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Platt machen? Goldrichtig!

Marktplatz auf dem Merz-Areal wird begrüßt

Ende April rückten die Bagger auf dem Merz-Areal an, um das markante, aber marode Fabrikgebäude abzureißen. Ein neuer Marktplatz soll entstehen. Das TAGBLATT ging auf Stimmenfang.

16.05.2012

Von Amancay Kappeller

Mössingen. Es wird noch einige Tage dauern, bis auf dem 1,8 Hektar großen ehemaligen Grasshoppers-Gelände kein Bauschutt mehr liegt. Die Stadt macht derzeit ein Konzept, die Pläne sollen bis Herbst fertig sein. Ein Marktplatz soll entstehen: die neue Mössinger Mitte.

Nicht wenige Mössingerinnen und Mössinger verfolgen die derzeitigen Abbrucharbeiten mit großem Interesse. Beobachten vom Bauzaun aus fasziniert, wie der große Bagger Stein um Stein abträgt und den Schutt nach Materialart sortiert – Steine, Eisen und Holz türmen sich zu Haufen.

Walter Hain studiert das „Grasshoppers-Geschehen“ mit persönlicher Anteilnahme: 23 Jahre hatte der Pensionär in diesem Gebäude für die Textilfirma gearbeitet. „Etwas komisch“ ist es für den 77-Jährigen zu sehen, wie der Industriebau fällt. Der Bästenhardter findet es aber auch „gut, dass was passiert“. Einen neuen Marktplatz kann sich der Rentner an dem Standort durchaus vorstellen.

Karl-Heinz Ott betreibt gegenüber in der Berggasse seit etwa zehn Jahren eine Weinhandlung. Von seinem Laden aus hat er freie Sicht auf das, was auf dem Merz-Areal passiert. Den Abriss des alten Fabrikgebäudes begrüßt Ott: Er ist froh, dass „das Ding“ vor seiner Nase weg ist. Der Geschäftsmann fände es toll, wenn ein Marktplatz käme. „Da gehört Leben rein in die Stadtmitte“, findet Ott, der vor 25 Jahren aus Marbach nach Mössingen zog. Für seinen Laden erhofft er sich Laufkundschaft.

Was ihm allerdings fehlt, ist ein Konzept, welches nach und nach zielstrebig umgesetzt wird: „Man sieht nicht, dass durchgängig etwas passiert.“ Alte Gebäude wie das alte Kinderhaus – bei dem noch nicht feststeht, ob und wie es in Zukunft genutzt wird – könne man „ja auch integrieren“. Der Verkehr in der Innenstadt, inklusive Falltorstraße, müsse ebenfalls geändert werden: Eine Beruhigung hält Ott für sinnvoll. Dadurch würde der Standort sowohl für Geschäftsleute als auch für Einkäufer attraktiver. Ott: „Ich hoffe einfach, dass auf dem Grasshoppers-Gelände jetzt etwas Positives entsteht.“

Die Vorstellung von einem Marktplatz um Merz-Areal und Bahnhofstraße gefällt auch Erhard Mindner. Bisher habe Mössingen schließlich „gar keine Mitte“. Dem alten Grasshoppers-Gebäude mit der eigenwilligen Architektur trauert Mindner nicht nach; „historisch wertvoll“ sei der Bau ja auch nicht gewesen. Geräumt wurde die Gewerbebrache bereits im Mai 2008; bis Anfang 2011 war hier noch der Regionalverband untergebracht.

Odilia Birkenmaier arbeitet im Reformhaus an der Ecke Grabenstraße/Berggasse. Ohne das alte Bauwerk sei alles „viel heller und freundlicher“, findet sie. Geeignet findet Birkenmaier den Standort auch für ein Rathaus – idealerweise „mit Dachterrasse und Café“. Enttäuscht ist die Geschäftsfrau davon, dass die Grünanlagen rund um Grabenstraße, Berggasse und Bahnhofstraße zunehmend weniger gepflegt würden: „Das Eck ist total vernachlässigt, aber es nennt sich Stadtmitte“.

Der neue Marktplatz als Mössinger Mittelpunkt: Dieser Plan sagt auch Karl-Heinz Härle zu. „Dann gäbe es endlich mal ein Zentrum, wenn sie es dementsprechend gestalten“, findet der Mössinger. Helga Sauermann sieht das ähnlich: Die Rentnerin, die in der Stadtmitte wohnt, fände es gut, wenn der „Grasshoppers-Platz“ als Marktplatz gestaltet würde – zumal der bisherige improvisierte Marktplatz, der Parkplatz an der Ecke Bahnhofstraße/Falltorstraße, doch recht eng sei. Und: „Wenn Markt ist, fallen die Parkplätze weg.“ Den Abriss des alten Grasshoppers-Gebäudes bedauert Sauermann nicht. Das sei ohnehin „sehr heruntergekommen“ gewesen. In der Stadtmitte habe ein Fabrikgebäude sowieso „eher nix verloren“.

Dagmar Gauger betreibt seit Ende vergangenen Jahres einen Geschenk- und Wohnaccessoire-Laden in der Falltorstraße. Dass das Gebäude am Eck gefallen ist, findet sie gut. Die Belsenerin hofft auf ein „grünes Areal“ – und darauf, dass dadurch etwas mehr „städtisches Flair“ Einzug hält. Schade fände Gauger es allerdings, wenn dort wieder „alles zugebaut“ würde.

„Platt machen war in dem Fall goldrichtig“, urteilt auch Stefan Buck. Das „garstige Grasshoppers-Gebäude“ habe das Stadtbild immer gestört. „Alles, was jetzt kommt, ist besser als das, was war“, so Buck. Maria Boll erinnert sich gut an die Zeiten, in denen das Grasshoppers-Unternehmen florierte: Damals war man stolz auf Trainingsanzüge made in Mössingen. Das sei aber nun einmal mittlerweile Geschichte: „?s isch eben höchste Zeit für ebbes Neues.“

Die Reste der alten Textilfabrik Merz, früher ob ihrer Sportmarke „Grasshoppers“ bundesweit bekannt, wurden in den letzten Tagen abgerissen.

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Erstellt:
16. Mai 2012, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
16. Mai 2012, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 16. Mai 2012, 12:00 Uhr

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