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Neu an der Tübinger Uni

Martin Gebauer, Prof. für Bürgerliches Recht und Rechtsvergleichung

Der neu berufene W 3-Professor an der Juristischen Fakultät befasst sich insbesondere mit Fällen, in denen die Rechtssysteme mehrerer Staaten aufeinander treffen. „Wenn eine deutsche Firma einen Kaufvertrag mit einer amerikanischen Firma abschließt, oder wenn eine Französin einen Deutschen heiratet“, nennt der 45-jährige Martin Gebauer zwei Beispiele.

21.09.2009

In solchen Fällen gehe es zunächst darum, zu entscheiden, welches nationale Recht jeweils angewendet wird. Bei Eheverträgen oder Scheidungen könne die gemeinsame Staatsangehörigkeit entscheiden.Hat ein Paar darauf verzichtet, dürfte „der gemeinsame Aufenthaltsschwerpunkt“ als Anhaltspunkt dienen.

In der Europäischen Union ist laut Gebauer inzwischen einheitlich geregelt, „wann sich ein deutsches Gericht überhaupt für zuständig erklären darf“. Oder in welchen Zusammenhängen die Entscheidung eines ausländischen Gerichts anzuerkennen sei. „Es gibt aber immer eine Notbremse“, so Gebauer.

Ausgeprägt nationalstaatlich gefasst sei das europäische Recht erst seit der Aufklärung, sagt Gebauer. Zuvor galt über Jahrhunderte das Römische Recht, und Latein war die Sprache der abendländischen Juristen. Die Zukunft könnte erneut eine einheitlichere Rechtskultur bringen, samt einer gemeinsamen Sprache: Englisch. „Europäische Gesetzgebung wird in den nächsten Jahren das Internationale Privat- und Verfahrensrecht der Mitgliedstaaten revolutionieren und auch das deutsche Bürgerliche Recht in seinen Kerngebieten prägen“, so Gebauer. Ein gesamteuropäisches Zivilgesetzbuch werde aber noch eine Weile auf sich warten lassen, vermutet der Jurist.

Das deutsche Recht lasse sich nur mit großen Abstrichen in einer anderen Sprache erläutern, gab er zu bedenken. Eine entsprechende Übersetzung hiesiger Gesetzesbestimmungen könne Unschärfen und Bedeutungsverschiebungen mit sich bringen. Man könne die allmähliche Angleichung der nationalen Rechtssysteme als Verlust kultureller Vielfalt auffassen. Andererseits seien einschneidende Unterschiede etwa beim Verbraucherrecht ein Hemmnis für den EU-Binnenmarkt.

Die zwischenstaatliche Annäherung des Rechts beschränkt sich laut Gebauer nicht auf Europa. Auch China beginne, sich am europäischen und amerikanischen Recht zu orientieren. Die Volksrepublik habe „das deutsche Sachenrecht“ übernommen. Danach werde das private Eigentum dem staatlichen gleichgestellt. Ob das buchstabengetreu umgesetzt werde, sei eine andere Frage.

Gebauer lehrte zuletzt an der Europa-Uni Viadrina in Frankfurt/Oder. In Stuttgart aufgewachsen, studierte er in Tübingen und Ferrara. Zur Promotion ging er nach Heidelberg. „Grundfragen der Europäisierung des Privatrechts“ beschäftigten ihn schon als Thema seiner Dissertation 1996.

dhe / Bild: Mozer

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21.09.2009, 12:00 Uhr
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