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Michael Gabel über Discounter

Man gönnt sich was

06.04.2018

Von MICHAEL GABEL

Berlin. Was ist nur aus den Discountern geworden? Bei Aldi gibt es inzwischen Märkte mit breiten Fluren, hellem Licht und Champagner für 22 Euro. Lidl baut ebenfalls seine Läden um und zielt mit der Produktlinie „Deluxe“ auf ein zahlungskräftiges Publikum. Beide Ketten reagieren auf einen Trend: Die Deutschen geben wieder mehr Geld für Nahrungsmittel aus. 13,8 Prozent ihres Einkommens waren es im vergangenen Jahr, 0,5 Prozentpunkte mehr als noch vor fünf Jahren. Früher herrschte eine „Geiz ist geil“-Mentalität vor. Heute lautet ein Werbespruch von Lidl: „Mehr fühlen, weniger denken.“ Die kalte Rationalität, so sieht es aus, hat beim Einkauf ausgedient. Man gönnt sich was.

Grund dafür, dass der Geldbeutel beim Lebensmittelkauf lockerer sitzt, ist der wirtschaftliche Aufschwung. Er lässt die Reallöhne wieder steigen und hat die Arbeitslosigkeit im Vergleich zu 2005 halbiert. Zwar gibt es in Deutschland immer noch viele Geringverdiener und Jobsuchende, die sich nur das Nötigste leisten können. Doch es wächst eben auch der Wohlstand – was die Statistik entscheidend prägt.

Dass sich der Großteil der Deutschen vom „Hauptsache billig“-Denken abwendet, bringt gleich mehrere Vorteile mit sich. Vor allem bekommen Lebensmittel endlich wieder den Stellenwert, der ihnen zusteht. Dass Essen mehr ist als Nahrungsaufnahme, erleben wir bei Besuchen in Frankreich, Italien oder Spanien. Frische Produkte wie Salat, Gemüse und Fleisch oder Fisch aus der Region gehören dort zu fast jeder Mahlzeit. An diese Einstellung knüpft in Deutschland die Slow-Food-Bewegung an – als Alternative zu Fast Food. Dass solches Essen dann ein bisschen mehr kostet als der Burger bei McDonald's, liegt auf der Hand.

Von der veränderten Haltung profitiert aber auch die Umwelt. Denn regional bedeutet, lange Transportwege fallen weg. Und saisonal heißt, dass beispielsweise keine Tiefkühlprodukte gegessen werden, für deren Bereithalten viel Energie verbraucht wird. Darüber hinaus haben nach den anderen Lebensmittelmärkten auch die Discounter gemerkt, dass die Kunden beim Fleischkonsum wählerischer werden. Sie achten mehr darauf, wie die Tiere gehalten werden, deren Fleisch sie verzehren. Deshalb bieten Aldi und Lidl Bio-Ware an. Und sie kennzeichnen ihre Produkte aus der konventionellen Landwirtschaft inzwischen so, dass daraus hervorgeht, wie viel Platz den Tieren in ihren Ställen zugestanden wird und ob sie gelegentlich auf die Wiese gelassen werden. Auch das sind wichtige Informationen für jeden Verbraucher, der sein Essen guten Gewissens genießen will.

Nur dürfen die Discounter nicht den Fehler machen, ihre weniger zahlungskräftige Stammkundschaft zu vernachlässigen – etwa indem man Basisprodukte nach und nach durch Luxusartikel ersetzt. Die Gefahr ist jedoch gering. Denn egal, welche Trends gerade vorherrschen – auch mit günstigen Standardprodukten vom Mehl bis zum Dosenbier lässt sich noch viel Geld verdienen.

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Erstellt:
6. April 2018, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
6. April 2018, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 6. April 2018, 06:00 Uhr

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