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Magere Ernte, billige Milch
Mähdrescher im Weizenfeld: Mit der Ausbeute der Getreideernte sind die Landwirte nicht zufrieden. Foto: dpaEs gibt noch andere Bauern
Die Bauern im Land haben große Sorgen – Erträge sinken weiter

Magere Ernte, billige Milch

Wegen Hagel und Überschwemmungen ist die Ernte mancherorts im Südwesten ins Wasser gefallen. Die Sorgenfalten bei den Bauern sind daher tief.

19.08.2016
  • LSW

Leonberg. Die Schulden sind hoch, das Finanzloch wird immer größer. „Bei diesem Milchpreis hat man morgens mehr Geld als abends - man macht täglich Verlust“, sagt Milchbauer Hans-Georg Schwarz aus Leonberg (Kreis Böblingen). 400 Milchkühe hat er in seinen Ställen, die erst vor zwei Jahren nach seinen Angaben für 1,6 Mio. EUR ausgebaut und modernisiert wurden. Das Problem: Für jedes Kilo Milch bekomme er weniger als es in der Erzeugung koste, 28 Cent seien es derzeit, 30 bis 32 Cent seien bei ihm nötig zur Kostendeckung. „Wenn diese Situation noch länger als ein Jahr andauert, weiß ich nicht, wie es weitergeht“, sagt der 46-Jährige.

Der Landesbauernverband hat am gestrigen Donnerstag auf den Hof von Milchbauer Schwarz zur Ernte-Bilanzpressekonferenz geladen. Der Agrarverband sucht sich für seine jährliche Veranstaltung stets einen beispielhaften Betrieb aus, um ein Problem der Branche darzustellen. Der von Schwarz passt also zur Milchpreiskrise. Seit dem Wegfall der EU-Milchquote 2015 wird viel zu viel produziert, durch den Milch-Überschuss ist der Preis im Keller.

„Die Preissituation bei uns ist desaströs“, sagt Bauer Schwarz. „Wir kommen nur über die Runden, weil wir mit der Bank verhandelt haben. Wir haben umgeschuldet und Tilgungsaussetzungen verhandelt - anders würde es nicht gehen.“ Joachim Rukwied, als Bauernverbandschef so etwas wie Deutschlands oberster Landwirt, sitzt neben ihm und macht dabei eine Miene, als sei ihm saure Milch serviert worden. Die Situation sei gravierend, sagt Rukwied. „Wenn die Familie Schwarz kein Geld verdient, hat ihr Betrieb keine Zukunft.“

Die Politik steht dem Problem Milchpreisverfall eher ohnmächtig gegenüber. Der Abschied von der EU-Milchquote 2015 war letztlich auch ein Nein zu weiteren tiefgreifenden politischen Interventionen. Der Markt möge etwaige Probleme doch bitte allein regeln, so der Grundtenor der EU-Staaten einschließlich Deutschlands. Es gab zwar einige Maßnahmen inklusive EU-Finanzmitteln. Fahren Milchbetriebe ihre Produktion runter - was ein wichtiger Schritt zum Ende des Marktüberschusses wäre -, bekommen sie von der EU Ausgleichsgeld.

Doch nicht nur die Milchbauern haben Probleme: Der Regen vergangener Monate hat Baden-Württembergs Bauern die Ernte gründlich vermasselt. Die Erträge lägen etwa 12 Prozent unter dem langjährigen Mittelwert, sagte Rukwied. „Die Getreide- und Rapserträge sind enttäuschend.“ Für Ackerbauern sei 2016 ein schlechtes Jahr.

Besonders auf guten, lehmigen Böden waren die Einbußen heftig – deren eigentlich positive hohe Speicherfähigkeit wurde zum Nachteil, weil die Wassermassen nicht schnell absickern konnten. In der Region Stuttgart und im Rheingraben habe es Einbußen von stellenweise einem Drittel gegeben, sagte Rukwied. Vor allem bei Winterweizen und Sommergerste waren die Einbußen deutlich, die Ernte der Ölfrucht Raps hingegen fiel immerhin durchschnittlich aus.

Da die Landwirte nur niedrige Preise erzielen könnten, träfen die schlechten Getreide-Ergebnisse die Branche hart, so Rukwied, der zugleich Chef vom Bauern-Bundesverband ist. Hierbei verwies der Branchenvertreter auf eine insgesamt höhere Getreideernte in diesem Jahr auf dem Weltmarkt und deswegen weiter niedriger Preise, etwa wegen Höchstwerten in Russland und in der Ukraine.

Begründet wurden die Einbußen mit dem schlechten Wetter. Hierdurch gab es nicht nur Unwetterschäden, sondern auch höheren Befall durch Pilzkrankheiten wie dem Falschen Mehltau. Nur dank Pflanzenschutzmitteln sei mancherorts Schlimmeres verhindert worden, so Rukwied. „Hätten wir keine Pflanzenschutzmittel zur Verfügung gehabt, hätten wir in nicht wenigen Bereichen Vollausfälle gehabt.“

Nochmal zurück zum Milchbauer Schwarz. Für ihn ist das von der EU angebotene Ausgleichsgeld keine Lösung für seine Misere: „Dieser Betrieb ist dazu da, um zu produzieren.“ Das Ausgleichsgeld – bis zu 14 Cent pro Kilo Milch weniger – würde vorne und hinten nicht reichen. „Wovon soll ich denn meine Schulden bezahlen?“ Also setzt der 46-Jährige – wie viele seiner Kollegen – weiter auf die Menge.Es gibt noch andere Bauern

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19.08.2016, 06:00 Uhr
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