd. EUR zuletzt bei 66 Prozent lag.

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22.07.2009, 12:00 Uhr
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