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Karriere um jeden Preis

Manche C-Promis verdienen gutes Geld und leisten nichts

Sie erobern die Medien wie Maden den Speck: C-Promis haben wieder Hochkonjunktur dank Trash-TV wie dem morgen endenden Dschungelcamp oder dem Bachelor. Manche leben offenbar gut davon.

31.01.2014
  • SVEN KAUFMANN

Berlin Jürgen Milski brachte es im Sommer 2013 in der "Welt" auf den Punkt: "Ich bin C-Promi und stehe dazu. Man kann verdammt viel Kohle in diesem Job verdienen."

Milski - war das nicht . . . ? Ja, genau: Der ehemalige Feinblechner bei Ford dominierte im Jahr 2000 zusammen mit Proll-Kumpel Zlatko Trpkovski die erste Staffel der damals noch skandalösen RTL-Voyeur-Show "Big Brother". Der 50-Jährige zählt zum Urgestein einer sich zunehmend ausbreitenden Gattung in der Medienlandschaft - dem "C-Prominenten".

Er ist einer der wenigen, die sich in der Branche halten konnten und gut davon leben. Der kumpelhafte Typ schnitt im Container als Zweiter ab, jobbte später als DJ, Partysänger auf Mallorca und Moderator beim inzwischen eingestellten Trashsender 9Live. Milski hat sich als Sänger etabliert.

Aber was sind eigentlich C-Promis? Für den Berliner Medienexperten Prof. Jo Groebel sind sie Menschen, die "nicht durch besondere Meriten (Verdienste) wie Musik- oder Show-Acts oder Politik zu Prominenz" kommen. "Sie sind vielmehr Prominente, weil sie prominent sind." Sie seien Staffage. "Sozusagen das Salz in der Suppe des so genannten glamourösen Lebens."

Bewunderte Vertreter sind die Geissens, jenes schräge Kölner Millionärspaar, das mit seiner gleichnamigen Jetset-Dokusoap bei RTL 2 zeigte, wie toll es ist, in St. Tropez, Monaco und Kitzbühel massig Geld zu verprassen. Der SÜDWEST PRESSE erklärten sie ihre Popularität einmal damit, dass sie "ein interessantes Leben haben da unten an der Côte dAzur", und weil ihre Sendung "so authentisch" sei.

Leider haben die meisten C-Promi-Anwärter keine Millionen auf dem Konto, dafür aber meist den eisernen Willen, diese möglichst einfach, schnell und ohne Talent zu verdienen. Das Ziel: Fett leben für lau. Sie nutzen soziale Netzwerke, den Boulevard und das Trash-TV als Geburtshelfer für die Karriere und wagen - meist als ehemalige Teilnehmer von Casting- oder Kuppelshows - den nächsten Schritt im Dschungelcamp.

So sind unter den Kandidaten der morgen endenden Staffel Ex-Topmodel-Kandidatin Larissa Marolt (21), Ex-Bachelor-Teilnehmerin und Ex-Pornostar Melanie Müller (25) oder Ex-DSDS-Kandidat Marco Angelini (29). Der ist Doppel-Ex, weil schon wieder draußen. Das Camp ist laut Groebel eine Verwertungsmaschine und ein Filter und Verstärker von Prominenz.

Qualifikationen braucht ein Aspirant wenige, um sich als Z-Promi - dem Bodensatz der Szene - für den Aufstieg ins Gespräch zu bringen. Zlatko & Milski ließen sich einst Monate lang von einem Millionenpublikum im Big-Brother-Container begaffen. Eine geistfreie, aber ansonsten herkulische Leistung im Vergleich zu aktuellen Vertretern der Gattung: Heute reicht eine schnelle Zwei-Wochen-Nummer im Camp oder in der Bikini-Kuppelshow "Der Bachelor", um den Einstieg ins Business zu schaffen.

Das gelang auch Paul Janke (32), der dem "Spiegel" mal gestanden hat, dass seine Zeit als Bachelor die schönste seines Lebens gewesen sei. Heute wird er für Diskotheken, Messen und Ballermann-Partys gebucht. Seine Aufgaben dort - wie bei vielen C-Promis: Autogramme geben, nett sein, sich fotografieren lassen. Kurz: Ein Publikum anlocken, das auch furchtbar gern C-Promi wäre. Das kommt dem Traum von Fett leben für lau nahe und bringt Kohle satt - oder?

Über das Einkommen der C-Promis wird in "Bild" und Blättern wie "InTouch" viel spekuliert. Von der Ex-Arzthelferin und Ex-"Topmodel"-Kandidatin Gina-Lisa Lohfink (28) hieß es, sie verlange bis zu 4000 Euro pro Partyabend, Paul Janke 3000 Euro. Und Milski als Schlagersänger? 5000 Euro - pro Stunde.

Fragt sich nur, wie lange der Geld-für-lau-Segen anhält. Szenekenner Milski betonte, dass es für die dauerhafte C-Karriere eines gewissen Intelligenzquotienten und einer "gesunden Einstellung zur Branche" bedürfe.

Zumindest die zweite Voraussetzung erfüllen viele Aspiranten locker - sie haben nämlich keine und machen bedenkenlos jeden Mist mit: Maden futtern, über Kollegen lästern, öffentlich knutschen oder - besser - Sex mit anderen C-Promi-Anwärtern haben, im Genre-Jargon "Züngeln" und "Sexeln" genannt. Hilfreich auch: Busen "blitzen", sprich bei öffentlichen Auftritten im richtigen Moment zufällig eine Brust aus dem Kleid fallen lassen.

Sex zieht eh immer. Auf diese Karte setzte Ex-"Queensberry"-Sängerin Gabby Rinne (24), die sich schon im Vorfeld des aktuellen Camps nackt im "Playboy" und später in "Bild" räkelte mit den sündigen Worten: "Der Fotograf war der erste Mann, der mich nackt gesehen hat, ohne dass ich Sex mit ihm hatte." Geholfen hats nicht, auch sie ist schon wieder eine Ex-Dschungel-Maus.

Die Queen der C-Sex-Schiene aber ist Nackedei Micaela Schäfer (31). Die Ex-"Topmodel"-Kandidatin machte sich im Dschungel als "Camp-Nacktschnecke" einen Namen und legt heute als DJane - oft nackt - für angeblich 3500 Euro den Abend Platten auf oder macht schlüpfrige Werbung für einen Elektronikversand - angeblich für 15 000 Euro. Dazu kommen TV-Engagements und Moderationen auf Sex-Messen. Kürzlich hatte sie sogar einen Auftritt bei der Berliner Fashion Week in - logo - volltransparenter Brautrobe. Ende Februar ist sie in Dresden fürs "Nacktrodeln" des Radiosenders R.SA gebucht.

Die Dame mit den OP-Narben unter den Ballon-Brüsten ist auf dem Weg, die deutsche Katie Price zu werden. Die gelernte pharmazeutisch-kaufmännische Angestellte ist aber auch eine der hart arbeitenden Kandidatinnen der Zunft und zeigt, dass es sich als erfolgreicher C-Promi gut leben lässt, einem die Kohle aber nicht in den Schoß fällt.

Ob sie damit so dauerhaft erfolgreich sein kann wie Milski seit nunmehr 14 Jahren? Jo Groebel zufolge eher nicht. Er sieht Schäfer - wie alle C-Promis - in der Tradition der Starlets der 60er und 70er Jahre.

Es gehe bei Promis immer darum, einen Unique Selling Point (USP) zu definieren. Dieses "Alleinstellungsmerkmal" bestehe bei Micaela Schäfer aus ihrem Busen, den sie als erotisches Signal provokant präsentiere. Diese Skandalisierung nutze sich jedoch ab, Schäfer sei relativ eindimensional unterwegs: "Das verbrennt recht schnell", meint Groebel. Anders Verona Pooth, bekannt durch Sprüche wie "Da werden Sie geholfen". Sie habe ihre vermeintlichen Unfähigkeiten stilisiert und damit viel Erfolg gehabt. Zudem sei sie geschäftstüchtig gewesen, so Groebel.

Aber das Geschäft ist schnelllebig, Groebel spricht von der Dynamik zwischen A-, B- und C-Prominenz: Natürlich können selbst "Z-Promis" aufsteigen und ihren Preis für Auftritte durch Veranstaltungen wie dem Dschungel steigern: Larissa etwa - aktuell Vorzeige-Zicke im Dschungel - war vergangene Woche eine heiße Anwärterin auf einen Platz in "Mörtel" Lugners Luder-Loge beim Wiener Opernball. Doch dann zog der steinreiche Bauuntermehmer zurück: Larissa war ihm zu teuer.

So schwer der Aufstieg zum C-, B- oder gar in die Königsklasse "internationaler A-Promi" ist, so leicht ist der Abstieg in allen Klassen. Lästerer sagen, die Chancen stehen gut, dass wir dereinst erleben dürfen, wie der dreifache Wimbledonsieger Boris Becker wieder seine berühmte Siegerfaust zeigt - nachdem er im Dschungelcamp eine Madendusche überlebt hat.

Beste Voraussetzungen bringt das Ex-Sportidol nach diversen Eskapaden in den Klatschspalten mit. Zuletzt das peinliche "Twitter-Duell" mit Komiker Oliver Pocher. Am Ende gab er sich in Pochers Gameshow mit Schleife auf dem Kopf und Fliegenklatschen an den Ohren der Lächerlichkeit preis.

Damit brächte Becker auch eine jener Eigenschaften mit, die laut Jo Groebel eine wesentliche Voraussetzungen für den C-Promi sind: Eine hohe Bereitschaft, keine Rücksicht auf Peinlichkeiten und Skandale zu nehmen.

Endspurt Im RTL-Dschungelcamp geht es morgen Abend (22.15 Uhr) ums Ganze. Gegen Mitternacht wird der „König“ oder die „Königin des Dschungels 2014“ gekürt. Die größten Chancen wurden zuletzt Model Larissa Marolt (21) eingeräumt. Aber auch Ex-„Bachelor“-Kandidatin Melanie Müller (25) ist Anwärterin auf die Eintrittskarte in die C-Promi-Welt. Das Zuschauer-Interesse an der Show ist ungebrochen. Das Ausscheiden des Sängers Marco Angelini (29) am späten Mittwochabend verfolgten mehr als 8 Millionen Zuschauer.

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31.01.2014, 12:00 Uhr
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