Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Martin Suter tourt mit Liedermacher Eicher
Männerfreunde: Martin Suter (l.) und Stephan Eicher. ⇥Foto: Vera Hartmann/Live Nation/dpa
Lyrik und Kuhzitzen

Martin Suter tourt mit Liedermacher Eicher

Treffen sich zwei und werden Strahler. Also Kristall- und Mineraliensucher, so heißt das in der Schweiz. Wenn einer der beiden der Schweizer Erfolgautor Martin Suter und der andere der Liedermacher Stephan Eicher ist, dann zündet dabei ein höchst kreatives Feuerwerk.

10.07.2018
  • DPA

Zürich. Zürich (dpa) - Daraus entsteht dann etwas wie das „Songbook“, ein skurriles, witziges, anrührendes Buch mit Liedern und Texten, das die beiden als Bühnenschau ab September in Deutschland präsentieren.

Für Suter-Fans vielleicht neu: Der Schöpfer von Bestsellern wie „Elefant“ und „Der Koch“ und der Krimiserie „Allmen“ schreibt seit Jahren Liedtexte. Die zarte Poesie der vorgestellten Songs stammt von ihm. Und Suter spielt auf der Bühne Mundharmonika. „Er ist kein Vivaldi“, sagt Eicher am Rande eines Tourneeauftritts in Zürich trocken zu Suters Musikkünsten. „Pure Emotion, eher ein Paganini.“

Aber der Martin Suter mit den Designeranzügen als Kristallsucher? Der coole Chansonnier Eicher zum Training in einer Kletterhalle, wie es in einer anderen Geschichte heißt? Die biografischen Episoden, die Suter zwischen die Lieder gedichtet hat und von denen sich die Künstler vermeintlich inspirieren ließen, sind genau das: Dichtung, frei erfunden, räumt Suter gleich in der Einleitung ein.

So skurril ist das Leben von allein halt nicht. Die Sutersche Version der Männerfreundschaft sprüht vor Witz. Kostproben: Neben den waghalsigen Strahler-Touren und sinnstiftenden Wanderungen experimentieren Suter und Eicher auch auf dem Gebiet der kreativen Küche. Das Resultat: Die Weiterentwicklung des Toast Hawaii zum Toast Bora-Bora: „mit einer Scheibe Mango statt Ananas und gerösteten Kokosflocken.“

Ihres sei „eine Freundschaft von zwei Männern mit einer großen Gemeinsamkeit: Beide verstehen die Welt nicht.“ Das Wort „Männerfreundschaft“ mögen die beiden nicht. Doch dann beschreiben sie ihre lange Beziehung fast zärtlich: „„Ich freue mich immer auf die Zeit mit Martin, er fehlt mir manchmal auch“, sagt Eicher. „Der Stephan ist einer der da ist, wenn man ihn braucht, das ist nicht allgemein so bei Männerfreundschaften“, sagt Suter.

Seine lyrische Seite zeigt Suter auch in den Songtexten. Es geht um Liebe, Sehnsucht, Genügsamkeit: „Nebel auf dem See/Reife in den Bäum'/Raben auf dem Feld/Du in meinen Träum'.“ Dass das nicht in schmalzige Traurigkeit abdriftet, dafür sorgen Eicher - manchmal mit spontanen Tanzeinlagen - und Suter selbst, der auf der Bühne seine höchst amüsanten Texte selbst vorträgt. Ein Lied mit dem Titel „(Dreht sich) Nur um Dich“ wird mit einer Portion Höhenangst in der Kletterhalle eingeleitet, „Nimm mich wie ich bin“ mit einem besoffenen Schluchzer, der Suter und Eicher in einer Bar belästigt.

Die Songs gab es zuerst, den neuen Kontext hat Suter später dazu geschrieben. „Das ist ja das Spannende, dieselbe Geschichte, aber aus einem Winkel, den es vorher gar nicht gab in meiner Vorstellung“, sagt Eicher. „Das ist doch ein Traum, neue Winkel zu zeigen.“

Suter liest seine Texte auf Hochdeutsch, Eicher singt aber Schweizerdeutsch, Berner Variante. Im Original heißt die Nebelpassage „Näbel uf em See/Riife-n-i de Böim/Rabe-n-uf em Fäld/Du i mine Tröim.“ Damit das für deutsche Fans keine Verständnishürde wird, soll es auf deutschen Bühnen Untertitel geben. Suter sieht es gelassen. „Wir haben seinerzeit bei der Kölschrockband BAP auch erstmal nichts verstanden“, sagt er. Sie könnten für das deutsche Programm auch extra Songs auf Hochdeutsch schreiben, „vielleicht ein Männerfreundschafts-Medley“, flachst Eicher.

Suter, der als eleganter Wortschmied in seinen Romanen und Krimis ein Millionenpublikum gewonnen hat, ist ein begeisterter Poet. Reime und strenges Versmaß schätzt er. „Dann übernimmt das Gedicht das Zepter, man kann nicht mehr alles sagen, es muss sich ja reimen. Das reduziert die Dinge, die man sagen kann“, sagt er. Diebischen Spaß hat er bei Reimen wie dem über Kühe und Bauern: „Meistens bleiben ein paar sitzen .... und erzählen von entzündeten Zitzen.“ Ihm und Eicher gelingt das Kunststück, dass selbst so etwas nicht platt wirkt.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

10.07.2018, 06:00 Uhr
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden

Newsletter-bestellen

· Samstags verschicken wir die News der Woche, unser Klassiker: Die wichtigsten Themen und Geschichten direkt im E-Mail-Postfach. So bleiben Sie auch in der Ferne immer informiert, was in und rund um Tübingen passiert.
· Werktags versenden wir um 9 Uhr die News am Morgen mit den wichtigsten aktuellen Nachrichten.
· Sonntagabend kommt unser Sport-Newsletter mit den wichtigsten Lokalsport-Berichten und Ergebnissen vom Wochenende.

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder sich neu als Benutzer registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter (nur falls Sie weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese) verwendet. Ihre Daten werden nicht an andere Unternehmen weitergegeben.
Nachrichten via Messenger
Die wichtigsten Neuigkeiten aus der Region liefern wir Ihnen auch per WhatsApp & Co. aufs Smartphone. Um diesen Service zu nutzen, öffnen Sie tagblatt.de/whatsapp bitte mit einem entsprechenden Mobilgerät.
Heute meistgelesenNeueste Artikel

Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T?bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Das Tagblatt bei
Facebook Google+ Twitter Instagram
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesen
Wirtschaft im Profil
Neueste Artikel
Anzeige

Themen-Dossiers

Themen-Dossiers
Single des Tages
date-click
Das Tagblatt als E-Paper

Kontakt zum Kundenservice

Abonnement
07071/934-222
vertrieb@tagblatt.de

Anzeigen
07071/934-444
anzeigen@tagblatt.de

Kontakt zu den Redaktionen

Schwäbisches Tagblatt Tübingen
07071/934-0
redaktion@tagblatt.de

Neckar-Chronik Horb
07451/9009-30
nc@neckar-chronik.de

Tagblatt Online         
07071/934-314
online@tagblatt.de

Steinlach-Bote Mössingen
07473/9507-0
sb@tagblatt.de

Rottenburger Post
07472/1606-16
ro@tagblatt.de

Reutlinger Blatt
07121/3259-50
rt@tagblatt.de

Tagblatt Anzeiger
07071/934-344
tagblatt-anzeiger@tagblatt.de

Wirtschaft im Profil
07071/934-166
wip@tagblatt.de


Oder nutzen Sie unser Kontaktformular