Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Manche Museumsaufsichten geben bereitwillig Auskunft, andere dürfen das gar nicht
Museumsaufseher Hans Koberstein im Deutschen Museum in der Abteilung für historische Luftfahrt. Foto: dpa
Aufpasser oder Aufklärer?

Manche Museumsaufsichten geben bereitwillig Auskunft, andere dürfen das gar nicht

Sie wissen den Weg zum Klo, aber oft hätten sie viel mehr zu erzählen. Welche Rolle eine Aufsicht spielt, entscheiden die Museen sehr unterschiedlich.

25.08.2016
  • MARCO KREFTING, DPA

München. Strenger Blick, das kann Hans Koberstein nicht so richtig. Manchmal aber muss er etwas lauter rufen, um die Besucher im Deutschen Museum in München von Ausstellungsstücken fernzuhalten. „Das reicht meistens“, sagt der 66-Jährige und grinst. Koberstein arbeitet als Aufsicht in der Luftfahrt-Abteilung. Der Flugzeugmechaniker und Berufspilot wollte nicht mehr dauernd unterwegs sein, und im Deutschen Museum suchten sie Aufsichtspersonal mit Fachwissen – das kam wie gerufen. Er zog nach München und begann 2009 mit der Arbeit. „Jetzt habe ich einen Job, bei dem ich weiß, wann es losgeht und wann Feierabend ist.“

Schon vor der Öffnung um 9 Uhr fährt Koberstein die Computer für den Flugsimulator hoch und wischt Handabdrücke ab. Dann hält er Führungen, erklärt Details vom Flügelschlag bis zu modernster Technik. Interessierte Gäste hat er am liebsten. „Die häufigsten Fragen sind aber: Wo ist das Klo? Wo ist der Ausgang?“ Fragen, über die Aufsichten in anderen Museen gar nicht hinaus dürfen oder können. So trennen die Pinakotheken in München streng zwischen Aufsichtspersonal, das für die Sicherheit der Kunstwerke zuständig ist, und Kunstvermittlern. Auch in den städtischen Museen in München soll das Wachpersonal keine inhaltlichen Fragen beantworten.

Anders geht das Thema das Jüdische Museum in Berlin an. Dort dürfen die „Hosts“ auf Besucher zugehen. Die Mitarbeiter könnten zwar nicht zu einzelnen Ausstellungen etwas sagen, erklärt eine Sprecherin. Sie könnten aber allgemeine historische Auskünfte geben oder über die Besonderheiten des Baus von Daniel Libeskind erzählen. Im Museum Folkwang in Essen darf das Aufsichtspersonal über einzelne Werke Auskunft geben. Dafür bekämen Mitarbeiter Einführungen in Ausstellungen, heißt es.

Aufklären statt aufpassen – ein Trend? Die Geschäftsführerin des Deutschen Museumsbunds, Anja Schaluschke, sagt: „Die Anforderungen an die Aufsicht sind ganz unterschiedlich.“ Manche Museen wollten nicht, dass das Aufsichtspersonal sich äußert. „Da ist die Hauspolitik: Die Deutungshoheit liegt bei den Kuratoren.“ Andersrum machten kleine Heimat- und volksgeschichtliche Museen einen Großteil der Museumslandschaft aus. Dort arbeiteten oft Ehrenamtliche, die per se auch Auskunft über die Exponate geben könnten, sagt Schaluschke.

Getrieben vom Kostendruck vergeben immer mehr Häuser Aufsichten an Sicherheitsfirmen. „Die überwachen alles Mögliche: Atomkraftwerke, Bahnhöfe – aber haben keine Expertise im Bereich Museum“, kritisiert Berthold Schmitt, der Schulungen für Museumspersonal anbietet. Diese bräuchten auch museumseigene Aufsichten, weil sich das Publikum verändert habe. „Der mündige Bürger interessiert sich, fragt freier.“

Der Hinweis „Rasen betreten verboten“ reiche nicht mehr. Entscheidend sei die Zusatzinfo, dass dort seltene Gräser wachsen. „Der Besucher will Erklärungen“, sagt Schmitt. „Zwischen ,Wo ist das Klo?‘ und ,Wann starb Michelangelo?‘ gibt es viele Fragen.“

Als Beispiel nennt er die Frage, warum es in Museumsräumen manchmal dunkel und stickig ist. „Wenn sie keine Ahnung hat, wirkt die Aufsicht doof. Das führt zu Konflikten.“ Die Aufsicht sollte die Schwächen des Hauses kennen und wissen, was sie etwa tun muss, wenn ein Rollstuhlfahrer auf eine Treppe zusteuere.

Hans Koberstein erklärt den kleinen Gästen im Deutschen Museum geduldig, dass nur Fachleute in den Flugsimulator dürfen, sein Lieblingsstück, an dem er auch den Aufsichtennachwuchs ausbildet. Obwohl er als Pilot vom Fach ist, musste er sich für den neuen Job im Museum einiges an Wissen aneignen. Und ab und zu profitiert er auch von Fragen, auf die er erstmal keine Antwort hat: „Das regt an nachzuforschen.“

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

25.08.2016, 06:00 Uhr
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden

Newsletter-bestellen

· Samstags verschicken wir die News der Woche, unser Klassiker: Die wichtigsten Themen und Geschichten direkt im E-Mail-Postfach. So bleiben Sie auch in der Ferne immer informiert, was in und rund um Tübingen passiert.
· Werktags versenden wir um 9 Uhr die News am Morgen mit den wichtigsten aktuellen Nachrichten.
· Sonntagabend kommt unser Sport-Newsletter mit den wichtigsten Lokalsport-Berichten und Ergebnissen vom Wochenende.

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder sich neu als Benutzer registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter (nur falls Sie weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese) verwendet. Ihre Daten werden nicht an andere Unternehmen weitergegeben.
Nachrichten via Messenger
Die wichtigsten Neuigkeiten aus der Region liefern wir Ihnen auch per WhatsApp & Co. aufs Smartphone. Um diesen Service zu nutzen, öffnen Sie tagblatt.de/whatsapp bitte mit einem entsprechenden Mobilgerät.
Heute meistgelesenNeueste Artikel

Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T?bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Das Tagblatt bei
Facebook Google+ Twitter Instagram
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesen
Wirtschaft im Profil
Neueste Artikel
Anzeige

Themen-Dossiers

Themen-Dossiers
Single des Tages
date-click
Das Tagblatt als E-Paper

Kontakt zum Kundenservice

Abonnement
07071/934-222
vertrieb@tagblatt.de

Anzeigen
07071/934-444
anzeigen@tagblatt.de

Kontakt zu den Redaktionen

Schwäbisches Tagblatt Tübingen
07071/934-0
redaktion@tagblatt.de

Neckar-Chronik Horb
07451/9009-30
nc@neckar-chronik.de

Tagblatt Online         
07071/934-314
online@tagblatt.de

Steinlach-Bote Mössingen
07473/9507-0
sb@tagblatt.de

Rottenburger Post
07472/1606-16
ro@tagblatt.de

Reutlinger Blatt
07121/3259-50
rt@tagblatt.de

Tagblatt Anzeiger
07071/934-344
tagblatt-anzeiger@tagblatt.de

Wirtschaft im Profil
07071/934-166
wip@tagblatt.de


Oder nutzen Sie unser Kontaktformular