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Häuptling Super-Mario

Mario Blessing lebt den Collegetraum in den USA

Er läuft vor 14 000 Zuschauern auf, fliegt quer durch die USA und wird auf der Straße angesprochen: Mario Blessing spielt seit Sommer 2011 für das Team der Universität von South Carolina (USA) Basketball. Der 20-Jährige gilt als eines der größten deutschen Talente, manche sehen ihn bald in der Rolle von Pascal Roller.

21.01.2012
  • Ibrahim Naber

Tübingen. Als Mario Blessing 13 Jahre alt war, musste er sich entscheiden: Fußball oder Basketball? Es ist keine Frage des größeren Talents, sondern vielmehr eine Frage des Herzens. Denn egal ob mit Händen oder Füßen – der Ball und Blessing sind schon damals sehr gute Freunde. Aus einer durchschnittlichen Fußballmannschaft ragt er beim TSV Mähringen in der Jugend immer wieder heraus. Ein wenig eigensinnig ist er auf dem Feld, aber eben auch verdammt talentiert. Auch im Basketball. Vor dem Haus in Mähringen steht noch immer der Korb, auf dem Blessing schon früh seinen großen Brüdern nacheiferte. Doch erst 2004 meldet sich der damals 12-Jährige in der Basketballabteilung des SV 03 Tübingen an. Eine Weile versucht er noch, beide Sportarten unter einen Hut zu bringen. Doch das ist nicht zu schaffen. Blessing entscheidet sich – für den Basketball und gegen den Fußball.

Nun, gut sieben Jahre später, ist Mario Blessing angekommen. Angekommen in den USA, im Mutterland des Basketballs. Genauer gesagt in Spartanburg, dem 250 000-Einwohner-County im US-Bundesstaat South Carolina. Seit dem vergangenen Sommer spielt er im Collegeteam der Upstate Spartans, der Basketballmannschaft der Universität von South Carolina, an der er Business Management studiert. Wenn Blessing, der Junge aus dem 1000-Einwohner-Dorf Mähringen, anfängt, über seine neue Welt an der US-Ostküste zu erzählen, schwingt Begeisterung mit: „Ich fühle mich mittlerweile sehr wohl hier. Das ist das, was ich immer haben wollte.“

Der Collegesport in den USA spielt sich in Dimensionen ab, die für europäische Verhältnisse unvorstellbar sind. Blessing und sein Team spielen zwar in der höchsten US-Collegeliga, doch als Profiteam gelten sie offiziell nicht. Eigentlich. Denn die Strukturen sind hoch professionell. Fünf Trainer betreuen das Team, eine riesige Halle samt Kraftraum, Spa-Bereich und Players Lounge bildet die Infrastruktur. Da Blessing ein Stipendium besitzt, zahlt das College seine hohen Studiengebühren, die Miete und die Verpflegung. Nur Bargeld dürfen die Spieler laut den Regularien nicht erhalten: „Es wird hier extrem viel Geld in den Sport reingepumpt, aber es kommt am Ende auch wieder extrem viel dabei raus“, erklärt Blessing.

Vor allem durch das Fernsehen. Woche für Woche läuft Blessing in riesigen Arenen auf, in Ohio hat er 2011 vor 14 000 Leuten gespielt. Die besten Spiele seiner Collegeliga strahlt der größte US-Sportsender ESPN aus. Millionen von Amerikanern schauen manchmal zu, wie Blessing das Spiel seiner Mannschaft dirigiert: „Die Aufmerksamkeit ist unglaublich. Jeder kennt dich, alle wissen was über dich. Nicht nur am College. Ich werde auf der Straße von Leuten angesprochen, die mich im Fernsehen gesehen haben.“

Es läuft gut für die Upstate Spartans in diesem Jahr. Aufgrund der vielen Neuzugänge, der sogenannten Freshman, wurde das Team zu Beginn der Saison weit unten eingestuft. Doch nun, nach 19 Spielen, stehen schon zehn Siege zu Buche. Auch dank Mario Blessing.

Der 20-Jährige Aufbauspieler gehört seit dem zweiten Spiel zur Starting Five, bekommt mit am meisten Einsatzzeit von allen Spielern. Er gehört selten zu den Topscorern seines Teams, sondern glänzt durch seine ganz spezielle Spielweise. Mit seinen 1,85 Meter ist Blessing, den sie am College „Super-Mario“ nennen, für einen Basketballer ungewöhnlich klein. Selbst für einen Point Guard. Doch auf dem Court führt er trotzdem lautstark Regie. Er gibt den Spielrhythmus vor, verteilt die Bälle klug. Das kann er, wie kaum ein Anderer: „Das Spiel zu organisieren, die Energie auf meine Mitspieler zu übertragen – das ist mein Spiel. Für die Highlights sorgen andere“, sagt Blessing. Manuel Pasios, Jugendkoordinator der Basketballabteilung des SV 03 Tübingen, sagt: „Mario ist ein Aufbauspieler, wie ihn sich jeder Trainer wünscht. Er ist ein Anführer, er reißt das Team mit.“ Vier Jahre kann Blessing insgesamt für das College spielen.

Blessing will von Sommer zu Sommer entscheiden, wie es weitergeht. Bis 2013 bleibt er wohl sicher. Und danach? „Natürlich träume ich von einer Profikarriere in den USA. Aber ich weiß nicht, ob das realistisch ist“, erklärt Blessing und ergänzt: „Ich will mit dem Basketball mein Geld verdienen. Egal wo.“ Pasios traut dem U 20-Nationalspieler den ganz großen Sprung zu: „Vom Gefühl her wird er so einer wie Pascal Roller.“ Der spielte in der BBL, war Nationalspieler – und ist sogar nur 1, 80 Meter groß.

Mario Blessing lebt den Collegetraum in den USA
In bis zu 15000 Zuschauer fassenden Stadien spielt der einstige Mähringer Mario Blessing groß auf. Fürs Team der University of South Carolina trägt er den Ball vor – zur vollsten Zufriedenheit seines Trainers und seiner Mitspieler.Bild:UpstateSpartans

Mario Blessing, der am 10. Januar 20 Jahre alt wurde, spielte mehr als drei Jahre in der Jugend des SV 03 Tübingen Basketball. Es folgte der Wechsel auf die Basketballakademie in Urspring, wo Blessing von 2007-2011 mehrere nationale Titel in der Jugend gewann. Mit der deutschen U 16- und U 18-Nationalmannschaft hat Blessing bei zwei Europameisterschaften teilgenommen. Auch Frank Menz, der Trainer der U 20-Auswahl, baut bei der nächsten EM im Sommer wieder auf Anführer Blessing. hip

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21.01.2012, 12:00 Uhr
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