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Das Heimatmuseum zeigt Bilder des Meisterfotografen

Manfred Grohe über den Wolken und unter den Leuten

Zum 75. Geburtstag von Manfred Grohe gibt das Heimatmuseum Reutlingen erstmals einen Einblick in dessen fotografisches Werk: „Über den Wolken – unter den Leuten“ heißt die Ausstellung in Anspielung auf Grohes Tätigkeit als Luftbild- und Pressefotograf.

23.06.2013

Von Uschi Kurz

Reutlingen. Bei der nächsten Grohe-Ausstellung, versprach der Leiter des Heimatmuseums, Werner Ströbele, werde man in die Stadthalle ausweichen. In Erwartung des Publikumsansturms war die Eröffnung vorsorglich vom Heimatmuseum in die Volkshochschule verlegt worden – doch auch hier fanden nicht alle Gäste Platz. Weit über 300 Besucher hatten sich angemeldet, mehr als jemals zuvor bei einer Vernissage, wie Martina Schröder, die die Ausstellung konzipiert hat, staunend vermerkte. Freunde, Kollegen, Politiker – alle waren sie gekommen, um „Mannes“ Ausstellung zu sehen.

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Albtrauf

Antarktis

Calcutta

Donautal Schloss Werenwag

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Ernst Bloch

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Golfplatz St. Leon-Rot

Güllengrafik

Kirchgang in Hirrlingen 1960

Mondexpedition

Monsterblitz Kirchentellinsfurt

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Solaranlage Winterlingen

Zollernalb

Zug bei Engstingen

Der Liedermacher und Weggefährte Grohes (auch im Kampf gegen Stuttgart 21), Thomas Felder sorgte mit seinen Liedern „Der alte Weg“, „So domm“ und „D?r Engel uff?m Turm“ für einen trefflichen musikalischen Rahmen; der ehemalige TAGBLATT-Kollege und Freund Wolfgang Alber für eine tiefsinnige Einführung in das vielschichtige Werk des „Lichtbildners und Fotojournalisten“, dem es wie kein zweiter gelingt, „magische Momente“ einzufangen. Ein Bild sage tatsächlich mehr als tausend Wort, betonte Alber, aber dazu müsse man die Bildersprache lesen und interpretieren könne: „Grohe hilft uns dabei, er erzählt Geschichten hinter der Geschichte, lässt uns hinter die Kulissen und Masken blicken“.

Alber näherte sich der Grohe-Schau in mehreren Schritten, ging zunächst auf die Zeitungsfotos ein von denen viele zu „Ikonen“ geworden seien, wie beispielsweise das Porträt des Philosophen Ernst Bloch. Skizzierte dann die Laufbahn des Meisterfotografen, der bei Foto Dohm in Reutlingen eine Lehre machte und als 15-jähriger sein erstes Bild im SCHWÄBISCHEN TAGBLATT veröffentliche – das Honorar betrug 7.50 Mark. Die Aufträge, die Grohe während der Ausbildung zu erledigen hatte, umfassten Freud wie Leid – sie reichten vom Verlobungs- bis zum Totenbild. Bei Dohm lernt Grohe seine spätere Frau Gundel kennen, die ebenfalls eine Ausbildung zur Fotografin macht. Und noch bevor er seine Meisterprüfung absolviert und sich selbstständig macht, zieht es ihn hinaus: Er heuert als Bordfotograf auf einem Auswandererschiff an. Die Faszination der Ferne wird ihn fortan begleiten.

Manfred Grohe bei der Bilderauswahl im Reutlinger Heimatmuseum.

Den „moment décisif“ (so nannte ihn „Magnum-Fotograf Henri Cartier-Bresson), den entscheidenden Moment zu erwischen – auch im Zeitdruck der Zeitungsfotografie, das sei Grohe stets in meisterhafter Manier gelungen. Und er wird zum engagierten Zeitzeugen, „der seinen Teil zum kollektiven Gedächtnis beiträgt“. Jüngstes Beispiel: der S-21-Kahlschlag vor dem Stuttgarter Hauptbahnhof und der „Schwarze Donnerstag“. Neben der Chronistenpflicht des Pressefotografen stehe die Kür des Luftbildfotografen, kam Alber abschließend auf das Genre zu sprechen, das Grohe bekannt gemacht hat.

Normalerweise sei bei der Konzeption einer Ausstellung die Herausforderung, die richtigen Exponate zu finden, berichtete Martina Schröder sodann, bei Grohes umfassenden Werk habe die Herausforderung aber in der „Qual der Auswahl“ bestanden. Man hätte, meinte die Kuratorin, problemlos mehrere Ausstellungen bestücken können. Aus einem Bilderschatz von rund 250.000 Arbeiten wählte sie aus, ordnete und entschied sich schließlich, die Luftaufnahmen zum Schwerpunkt der Ausstellung zu machen.

Zum 75. Geburtstag des Luftbild- und Pressefotografen Manfred Grohe zeigt das Heimatmuseum erstmals dessen fotografisches Werk: „Über den Wolken – unter den Leuten“, wobei der Schwerpunkt auf den faszinierenden Luftbildaufnahmen liegt. „Ein typischer Grohe“, diesen Satz vernahm man gestern bei der Ausstellungseröffnung des öfteren, und viele Gäste beschlossen angesichts des großen Andrangs, die Schau später noch einmal in Ruhe zu besuchen.

„Das ist Heimatkunde von oben“, zeigte sich Schröder fasziniert von den stimmungsvoll in Szene gesetzten Bildern, die nie nur reines Abbild seien, wie sie betonte, sondern immer mit dokumentarischem Anspruch. Grohe halte fest wie der Mensch die Erde „benutzt, umnutzt und manchmal eben auch ?vernutzt?“. Eigens für die Schau in Reutlingen sei Manfred Grohe im Frühjahr in die Luft gegangen: Er lieferte – quasi als Auftragsarbeit – aktuelle Luftaufnahmen von Reutlingen und der Scheibengipfelbaustelle.

Bevor der vielfach Geehrte, der so ungern im Rampenlicht steht, noch kurz selbst das Wort ergriff und sich bei allen an der Ausstellung Beteiligten bedankte, kündigte Schröder noch einen Überraschungsgast an – einen jener Piloten mit denen Grohe seit Jahrzehnten zusammenarbeitet. Erwin Gamerdinger beglückwünschte Grohe in ergreifenden Worten zu der Schau, stellvertretend für die ganze Pilotenriege: „Wir haben unendliche Freude empfunden beim Anblick unserer Heimat und fremder Länder.“ Ein Teil dessen, was bei diesen Flügen zum Bild geworden ist, durften die Gäste danach im Heimatmuseum betrachten.

Die Ausstellung „Über den Wolken – unter den Leuten“ ist bis zum 15. September im Reutlinger Heimatmuseum zu sehen. Gezeigt werden 200 Aufnahmen aus den 60er Jahren bis zur Gegenwart. Eine Wand ist Grohes Arbeit als Pressefotograf gewidmet: 40 Schwarz-Weiß-Fotografien und eine aktuelle Farbaufnahme einer Montagsdemo gegen Stuttgart 21. Dokumente der Zeitgeschichte: Hier hängen Kalbfell, Oechsle neben Kiesinger, Brandt und Kohl. Mittendrin das berühmte Porträt mit Pfeife des Philosophen Ernst Block. Aber auch Unfallaufnahmen oder der große Brand bei Gummi-Reiff.
Den Schwerpunkt der Schau bilden Grohes spektakuläre Luftbilder: Reutlingen, die Schwäbische Alb, die Ferne. Darunter Ansichten, die sich dem Betrachter nur von oben erschließen, beispielsweise der Blick in eine Gefängnis-Anlage. Auf anderen Bilder werden grafische Formen zur Land-Art. Dokumentiert wird auch Grohes Leidenschaft für ferne Länder. Und im Treppenhaus läuft ein Film über Reutlingen, den Grohe einst für die Stadt gedreht hat. Das Heimatmuseum zeigt Bilder des Meisterfotografen: Manfred Grohe über den Wolken und unter den Leuten 23.06.2013 Die 200 schönsten Bilder von Manfred Grohe: Luftbild-Fotograf zeigt das Ländle aus ungewohnter Perspektive 21.06.2013 Meisterfotograf Manfred Grohe hat auch einen Film gedreht: Mehr als 200 seiner Aufnahmen sind im Heimatmuseum zu sehen 20.06.2013 Manfred Grohe: Ohrfeige macht Weg zum Fotografen frei 20.06.2013 Manfred Grohe wird 75: Der weltläufige Fotoflieger von nebenan 07.05.2013

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Erstellt:
23. Juni 2013, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
23. Juni 2013, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 23. Juni 2013, 12:00 Uhr

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