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Deutsche lebte 365 Tage mit fünf Kollegen unter Extrembedingungen – „Reise ist machbar“

Marsmensch für ein Jahr

Endlich wieder Erdenluft! Sechs Forscher hatten 365 Tage lang in einer Station auf Hawaii gelebt, als wären sie auf dem Mars. Gestern Morgen war Schluss.

30.08.2016
  • DPA

Honolulu. Ein Jahr lang haben die 30-jährige deutsche Wissenschaftlerin Christiane Heinicke und fünf Kollegen wie auf dem Mars gelebt. Am Montagmorgen europäischer Zeit ist das entbehrungsreiche Experiment am Hang des Vulkans Mauna Loa auf Hawaii zu Ende gegangen, die drei Frauen und Männer traten aus ihrem kleinen Domizil in 2500 Metern Höhe in die karge Lavalandschaft.

Es war der erste Schritt aus dem Haus ohne einen Raumanzug. Den hatten sie 365 Tage lang jedes Mal tragen müssen, wenn sie ins Freie gingen.

Begrüßt wurde das internationale Team von zahlreichen Kollegen mit dem Zuruf: „Willkommen zurück auf der Erde!“ Nach einer Reihe von Umarmungen gab es erst einmal etwas Frisches zu essen, vor allem Früchte, Salat und Gemüse, worauf sich Geophysikerin Heinicke aus Sachsen-Anhalt nach der Konservenzeit besonders gefreut hatte.

In dem gemeinsamen Projekt der Universität Hawaii und der US-Weltraumbehörde Nasa hatte die kleine Gruppe von Forschern getestet, wie man unter widrigen Bedingungen für lange Zeit auf engem Raum zusammenleben kann. Denn sollten ferne Pläne verschiedener Raumfahrtnationen für einen Besuch auf dem Mars eines Tages Wirklichkeit werden, könnte allein die Reise dorthin bis zu ein Jahr dauern. Dazu noch ein Aufenthalt, der mehrere Monate dauern könnte.

Jeder Wissenschaftler hatte in der Vulkan-Isolation auch spezielle Forschungsaufgaben. Heinicke etwa war für die Wassergewinnung aus Lavagestein zuständig.

Es habe sich gezeigt, dass es möglich sei: „Man kann wirklich Wasser aus dem Boden bekommen, der trocken zu sein scheint“, sagte sie. „Es würde auf dem Mars funktionieren.“

Künftigen Crews rät die Forscherin vor allem eines: „Bringt etwas Sinnvolles mit, woran ihr arbeiten könnt. Einer eurer größten Feinde ist Langeweile.“ Außerdem müssten Teilnehmer bereit und in der Lage sein, sich auf die anderen einzustellen. „Wenn ihr dazu nicht fähig seid, solltet ihr nicht dabei sein.“

Heinicke selbst würde eigenen Worten zufolge auch zum „wirklichen“ Mars reisen, wenn sie die Gelegenheit hätte. Aber nur dann, „wenn die Technik ausgereift ist, die richtigen Menschen dabei sind und es einen Rückflug zur Erde gibt“, wie sie bereits vor Ende des Experiments verriet.

Zunächst einmal hat sie sich als Astronautin bei einer privaten Initiative beworben, die die erste deutsche Frau auf die Internationale Raumstation ISS bringen will.

Der französische Astrobiologe Cyprien Verseux äußerte sich in einem über den Online-Kurzmitteilungsdienst Twitter verbreiteten Interview „aufgeregt“ darüber, endlich wieder an der frischen Luft zu sein und nach zwölf Monaten mit Konservennahrung wieder frisches Essen verzehren zu können. Auch er sagte, die größte Herausforderung bei dem Mars-Experiment sei die Monotonie gewesen.

Die Crew-Mitglieder hatten in der Kuppel ohne Jahreszeiten gelebt und hatten das Forschungslabor nur gelegentlich in Raumanzügen zu kleinen Ausflügen an die „Mars-Oberfläche“ verlassen. „Eine Mission zum Mars ist realistisch“, sagte Verseux. Die technischen und psychologischen Probleme seien überwindbar.

Die Nasa ist bislang nur zu unbemannten Mars-Missionen in der Lage. Eine Mars-Sonde an ihr Ziel zu bringen, dauert etwa acht Monate – auf der Internationalen Raumstation ISS verbringen die Raumfahrer üblicherweise nur sechs Monate.

Auf einer bemannten Mars-Mission, die die Nasa für die 2030er Jahre anvisiert, könnte sich die Reisedauer allerdings auf ein bis drei Jahre verlängern. Die Astronauten hätten in all dieser Zeit keinen Zugang zu frischer Luft, frischen Lebensmitteln und müssten weitgehend auf Privatsphäre verzichten.

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30.08.2016, 06:00 Uhr
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