Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Da ist das Ding: Der verschwundene Hahn ist wieder da!

Manfred Thiel aus Belsen zog den gestohlenen Turm-Hahn aus einem Straßengraben

Manfred Thiel aus Belsen traute seinen Augen kaum. Gerade noch hatten die Thiels beim Frühstück die Bilder vom gestohlenen Kirchturm-Hahn im TAGBLATT herumgereicht und gejuxt, was man mit den Fahndungsfotos nun anfangen könnte.

14.06.2018

Von Eike Freese

Der Mössinger Turm-Hahn ist wieder da!
kostenpflichtiger Inhalt

Unbekannte Frevler hatten am Wochenende den Hahn von der Mössinger Peter- und Paulskirche gestohlen. Nun ist er wieder da: Im Video berichtet der Finder Manfred Thiel, wie er auf das Diebesgut stieß. Video: Klaus Franke und Jonas Bleeser

© ST 01:44 min

Und nun radelte der 68-Jährige auf dem Rückweg von der Physiotherapie auf dem Ernwiesen-Verbindungssträßle – und sah den Gockel im Straßengraben. „Ich hab ihn sofort erkannt, die Bilder waren ja noch ganz frisch vor meinem Auge“, sagt der ehemalige Lehrer vom Tübinger Wildermuth-Gymnasium.

Thiel hievte die hohe und überraschend schwere Figur aus dem Morast und radelte mit ihr zunächst mal nach Hause. „Das war ein merkwürdiges Gefühl, mit so einem Metallhahn durch die Straßen zu fahren, den jeder sofort als Diebesgut erkennt.“ Passanten schauten rüber, Stadtwerke-Arbeiter erkannten den Blechgockel sofort. „Vorsorglich habe ich laut gerufen ‚Der Hahn ist wieder da!‘“, grinst Thiel, „damit die Passanten wissen: Ich bin der Finder und nicht der Dieb.“

Übers ganze Gesicht strahlte Pfarrer Joachim Rieger, als er den Metallhahn am Vormittag wieder entgegennehmen konnte. „Das Wiederfinden ist genauso unglaublich wie der Diebstahl“, lacht Rieger: „Wir freuen uns riesig! Ich hatte vorsorglich schon im Internet nach einem Ersatz-Hahn geschaut.“ Die Bauarbeiten am Kirchturmdach gehen derzeit nämlich auf ihr Ende zu – und vor Abschluss des Ganzen hätte ein Hahn auf die Spitze gemusst.

Neben solchen Fragen und neben dem Rätsel um einen möglichen Versicherungsschutz beschäftigte Rieger in den vergangenen Tagen ein Haufen Presse-Arbeit: Nach dem Bericht im TAGBLATT am Mittwoch riefen nicht nur weitere Lokalzeitungen an, auch das Radio und das SWR-Fernsehen waren da. „Die Geschichte hat ganz schön weite Kreise gezogen“, sagt Rieger.

Ihn hat das gefreut: Eine Theorie ist nämlich, dass der Täter durch die Berichte und Fotos gemerkt hat, dass er an seiner Beute künftig vermutlich extrem wenig Freude haben wird, wenn er sie behält. Die andere Theorie ist schlicht, dass übermütige Hasardeure den Hahn direkt nach ihrer Kletter-Tour auf den 40 Meter hohen Kirchturm weggeworfen haben – weil sie es in dieser Nacht eh nur auf das Adrenalin abgesehen hatten.

Trotz des glücklichen Endes ist die Kirchengemeinde nun vorsichtig geworden, was ihre Kunstschätze angeht. Auch die Kirchturm-Kugel vom Dachreiter hatte Pfarrer Rieger ja sofort am Montag in Sicherheit gebracht, als der Hahn von den Gerüst-Kletterern gestohlen worden war. Trittbrettfahrer will Pfarrer Rieger nun auch beim Hahn nicht ausschließen. „Wenn das Dach fertig und der Hahn behandelt ist“, so der Pfarrer, „wissen wir genau, was wir tun: Hahn aufs Dach – Leitern und Gerüste weg – fertig!“

Hahn-Finder Manfred Thiel indes bekam viel Lob und zunächst mal, zum Dank, das historische Buch über die Peter- und Paulskirche in die Hand gedrückt. „Freut mich, wenn ich helfen konnte“, lachte der Finder am Ende, „so als Katholik.“

„Die Rückkehr des verlorenen Hahns“ ist ein gleichnishaftes Märchen aus dem Mössingen der Gegenwart. Hauptpersonen sind Manfred Thiel, Hahn-Finder aus Belsen (links), und Joachim Rieger, Pfarrer der Peter- und Paulskirche. In der Mitte: der Gockel. Das Einschussloch an seinem Bauch war übrigens schon vorher da. Bild: Franke

Herausputzen, analysieren – dann wieder aufs Dach

Zum allerersten Mal überhaupt konnte Pfarrer Joachim Rieger den Hahn am Donnerstag aus der Nähe in Augenschein nehmen: „Überraschend schwer“, sagte er, als er die Figur in Händen wog. Bislang ist wenig über den Hahn bekannt. Er wurde 1937 als Nachfolger des alten Hahns auf dem Dach monitiert. „Auf jeden Fall ein Einzelstück“, mutmaßt Rieger. Er will nun die Gelegenheit des abmontierten Hahns nutzen, um mehr über ihn herauszufinden.

Zum Artikel

Erstellt:
14. Juni 2018, 15:00 Uhr
Aktualisiert:
14. Juni 2018, 15:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 14. Juni 2018, 15:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen?
Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung.
Das Tagblatt bei Whatsapp & Co.
Wir liefern die wichtigsten Neuigkeiten aus der Region immer aktuell aufs Smartphone: per Whatsapp & Co.

Um diesen Service zu nutzen, öffnen Sie tagblatt.de/whatsapp  mit einem entsprechenden Mobilgerät.

Newsletter

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder als Benutzer kostenlos neu registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter verwendet - nur falls Sie auch weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese.
Das Tagblatt in den Sozialen Netzen

Faceboook      Instagram      Twitter           Google+      Google+      Google+