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Mal eben erfrischend anders
Will nicht die Juke-Box seiner eigenen Vergangenheit sein: Robert Plant, der auf dem Meersburger Schlossplatz gastierte. Foto: Imago
Robert Plant & The Sensational Space Shifters auf dem Meersburger Schlossplatz

Mal eben erfrischend anders

Er ist der Inbegriff des Rocksängers: Robert Plant. In Meersburg gab er das einzige Deutschlandkonzert in diesem Jahr. Und der Mann überzeugte.

04.08.2016
  • HELMUT PUSCH

Meersburg. Er war der Sänger von Led Zeppelin. Und das war nicht irgendeine Band. Das Quartett um Frontmann Robert Plant und Gitarrist Jimmy Page hat den Hardrock mit erfunden, war höchst stilbildend. Von ihnen stammen einige der stärksten Rockriffs, die jemals geschrieben wurden. Kein Gitarrist, der sich nicht schon mal an „Black Dog“ versucht hat. „Whole Lotta Love“, diese Orgie aus wuchtigem Rock, dem Gestöhne Plants und den aggressiven Snare-Breaks John Bonhams gehört zu den Ikonen des Rock. In diesem Song führte Robert Plant exemplarisch vor, dass ein Sänger nicht nur den Text transportiert, sondern eine ganze Menge mehr: akustische sexuelle Anmache, aber auch wie man seine Stimme als Instrument einsetzt. Seine Bühnenpräsenz, seine Gesten, seine Mimik, seine Arroganz und seine Exaltiertheit waren bis zum Auftauchen Freddie Mercurys die ultimative Handlungsanweisung für jeden aufstrebenden Rockstar.

Dazu kam eine unglaubliche Bandbreite. Die Zeppelin-Fahrer wussten nicht nur, wo der Rockhammer hängt, sie integrierten schon Funk („The Crunge“) und Reggae („D'yer Ma‘ker“), als der Rest der Rock-Welt davon kaum etwas gehört hatte. Die Band war auch kompositorisch und in den Arrangements offen für avantgardistische Ausflüge. Kurz: Das war eine Band, die Rock?'n'?Roll zur Kunst erhob.

1980 löste sich die Band auf, nachdem John Bonham unter den branchenüblichen Umständen verstorben war. 2007 gab's ein Revival mit Bonhams rumpeltechnisch ebenso versiertem Sohn Jason an den Trommeln. 20 Millionen wollten die Konzerte in der Londoner 02-Arena sehen! Für gerade mal 20?000 wurde der Traum wahr. Der Rest ging leer aus – ein riesiges Potenzial. Aber Robert Plant widerstand der Versuchung, in weltweit ausverkauften Stadien seine eigene Jukebox zu werden. Die Reunion von Led Zeppelin war für ihn kein Thema.

Doch was macht so einer, der auch kurz vor dem 68. Geburtstag noch erstaunlich gut bei Stimme ist? Er stellt sich eine Band zusammen, geht auf Tournee, und auf der gaben Plant und seine Sensational Space Shifters nun in Meersburg ihr einziges Deutschlandkonzert in diesem Jahr. Der Schlossplatz war mit mehr als 3000 Zuschauern nicht ganz ausverkauft. Aber das gehört eben dazu, wenn man eine erfolgreiche Kuh nicht sein Leben lang melken will.

Plant ließ sich davon nicht anfechten, war gut gelaunt, spaßte über den einsetzenden Nieselregen: „Sorry wegen des Wetters, aber besser dieses als gar keins.“ Das tat er auf Englisch, seine Deutschkenntnise beschränkten sich im weiteren Verlauf des Konzert auf „Danke, meine Damen und Herren“ und auf „Kommen Sie mit“, wenn er auf der restlichen Welt „Come on“ gerufen hätte.

Dass die musikalische Bandbreite immens sein würde, wurde schon beim Intro des Konzertes spürbar: Dick Dales Surfgitarren-Sause „Miserlou“.

Und wie war das jetzt mit den Led-Zeppelin-Titeln? Von denen hatte Plant einige mitgebracht, aber die hatten der Meister und seine formidable Band kräftig entstaubt. Das kernige Riff von „Black Dog“ bekam etwa eine Generalpause verpasst, der Mittelteil von „Whole Lotta Love“ wurde zum Griot-Geigen-Solo des Mulitiinstrumentalisten Juldeh Camara.

Überhaupt: Die Songs klangen so, als seien sie erst die letzten paar Monate entstanden. Oder anders formuliert: Ja zur eigenen Vergangenheit, aber nein zur Denkmalpflege. Nur eines war so wie zu Led-Zep-Zeiten: Die Musiker nahmen sich die Freiheit, die Songs frei zu interpretieren. Was einige jüngere Zuschauer, die übrigens deutlich in der Unterzahl waren, ganz offensichtlich etwas befremdete. „Aber auf Platte ist das doch ganz anders“ und Ähnliches war da im Publikum zu hören.

Tja, liebe Nachgeborene, Live-Konzerte waren vor der Invasion der DJs und ihrer Notebooks Orte, an denen sich nicht nur das Publikum, sondern auch die Musiker austobten. Das taten Plant und seine sechsköpfige, wirklich höchst ausgeschlafene Band in Meersburg und hatten ganz offensichtlich Spaß dabei. Wie auch das Publikum, das sich zwei Zugaben erklatschte. Und die waren natürlich alte Led-Zep-Standards. Ein mit viel Humor gesungenes „Rock?'n'?Roll“ für die „sehr geehrte Herren“ und „Going To California“ für die Damen. Ein erstaunlich erfrischendes Konzert einer fast 68-jährigen Legende. Bravo.

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04.08.2016, 06:00 Uhr
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